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Christoph Crepaz im Interview: „Am meisten interessiert mich, wenn Kulturen zusammentreffen“

01.03.2021 in Kulturleben

Christoph Crepaz Stummer Schrei, Foto: Matthias Haun:
Christoph Crepaz Stummer Schrei, Foto: Matthias Haun:

Ein Gespräch mit Christoph Crepaz, Leiter des Festivals Stummer Schrei (16.6.–8.8.2021), österreichischer Honorarkonsul in Schottland, Netzwerker und Kulturmensch von klein auf.

Interview: Esther Pirchner
Fotos: Matthias Haun

Es ist noch gar nicht so lange her, dass man das Zillertal kulturell vor allem mit volkstümlicher Musik verbunden hat. Jetzt gibt es zwei Theaterfestivals und eine ganze Reihe weiterer Kulturaktivitäten. Wie beurteilst du diese Entwicklung?

Es ist sehr interessant, was da gerade passiert, im ganzen Zillertal setzt man zurzeit sehr auf Kultur, wobei ich finde, die volkstümliche Musik hat genauso ihre Berechtigung in der Region. Generell geht es um eine gute Mischung: Beim Stummer Schrei zeigen wir Volkstheater und Filme, klassische, Populär- und Alte Musik. Damit sprechen wir rund 40 bis 50 Prozent Publikum im Tal an, der andere Teil kommt von außerhalb.

Es gibt mit dem Steudltenn in Uderns ein weiteres hochkarätiges Theaterfestival und zurzeit steht im Raum, in Fügen ein weiteres Festival mit einem anderen Schwerpunkt, der Neuen Volksmusik, einzurichten. Ein Konzept habe ich bereits erarbeitet, die Entscheidung darüber steht aber noch aus. 

Letzte Vorbereitungen auf den Stummer Schrei: Kostümbildnerin Katrin Mair-Böge, Festivalleiter Christoph Crepaz, Assistentin Valerie Kuzinski (v. l.)
Letzte Vorbereitungen auf den Stummer Schrei: Kostümbildnerin Katrin Mair-Böge, Festivalleiter Christoph Crepaz, Assistentin Valerie Kuzinski (v. l.)

Du selbst bist in einer Familie aufgewachsen, die in Tirol für die Veranstaltung von Hochkultur – Alte und ganz neue Musik, Tanz und so weiter – steht. War für dich immer klar, dass du im Veranstaltungsmanagement bleibst?

Nein, mit 19 habe ich ein eigenes Unternehmen für Künstlermanagement gegründet. Ich hatte innerhalb von vier Jahren die Stars der Alten Musik unter Vertrag und war unter den drei größten Agenturen für Barockmusik in Europa. Nach 15, 16 Jahren wollte ich wieder etwas anderes machen und in den wirtschaftlichen Bereiche wechseln. Ich wurde damals angefragt, für die Tourismusregion Hall-Wattens ein Konzept zu entwickeln, und war einige Zeit Geschäftsführer des dortigen Tourismusverbandes. Anschließend bin ich ins Veranstaltungsmanagement gewechselt.

Das Alte-Musik-Ensemble Laudonia tritt beim Stummer Schrei auf, sein Geiger Jorge Jiménez gibt drei Konzerte zum Sonnenaufgang.
Das Alte-Musik-Ensemble Laudonia tritt beim Stummer Schrei auf, sein Geiger Jorge Jiménez gibt drei Konzerte zum Sonnenaufgang.

Du gehst aber noch einer anderen – ehrenamtlichen – Tätigkeit nach: als österreichischer Honorarkonsul in Schottland, wo du seit einigen Jahren lebst. Was macht ein Honorarkonsul eigentlich?

Ich vertrete seit 2018 Österreich in Schottland, wir bemühen uns um wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit. Inzwischen haben wir auch fast die gleichen Aufgaben wie die österreichische Botschaft in London, stellen Pässe aus oder kümmern uns um Österreicher, wenn sie in Schottland mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Letzteres kommt glücklicherweise sehr selten vor.

2018 wurde ich außerdem zum Sekretär des Consular Corps, der Organisation aller Konsularvertretungen in Edinburgh, gewählt. Das ist mit sehr viel Arbeit verbunden, aber für Österreich ist es natürlich gut, weil ich dadurch sehr gut vernetzt bin.

Ser Stummer Schrei nimmt die Eigenproduktion „Märzengrund“ von Felix Mitterer wieder auf.
Foto: Stummer Schrei
Ser Stummer Schrei nimmt die Eigenproduktion „Märzengrund“ von Felix Mitterer wieder auf. Foto: Stummer Schrei

Seit 2015 leitest du nun den Stummer Schrei organisatorisch, im Jahr darauf hast du von Thomas Gassner auch die künstlerische Leitung übernommen. Wo hast du am Bestehenden angeknüpft, wo neue Schwerpunkte gesetzt?

