Bei keiner größeren Festveranstaltung in Tirol dürfen die Schützen fehlen. Sie sind Garant für Tradition und Heimatverbundenheit.
Die „wehrhaften“ Tiroler in ihren schmucken, regional unterschiedlichen Trachten sind heutzutage keine kriegerischen Gesellen mehr, die mit Inbrunst feindliche Truppen abwehren. Manche glauben daher, sie sind allein zum folkloristischen Aufputz im wahrsten Sinne des Wortes degradiert worden. Doch der gesellschaftspolitische Hintergrund des Schützenwesen trägt nach wie vor zu Identität der Europaregion Tirol bei.
In den historischen Quellen zur Tiroler Geschichte werden erstmals Ende des 14. bzw. Anfang des 15. Jahrhunderts „Schützen“ erwähnt. Doch die eigentliche Geburtsstunde des heimischen Schützenwesens ist im Jahre 1511 festzumachen: Denn da wurde von Kaiser Maximilian und dem Tiroler Landtag (= Ständevertretung) beschlossen, dass die Tiroler nicht verpflichtet sind für einen Herrscher außerhalb der Landesgrenzen in den Krieg zu ziehen. Dafür versprachen die Stände bei Feindeseinfall Tirol zu verteidigen.
Weitum bekannt wurde das Tiroler Schützenwesen vor allem durch die kriegerischen Einfälle der Bayern 1703 und nicht zuletzt durch die Auseinandersetzungen mit den Franzosen (nebst ihren bayerischen Verbündeten) in den Jahren 1796/97 und 1809. Gerade die Bergisel-Schlachten (bei Innsbruck) unter dem Südtiroler Kommandanten Andreas Hofer (der „Robin Hood“ von Tirol) trugen wesentlich dazu bei, dass der Mythos vom wehrhaften Bergvolk, das selbst Napoleon trotzte, in ganz Europa bekannt wurde.
Seit 1995 gibt es den Gesamttiroler Schützenbund Europäische Region Tirol, der sich aus dem Nord-, Süd- und dem Welschtiroler Schützenbund zusammensetzt. Zu den Grundsätzen des regionalen Schützenwesens zählen:
Treue zu Gott und dem Erbe der Väter
Schutz von Heimat und Vaterland
Die geistige und kulturelle Einheit des Landes
Freiheit und Würde des Menschen
Pflege des Schützenbrauchs
Die 25 Tiroler Bataillone setzen sich aus einzelnen Kompanien zusammen, die alle der Bundesleitung unterstehen. Fast in jeder Tiroler Gemeinde gibt es eine Schützenkompanie, die bei festlichen Anlässen „ausrückt“ und zumeist mit einer gemeinsamen Gewehrsalve den Feiercharakter lautstark unterstreicht. Daneben kümmern sich die Tiroler Schützen aber auch im engeren Sinn um die „Heimat“: Sei es durch Renovierungsaktionen für Bauwerke, der Pflege der Natur in Form von Reinigungsaktivitäten, vor allem aber der sozialen Fürsorge für die Mitglieder und die älteren Mitbürger.