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Das Tirol Panorama – Die Quadratur eines Zylinders.

Aktualisiert am 14.05.2018 in Architektur

Foto: Alexander Haiden
Foto: Alexander Haiden

Mit dem Tirol Panorama wurde der Stadt Innsbruck ein weitere spannende Sehenswürdigkeit zum ohnehin schon spannenden Potpourri an Architektur internationaler Granden wie Dominique Perrault, David Chipperfield und Zaha Hadid hinzugefügt. Tirol Panorama? Alles begann mit einer Schlacht gegen Franzosen und Bayern vor über 200 Jahren am Bergisel...

Die dritte Bergiselschlacht am 13. August 1809 geht in die Geschichtsbücher ein, Andreas Hofer wird zum Sinnbild eines tapferen Tirolers und die Wirren rund um die Bergiselschlacht werden rund hundert Jahre später vom Münchner Alpen- und Panoramamaler Michael Zeno Diemer auf die Leinwand übertragen. Diese fand ihr Zuhause in einer Rotunde am Innsbrucker Rennweg direkt neben dem Inn. Es ist eine romantisierte und touristisch auffrisierte Momentaufnahme, aber eine sehr Einzigartige.

Neue Wege

„Von Oben ist es leise, von unten sehr selbstbewusst“, so beschreibt Architekt Phillip Stoll-Wagner das Tirol Panorama. Ein nicht unumstrittenes Bauprojekt, das emotionale als auch politische Wogen jahrelang hochgehen ließ – führte es doch dazu, dass das Rundgemälde über die Schlacht am Bergisel von der altbekannten, mittlerweile denkmalgeschützten Holzrotunde zu eben diesem Tiroler Schicksalsberg „übersiedelte“.

Der Bergisel

Dabei scheint es nur sinnhaft, dem Andreas-Hofer-Platz am Bergisel einen Raumabschluss, der östlichen Flucht über den Abhang hinunter in die Sillschlucht eine Struktur zu geben. „Eine reduzierte Botschaft,“ nennt Architekt Stoll-Wagner sein Tirol Panorama. „Ursprünglich war im Wettbewerb ein Ausstellungsgebäude ausgeschrieben, kein Museum. Ich denke, wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil wir die Dimensionen als Erste erkannt haben. Die Dimension des Zylinders, der zu bauen war, um die schiere Dimension des Gemäldes zu beherbergen – das alles in Kombination mit der Örtlichkeit am Bergisel“, erzählt Stoll-Wagner. Er setzte sich im Wettbewerb schließlich gegen 74 Bewerber aus ganz Europa durch.

Architekt Stoll-Wagner drückte den Zylinder nach unten, in die Abruchkante zur Sillschlucht und wagte was Neues. Foto: Alexander HaidenArchitekt Stoll-Wagner drückte den Zylinder nach unten, in die Abruchkante zur Sillschlucht und wagte was Neues. Foto: Alexander Haiden

Phillip Stoll-Wagner ist selbst Innsbrucker, die Rotunde neben der ehemaligen Talstation der Hungerburgbahn war auch in seiner Kindheit und Jugend ein Fixpunkt, wenngleich er das kunsthistorische Ausmaß des Rundgemäldes erst im Zuge seiner ersten Entwürfe für das Tirol Panorama erkannte. „Als wir das erste Modell bauten, sahen wir, dass wir das Rundgemälde nicht mit einer Art Gasometer ummanteln können. Das wäre zu mächtig und störend am Bergisel gewesen, außerdem hätte es die Optik des Platzes und des Kaiserjägermuseums kaputt gemacht,“ erzählt Stoll-Wagner. Er und sein Team entschieden sich dafür, das Volumen des Zylinders nach „unten zu drücken“, in eine Geländemulde, die östlich durch eine Abruchkante in die Sillschlucht begrenzt wird. Über dem massiven, rund 30 Meter breiten Zylinder aus Beton balanciert nun, mit präzisem Strich in die Landschaft skizziert, eine gläserne Box mit 66 Metern Länge und 40 Metern Breite.

Das Tirol Panorama

Reduziert und perfekt integriert. „Die Wucht und Plastizität des Tirol Panoramas wird nur von unten, etwa von der Sillschlucht und der Inntalautobahn wahrgenommen. Am Bergisel-Platz sieht man zuerst nur einen flachen Baukörper,“ erklärt Stoll-Wagner. „Und genau das ist das spannende an der Sache,“ erzählt er weiter, „die Besucher werden quasi am Dach „geholt“ und über eine schmale Rolltreppe in das eigentlichen Museum geführt. Aha-Erlebnis garantiert – denn im Inneren ist baulich und gestalterisch nur das Rundgemälde wichtig, die Architektur gemahnt zur Ruhe und Gemächlichkeit.“

Das tiefe Rot der Außenwände der neuen Rotunde bereitet auf die Schlacht vor. Foto: Alexander HaidenDas tiefe Rot der Außenwände der neuen Rotunde bereitet auf die Schlacht vor. Foto: Alexander Haiden

Am tiefsten Punkt des Gebäudes führt eine weitere Rolltreppe in die Rotunde, das tiefe Rot der Außenwände bereitet auf die Schlacht vor. Diemers tausend Quadratmeter großes Panoramabild hat den Umzug aus der alten Rotunde schadlos überstanden. Die Zuluft, die aus einem alten Luftschutzstollen aus dem Zweiten Weltkrieg angesaugt und über Wärmetauscher auf die gewünschte Temperatur gebracht wird, soll das Öl auf Leinen langfristig schonen.

Der Ausblick

Eines wurde mit der Gestaltung des Tirol Panoramas zur Gewissheit: die Innsbrucker Architekten, die nun sukzessive zum Zug kommen, die Landeshauptstadt zu gestalten, stehen den wagemutigen internationalen Hyper-Architekten um nichts nach. Denn aufmüpfig und kämpferisch waren sie immer schon, die Tiroler. Das sieht man eben.

Die Öffnungszeiten des Tirol Panoramas findet ihr auf der Homepage der Tiroler Landesmuseen: tiroler-landesmuseum.at

Wenn ihr mehr über den Architekten Philipp Still-Wagner herausfinden wollt, könnt ihr die Homepage seines Büros besuchen: stoll-wagner.at

Und hier gibt es mehr Informationen zu allen Tiroler Ausflugszielen: tirol.at

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika. Immer wieder hat es die studierte Geografin aber zurück in die Heimat gezogen - bis sie schließlich in Tirol ihr Zuhause gefunden hat und nun auf ihrem Blog „G’spür“ mit viel Begeisterung schreibt, was sie hier sieht, fühlt und schmeckt.

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