Ohne MPREIS wäre die Tiroler Architekturlandschaft karger. Denn das Unternehmen vergab schon früh Aufträge an junge Architekten.

Beim MPREIS Matrei in Osttirol von Machné und Durig schimmert das Dach strahlend weiß. Foto: G.R. Wett
Auf die äußere Hülle von Lebensmittelmärkten wird normalerweise nur wenig Augenmerk gelegt, erachten es die Betreiber doch als wichtiger, den Inhalt an den Mann und die Frau zu bringen. Die Folge solchen Denkens sind künstlich beleuchtete Einkaufshöhlen, in denen auf dem Weg zur Kasse erst alle langen engen Gänge abgeschritten werden müssen. Das Tiroler Unternehmen MPREIS tritt dem schon seit geraumer Zeit mit einem Konzept entgegen, das aus Supermärkten einladende Orte zum Einkauf von Lebens-Mitteln macht. (Fast) jede der Filialen wurde von einem Architekten gestaltet, die Märkte sind großzügig gestaltet, hell und könnten als eine Art Lexikon zeitgenössischer Tiroler (und internationaler) Baukunst oder auch moderner Shoparchitektur gelesen werden. Denn bei etlichen der Bauten handelt es sich um die ersten oder zumindest um frühe Großaufträge an junge, mutige Architekten der heimischen Szene.

Getränkeregal vor Bergpanorama: Blick aus dem Inneren des MPreis Telfs zur Hohen Munde. Foto: Th. Jantscher
Besonders aufsehenerregende Beispiele sind die MPREIS- Märkte in Wenns, Wattens, Niederndorf, Achenkirch, Telfs, Tannheim, Sölen und Matrei in Osttirol:
In
Wenns setzte Rainer Köberl 2001 einen nur scheinbar schlichten Quader auf Stützen in ein Hanggrundstück. Die beiden Stirnseiten sind verglast, in die Betonwände an den Seiten wurden unregelmäßig geformte Fenster eingeschnitten. Im Inneren überzeugt zudem die Farbwahl: Ein schwarzer Kunstharzboden und rotbraune Wandelemente verleihen dem MPREIS im Wenns ein elegantes Aussehen.
Für den expandierenden
Telfer Ortsteil Puite plante Peter Lorenz 2001 eine umwerfende Einkaufshalle, die von außen vor allem durch das – in einem kühnen Schwung wie das Stück eines Tragflügels geformte – Dach auffällt. Im Inneren öffnet sich dem Besucher ein weiter Raum mit hoher Decke und weiten Ausblicken, in dem man mit dem Einkaufswagen genüsslich kreuzen kann. Mit Licht und Schatten spielte Lorenz 2005 hingegen beim
MPREIS Niederndorf: Dort ist um die gläserne Mitte ein „Wald“ aus lauter unbehandelten Fichtenstämmen errichtet, durch den Optisch eine Art umlaufende Veranda entsteht.
Der
Wattener SuperMPREIS von 2003 ist ein Beispiel für internationale Architektur, zeichnete doch Dominique Perrault, der Architekt der Französischen Nationalbibliothek und der Innsbrucker Rathausgalerien dafür verantwortlich. Er plante einen geräumigen hohen Kubus mit viel Glas, der außen mit Metallgittern verkleidet ist. Dies sorgt für Leichtigkeit und ein besonders angenehmes Licht im Inneren.
Ein glänzend weißes Dach kragt beim
MPREIS Matrei in Osttirol (2004) der Architekten Machné und Durig weit über die gläserne Fassade aus und lässt einen an die eleganten Tankstellenpilze der 1950er-Jahre denken. An einer Seite ist es bis auf den Boden gezogen und verläuft in einer schwungvollen Kurve sozusagen im Sand.
2005 entstand nach Plänen von Giner+Wucherer der
MPREIS Achenkirch mit gekrümmter Fassade. Außen wie innen dominieren warme Braun- und Rottöne den einladenden Bau. Dies gilt – zumindest was den Innenbereich betrifft – auch für den
MPREIS Tannheim von Herbert Seelos aus dem Jahr 2006. Außen fügt sich der ebenerdige Bau jedoch vor allem durch die ortsübliche Verkleidung mit Holzschindeln gut in die Umgebung ein.
2007 entstand schließlich der
MPREIS Sölden nach Plänen von Raimund Rainer. Spektakulär an die Felswand einer Schlucht gesetzt, dürfte es sich dabei um einen der außergewöhnlichsten Bauten der Supermarktkette handeln. Und mehr noch als alle anderen vor ihm weckt er die Neugier darauf, welche erstaunlichen Umsetzungen für die Bauaufgabe Supermarkt in Tirol noch entstehen werden.