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Designlautsprecher Strofeld: Ein Koffer voll Musik

01.03.2021 in Kulturleben

Designlautsprecher Strofeld aus Tirol

Zwei junge Musikliebhaber haben sich dem Bau von Kofferlautsprechern verschrieben. Dabei geht es ihnen aber nicht nur um Design, sondern auch um optimalen Klang. Ein Besuch in der Werkstatt von Dominik Strobl und Jonathan Dornfeld.

Text: Julia Tapfer
Bild: Axel Springer

Sind wir hier wirklich richtig? Das denkt sich wohl jeder, der das erste Mal Dominik Strobl und Jonathan Dornfeld in ihr Büro folgt. Zuerst muss man nämlich ein altes Badezimmer mit weiß-braun geblümten Fliesen durchschreiten. Der noch von der Wand hängende, alte Duschkopf versprüht seinen ganz eigenen Charme und passt in gewisser Weise auch zum Büroraum dahinter. Auch hier erzählen alte Gebrauchsgegenstände ihre ganz eigenen Geschichten. Auf dem Boden und in den Regalen türmen sich nämlich keine Aktenordner oder Büromaterial, sondern alte Koffer in allen Farben und Größen. Einige haben ihrer ursprünglichen Funktion bereits den Rücken gekehrt und beinhalten moderne Lautsprecherkomponenten, andere warten noch darauf, in die Werkstatt der beiden jungen Männer aus Bayern zu kommen und zu Designlautsprechern zu werden.

Das Büro: Die Vintage-Koffer stammen meist von Flohmärkten. Das Wichtige dabei: Ein Koffer muss Charme haben.
Das Büro: Die Vintage-Koffer stammen meist von Flohmärkten. Das Wichtige dabei: Ein Koffer muss Charme haben.

Die Koffer: Dominiks Großvater ist ein fleißiger Flohmarktgänger und bringt seinem Enkel immer wieder gern einen schönen Koffer mit.
Die Koffer: Dominiks Großvater ist ein fleißiger Flohmarktgänger und bringt seinem Enkel immer wieder gern einen schönen Koffer mit.

Einzelstück: Jeder Koffer ist eine individuelle Maßanfertigung.
Einzelstück: Jeder Koffer ist eine individuelle Maßanfertigung.

Handlich: Die kleinen Koffer eignen sich besonders gut als portable Lautsprecher.
Handlich: Die kleinen Koffer eignen sich besonders gut als portable Lautsprecher.

Der 29-jährige Jonathan ist ein Musikliebhaber und Bastler. Schon mit zwölf Jahren hat er an Lautsprechern rumgeschraubt und kleine Verstärker gebaut. Vor vier Jahren wollte er schließlich ein Gerät entwickeln, mit dem er sowohl zu Hause als auch unterwegs beim Slacklinen oder Grillen mit Freunden Musik hören konnte. „Kofferlautsprecher sind eigentlich nichts Neues“, erklärt er. Viele Sammler suchten sich etwa auf Flohmärkten schöne, alte Koffer und bauten darin alte Lautsprecherkomponenten ein. Dabei spiele aber vor allem die Ästhetik die Hauptrolle und der Klang werde oft vernachlässigt. Jonathan ist aber eine hohe Klangqualität sehr wichtig, weshalb er sich monatelang auf verschiedenen Portalen informiert hat, um die passenden Lautsprecher für seinen Koffer zu finden. Die Qualität müsse schließlich stimmen.

Jonathan Dornfeld (links) und Dominik Strobl auf der Terrasse der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck. Während Jonathan eher der technikaffine Tüftler ist, bringt Dominik das betriebswissenschaftliche Wissen mit, um die Marke Strofeld weiterzuentwickeln.
Jonathan Dornfeld (links) und Dominik Strobl auf der Terrasse der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck. Während Jonathan eher der technikaffine Tüftler ist, bringt Dominik das betriebswissenschaftliche Wissen mit, um die Marke Strofeld weiterzuentwickeln.

