Mystisch und archaisch – Fasnachtsbräuche in Tirol

Nirgendwo sonst finden sich so viele und unterschiedliche Fasnachtsbräuche und nirgendwo werden sie so ausgiebig gepflegt wie in Tirol. Die Figuren und Masken dieses bunten Brauchtums reichen mit ihren Wurzeln in graue Vorzeiten zurück. Sie haben mit Sonnenkult und Fruchtbarkeitszauber, mit dem Vertreiben böser Kräfte und der Beschwörung der Lebensgeister zu tun.

Erleben Sie die bunten und ausgelassenen Aufführungen mit prachtvollen, handgeschnitzten Masken und aufwendigen Kleidern. Fantasievoll geschmückte, mit Aufbauten versehene Wagen ergänzen den Zug der altehrwürdigen Gruppen und Figuren und sorgen für Heiterkeit, Bewirtung und viel Schabernack.

 

1. Von Rollern und Schellern - Imster Schemenlauf

Die Imster Fasnacht zählt zu einem der farbenprächtigsten Fasnachtsspektakel in Tirol: Rund 900 Fasnachtsbegeisterte verwandeln Imst alle vier Jahre in ein Meer aus Schellern, Rollern, Hexen, Bären und ziehen Besucher in ihren Bann. 2012 wurde das traditionsreiche Imster Schemenlaufen zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Zwei Jahre vor der großen Fasnacht der Erwachsenen findet die Buabefasnacht in Imst statt: Rund 400 Burschen zwischen sechs und 16 Jahren lassen Imst zu einer Fasnachtshochburg in Kinderhänden werden.

Nächstes Schemenlaufen: 31. Jänner 2016; Buabefasnacht: 2018

 

2. Der Bär ist los! - Nassereither Schellerlaufen

Alle drei Jahre gehen die Nassereither „in die Fasnacht“: Das Nassereither Schellerlaufen ist einer der imposantesten Fasnachtsbräuche in Tirol und ebenfalls immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Die anmutig wirkenden Figuren des „Schönen Zuges“ – Kehrer, Roller und Scheller sowie Spritzer – begeistern mit einzigartigen Seidengewändern im Barock- und Rokokostil.

Nächstens Schellerlaufen: 24. Jänner 2016

 

3. Im Fasnachtsfieber - Telfer Schleicherlaufen

Alle fünf Jahre greift in Telfs das sogenannte „Fasnachtsfieber“ um sich und die Bären, Wilden und Schleicher ziehen durch Telfs. Die rund 40 prächtig gekleideten Schleicher tragen einen monumentalen Hut: bis zu acht Kilogramm schwer, oft höher als einen Meter und jeder für sich ein Kunstwerk. Seit 2010 gehört das traditionsreiche Telfer Schleicherlaufen zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nächstes Schleicherlaufen: 1. Februar 2015

 

4. Wildes Treiben der Muller und Matschgerer

Beim Muller- und Matschgererwesen in den Dörfern rund um Innsbruck spielen unter anderem Spiegeltuxer, Melcher und Weißer als Symbole für den Frühling und Sommer und Zottler, Zaggler, Klötzler und Hexen als Vertreter des Herbstes und Winters die Hauptrollen. Wild und ungestüm ziehen sie durch die Straßen und Lokale, alle mit streng vorgeschriebenen Schritten, Tänzen und Figuren. Ein Schlag von den Mullern und Matschgern auf die Schulter bedeutet Glück und Fruchtbarkeit. Die traditionsbewussten Gemeinden Rum, Thaur, Absam und Mils veranstalten im Wechsel jedes Jahr einen großen Umzug.

Nächstes Mullerlaufen: 8. Februar 2015

 

5. Urig und kraftvoll – das Fisser Blochziehen

Im Mittelpunkt des alle vier Jahre stattfindenden Fisser Blochziehens steht eine etwa 30 Meter lange, buntgeschmückte Zirbe, die auf Schlitten mühsam von verschiedenen Figuren durch die engen Dorfgassen gezogen wird. Bis zum späten Nachmittag dauert das Fastnachtstreiben, das mit der öffentlichen Versteigerung des wertvollen Zirbenholzes sein Ende findet.

Nächstes Blochziehen: 28. Jänner 2018

 

6. Der raueste Fasnachtsbrauch – das berühmte Axamer Wampelerreiten

Ein ganz besonderer Brauch in der Tiroler Fastnachtslandschaft ist das Axamer Wampelerreiten. Von nah und fern trifft man sich zum großen Umzug, um die seltsam anmutenden Wampeler zu bewundern, die Geschichte über den Axamer Bock zu hören und das bunte Fasnachtstreiben auf den Festwägen mitzuerleben. Das Wampelerreiten findet alljährlich am Unsinnigen Donnerstag statt.

Nächstes Wampelerreiten: 15. Februar 2015