Der Schwerpunkt liegt immer noch auf dem Volkstheater wie Felix Mitterers Stück „Märzengrund“, eine Eigenproduktion, die sich als Verkaufsschlager erwiesen hat. Zusätzlich haben wir – ähnlich wie in den Anfangszeiten des Stummer Schrei – fünf Gastproduktionen im Programm. Die Musikschiene ist mit Klassik, Populärmusik und Alter Musik sehr gemischt. Das reicht von neuer Volksmusik mit Alma, die sehr bekannt sind, über das Alte-Musik-Ensemble Laudonia und The les Clöchards, die sehr kommerziell, aber auch sehr gut sind, bis zu Donauwellenreiter, einer Band, der der Spagat zwischen Kammermusik, Jazz Folklore und Pop extrem gut gelingt. Am meisten interessiert mich, wenn verschiedene Kulturen zusammentreffen, das ist bei ihnen und anderen Musikern des Festivals der Fall.

Man soll sich auch einmal auf etwas Neues einlassen können. Wir machen Sonnenaufgangskonzerte, bei denen Jorge Jiménez von Ladonia die Cellosuiten von Bach auf der Geige spielt. Und Florian Kaplick, ein Profimusiker und Psychiater, feiert hundert Jahre Dada in Tirol. Vermutlich gehen manche Leute aus dieser Veranstaltung und sich denken: „Was war denn das?!“ Aber Kaplick hat schon jetzt eine gute Antwort darauf: „Wer gegen Dada ist, ist Dadaist.“ (lacht)

Donauwellenreiter sind Gäste beim Stummer Schrei 2021. Ihnen gelingt „der Spagat zwischen Kammermusik, Jazz Folklore und Pop extrem gut“.
Donauwellenreiter sind Gäste beim Stummer Schrei 2021. Ihnen gelingt „der Spagat zwischen Kammermusik, Jazz Folklore und Pop extrem gut“.

Beim letzten Festival gab es erstmals auch Konzerte ganz junger Musiker. Führt ihr diese Programmschiene weiter?

Ja, man muss den Nachwuchs extrem fördern, gerade jetzt in der Pandemie. Nach der langen Zeit ohne Konzerte sind viele Musiker deprimiert. Für Profimusiker bilden Konzerte ihre Lebensgrundlage. Bei den jungen Musikern geht es darum sich weiterzuentwickeln und erste Erfahrungen auf der Bühne zu sammeln. Diese Möglichkeit muss man ihnen geben.

Christoph Crepaz

Siehst du den Stummer Schrei auch als Format für Experimente, in dem du ausprobierst, was gut funktioniert und was weniger?

An sich lasse ich mich selten auf Experimente ein. Ich bin eher gewohnt, so zu programmieren, dass es auch ein finanzieller Erfolg wird. Aber da muss man aufpassen, dass es nicht zu kommerziell wird. Daher versuche ich, eine gewisse Mischung zusammenzubekommen. Wenn man weiterkommen will, muss man auch einmal ein Experiment wagen. Aber natürlich ist es schön, dass wir beim Stummer Schrei mit nur 25 bis 30 Prozent der Mittel von der öffentlichen Hand auskommen. Den Rest erwirtschaften wir selbst. Normalerweise ist es umgekehrt.

Dann weiterhin viel Erfolg mit dem Programm! Vielen Dank für das Gespräch.

Christoph Crepaz

Zur Person

Christoph Crepaz ist mit Kultur aufgewachsen, seine Eltern sind als Mitbegründer der Galerie St. Barbara und des Osterfestival Tirol seit mehr als 50 Jahren im Kulturbetrieb tätig, seine Schwester Hannah leitet das Osterfestival Tirol und die Konzertreihe Musik plus, sein Bruder Lukas ist kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele. Christoph Crepaz gründete mit 19 seine eigene Künstleragentur, mit der er in ganz Europa erfolgreich war, wechselte nach 15 Jahren ins Management, u. a. für einige Jahre als Geschäftsführer des TVB Hall-Wattens, und kehrte als Veranstalter wieder in den Kulturbetrieb zurück.2014 übersiedelte Crepaz nach Edinburgh, wo er 2018 zum österreichischen Honorarkonsul bestellt und zum Sekretär (= Vorstandsvorsitzender) des Consular Corps, der Organisation aller Konsularvertretungen in Edinburgh, gewählt wurde. seit 2015 leitet er das Theaterfestival Stummer Schrei im Zillertaler Ort Stumm.

Stummer Schrei

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