Vom Hobby zum Start-up

Jonathans erster Kofferlautsprecher punktete bei seinen Freunden. Auch Dominik sah und hörte, was Jonathan gebaut hatte und war begeistert. Er wollte selbst auch so einen mobilen Lautsprecher bauen und tüftelte gemeinsam mit Jonathan mehrere Tage in der Werkstatt. „Es hat so viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten, dass ich wusste, ich möchte mit ihm gemeinsam etwas realisieren.“ Dominik studierte gerade Management in Innsbruck und die Idee, alte Koffer zur hochwertigen Lautsprechern umzubauen, kam gerade recht, um sie im Rahmen des Creativity Award am MCI zu präsentieren. Die Designlautsprecher der beiden jungen Männer landeten bei diesem Ideenwettbewerb auf Platz 4 und durch eine Förderung des Gründungszentrums CAST war es Dominik und Jonathan möglich, ihr Start-up zu gründen und ein kleines Büro mit Werkstatt in der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck zu beziehen. Der Firmenname Strofeld ist eine Kombination der Nachnamen der beiden Gründer. „Und er ist auch abgeleitet vom James-Bond-Bösewicht Blofeld“, fügt Dominik hinzu und lacht.

Die Anfänge: Das ist der erste Kofferlautsprecher, den Jonathan und Dominik gemeinsam gebaut haben.
Die Anfänge: Das ist der erste Kofferlautsprecher, den Jonathan und Dominik gemeinsam gebaut haben.

Akkubetrieb: Weil die Lautsprecherkoffer mobil sein sollen, werden sie mit Akkus betrieben.
Akkubetrieb: Weil die Lautsprecherkoffer mobil sein sollen, werden sie mit Akkus betrieben.

AUX und Bluetooth: Die Bedienung der Lautsprecher ist sehr einfach gehalten. Es gibt sowohl einen AUX-Anschluss als auch die Möglichkeit, Musik via Bluetooth zum Beispiel vom Handy zu übertragen.
AUX und Bluetooth: Die Bedienung der Lautsprecher ist sehr einfach gehalten. Es gibt sowohl einen AUX-Anschluss als auch die Möglichkeit, Musik via Bluetooth zum Beispiel vom Handy zu übertragen.

Klangqualität: Vereinfacht ausgedrückt, wirken sich vor allem drei Dinge auf einen guten Ton aus, erklärt Dominik: das Gehäuse, die verbauten Komponenten und die gute Abstimmung von beiden Teilen aufeinander.
Klangqualität: Vereinfacht ausgedrückt, wirken sich vor allem drei Dinge auf einen guten Ton aus, erklärt Dominik: das Gehäuse, die verbauten Komponenten und die gute Abstimmung von beiden Teilen aufeinander.

Ein Besonderes Stück: Auch diese Uhr haben Strofeld in einen Lautsprecher verwandelt.
Ein Besonderes Stück: Auch diese Uhr haben Strofeld in einen Lautsprecher verwandelt.

Aus Koffern hochwertige Lautsprecher zu bauen, ist gar kein einfaches Unterfangen. Noch bevor Hand an den Koffer angelegt wird, wird er mit einem speziellen Computerprogramm simuliert, um das Volumen zu berechnen. Dann geht es darum, die richtigen Lautsprecher auszuwählen. Durch mittlerweile jahrelange Erfahrung weiß Jonathan, welche Komponenten sich wahrscheinlich für einen Koffer eignen könnten und worauf er achten muss. Vieles hat er auch einfach durch Ausprobieren gelernt.

Alles, was mitschwingt oder tscheppert, wirkt sich negativ auf den Klang aus.
Dominik Strobl

Um den Klang so wenig wie möglich zu verfälschen, ist es nötig, das Gehäuse des Koffers zu stabilisieren. „Alles, was mitschwingt oder tscheppert, wirkt sich negativ auf den Klang aus“, versucht Dominik möglichst einfach zu erklären, worauf es beim Lautsprecherbau ankommt. Jonathan baut in die Koffer meist ein spezielles Birkengehäuse zur Stabilisierung ein, um die Eigenschwingung des Koffergehäuses auf ein Minimum zu reduzieren.

Die passenden Lautsprecherkomponenten müssen für jeden Koffer individuell ausgesucht werden, erklärt Jonathan. Und selbst die gleichen Lautsprecher klingen in jedem Koffer wieder anders. Deshalb ist die Arbeit mit dem Einbau der Lautsprecherkomponenten auch noch nicht getan, sondern es folgt noch die Feinabstimmung. Mit einem Messsystem wird der Frequenzgang gemessen – danach werden digital Anpassungen vorgenommen. Und nicht zuletzt verlässt sich Jonathan auf sein Gehör. Dieses sei schließlich immer noch der beste Indikator dafür, ob ein Lautsprecher passt oder nicht.

Jonathan misst eine alte Kühltruhe aus.

Jonathan schneidet das Holz passend zu.

Zwischen 15 und 60 Arbeitsstunden fließen in einen Kofferlautsprecher. Die Kosten für einen solchen variieren je nach Aufwand und eingebauten Komponenten. Die Preise starten ab 1.500 Euro.

 

Fotos: Axel Springer (2), Eric Walter (1)
Zwischen 15 und 60 Arbeitsstunden fließen in einen Kofferlautsprecher. Die Kosten für einen solchen variieren je nach Aufwand und eingebauten Komponenten. Die Preise starten ab 1.500 Euro.   Fotos: Axel Springer (2), Eric Walter (1)

Keine halben Sachen

Derzeit arbeiten Jonathan und Dominik gerade an Lautsprecher Nr. 133 und 134. Einer davon soll der bisher größte Kofferumbau seit der Gründung werden. Ein Überseekoffer mit über 70 Litern Volumen wird zu einer transportablen Disko im Kofferformat umgebaut. BigBoy III nennen die beiden den Koffer, welcher auf Kundenanfrage in Auftrag gegeben wurde. Jeder Koffer sei anders und individuell, so lernen sie bei jedem einzelnen etwas dazu. Das Motto der beiden: Wenn man es nicht gut macht, kann man es auch gleich bleiben lassen.  

Während Jonathan stets werkelt und sich über die neuesten technischen Möglichkeiten im Lautsprecherbau informiert, ist Dominik gerade intensiv mit der Weiterentwicklung der Marke beschäftigt. Mit dem Upcycling der Koffer wollen die beiden nicht ihr ganzes Unternehmen aufbauen, sondern sehen dies als Sprungbrett, um Fuß im Design-Lautsprecherbau zu fassen. Die neuste Entwicklung der Manufaktur wird ein nachhaltig gefertigter Streaming-Lautsprecher aus regionalen Echt-Hölzern wie Zirbe, Fichte und Eiche sein. Alma von Strofeld nennen sie ihren ersten in Serie gefertigten Lautsprecher

Jonathan und Dominik in ihrer kleinen Werkstatt.
Jonathan und Dominik in ihrer kleinen Werkstatt.

„Musik ist ein großer Teil meines Lebens“, sagt Dominik. Schon kurz nach dem Aufstehen am Morgen läuft bei ihm meist Musik, die zu seiner Stimmung passt. Auch beim Zusammensitzen mit Freunden kann er sich nicht vorstellen, auf Musik zu verzichten. Durch die viele Arbeit mit Lautsprechern ist er allerdings anspruchsvoller geworden. Da pflichtet ihm Jonathan bei: „Ich höre Musik mittlerweile ganz anders. Es ist nicht mehr entspanntes Hören, sondern ich achte bewusst auf den Klang.“ Durch die tägliche Beschäftigung mit Lautsprechern sind die jungen Männer sehr kritisch geworden. Mit Mittelmaß wollen sie sich nicht zufriedengeben. 

Die ständige Unzufriedenheit sei aber auch immer wieder der Antrieb, noch besser zu werden und sich weiterzuentwickeln, sagen sie. So haben sie noch viele Ideen, die sie angehen möchten. Zunächst geht es aber für die beiden hoffentlich bald auf die lang ersehnte Oldtimermesse Retro Classics in Stuttgart, wo die Manufaktur mittlerweile eine echte Attraktion für die Besucher der Messe geworden sind. Bis dahin werden Jonathan und Dominik noch viel Zeit in ihrer Werkstatt verbringen – die Kofferlautsprecher dafür müssen ja erst noch gebaut werden.

STROFELD 

Designlautsprecher aus Tirol

Die Strofeld-Manufaktur befindet sich in der Dreiheiligenstraße 21a in Innsbruck.
Hier werden die individuellen Kofferlautsprecher als Einzelstücke angefertigt.

Anfragen
Mail: info@strofeld.com
Telefon: +43 677 621 494 69

Www.strofeld.com

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