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Rabalderhaus Schwaz, Juni 2021: Im Netz der Moderne

01.03.2021 in Kulturleben

Günther Dankl

In der Landschaft statt im Atelier setzten die Maler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Sehnsuchtsorte ins Bild. Kurator Günther Dankl zeigt dies in der Ausstellung „Im Netz der Moderne“ anhand von zwei Tiroler Vertretern der Moderne.

Text: Esther Pirchner
Fotos: Gerhard Berger

Das innere Erleben malen

Den Achensee setzte der aus Schwaz stammende Künstler Hans Weber-Tyrol mehrfach ins Bild. Von frühen naturalistischen Abbildungen gelangte er zur Abstraktion
Foto: Rabalderhaus Schwaz.
Den Achensee setzte der aus Schwaz stammende Künstler Hans Weber-Tyrol mehrfach ins Bild. Von frühen naturalistischen Abbildungen gelangte er zur Abstraktion Foto: Rabalderhaus Schwaz.

Dass Anfang des 20. Jahrhunderts Natur und Landschaft vor Ort gemalt wurden statt vorrangig im Atelier, war ein Zeichen des Aufbruchs in eine neue Zeit. Die Maler bildeten nicht mehr naturalistisch ab, was sie sahen, sondern versuchten ihr inneres Erleben ins Bild zu setzen. Damit veränderten sich die Motive und die Art, wie sie dargestellt wurden. Das Rabalderhaus in Schwaz zeigt unter dem Titel „Im Netz der Moderne. Kunstpositionen zwischen Alpen und Gardasee“ die Entwicklung vom Naturalismus zur Moderne und Abstraktion anhand von zwei Malern und ihrem Kreis: Hans Weber-Tyrol, der in Schwaz geboren wurde, in München Malerei studierte und später nach Eppan in Südtirol übersiedelte, und Artur Nikodem, der aus dem Trentino stammte und in Nordtirol ansässig wurde. 

Zwei Künstler im Austausch

„Im Netz der Moderne“, Blick in einen der Ausstellungsräume im Rabalderhaus
„Im Netz der Moderne“, Blick in einen der Ausstellungsräume im Rabalderhaus

Am gemeinsamen Sehnsuchtsort Gardasee trafen Nikodem und Weber-Tyrol aufeinander und pflegten fortan den künstlerischen Austausch, erzählt Günther Dankl, der die Ausstellung im Rabalderhaus kuratiert hat. „Sie waren auf einer Wellenlänge, haben sich gut verstanden und wurden dann zu den ganz wichtigen Künstlern in Tirol. Wir zeigen Begegnungen, unterschiedliche Exponate, aber auch die Künstlervereinigungen, die gegründet wurden.“

Drei Zeiten, drei Bilder, drei Perioden

Rund 20 Jahre liegen zwischen den drei Bildern, sie zeigen die Entwicklung Weber-Tyrols vom Naturalismus zur Abstraktion.
Rund 20 Jahre liegen zwischen den drei Bildern, sie zeigen die Entwicklung Weber-Tyrols vom Naturalismus zur Abstraktion.

Der künstlerische Weg der beiden Maler wird besonders in den Ansichten von Gardasee oder Achensee, von Blumenwiesen und Städten deutlich, in denen sie ähnliche Motive zu verschiedenen Zeiten ins Bild gesetzt haben. Bei einer Führung durch die Ausstellung bleibt Günther Dankl vor drei Bildern von Hans Weber-Tyrol stehen, die an einer Wand nebeneinander hängen, und erläutert diesen Gedanken: „Das Bild von 1908 ganz links ist noch sehr traditionell. Im zweiten Bild löst er sich davon, die Farben werden schon spontaner, und am Ende der 1920er-Jahre – beim Bild von Schloss Freundsberg – schafft er wirklich ganz spontan aus dem Inneren.“ Der nächste Schritt könnte bereits in Richtung Abstraktion gehen, wo nur mehr Farbe zum Ausdruck kommt.

Affen, Papageien und Tiger

Auf der Rückseite des Papageien-Bildes von Hans Weber-Tyrol ist noch der Vermerk der Galerie Thannhauser zu sehen. Dort waren die neuesten Kunstströmungen ausgestellt.
Auf der Rückseite des Papageien-Bildes von Hans Weber-Tyrol ist noch der Vermerk der Galerie Thannhauser zu sehen. Dort waren die neuesten Kunstströmungen ausgestellt.

Den Hintergrund dafür bildete bei Weber-Tyrol unter anderem seine Verbindung zur Münchner Galerie Thannhauser, einer Vorreiterin der modernen Kunst. Dadurch kannte er die französischen Impressionisten und die Künstler des Blauen Reiter wie Franz Marc, Wassily Kandinsky oder Gabriele Münter. Im Münchner Zoo studierte er exotische Tiere, malte Affen, Tiger und Papageien. Was er dort und bei Reisen beispielsweise durch Italien lernte, brachte er in den 1920er-Jahren mit nach Tirol.

Das Licht des Orients

Artur Nikodem war von Gustav Klimt beinflusst (links) und lernte in der Türkei das „Licht des Orients“ kennen. 
An seine Schüler gab er die Idee weiter, dass man Kunst aus dem Inneren schöpft. 
Artur Nikodem war von Gustav Klimt beinflusst (links) und lernte in der Türkei das „Licht des Orients“ kennen.  An seine Schüler gab er die Idee weiter, dass man Kunst aus dem Inneren schöpft. 

Artur Nikodem kannte die Gemälde von Gustav Klimt, eine weitere Inspiration erhielt er in der Türkei. Günther Dankl erklärt es anhand des Bildes einer Blumenwiese, das in der Ausstellung hängt. „Man sieht, dass Nikodem vom Jugendstil beeinflusst war. Er war im Ersten Weltkrieg in in der Türkei stationiert und hat dort das ,Licht des Orients‘ kennengelernt. Er war von Farbe erfüllt und hat immer die Farbe gesucht. Es ist so wie bei Cezanne, der seine Bilder nur in der Provence machen konnte.“ Das passt gut zur Auffassung der beiden Maler, „dass man Kunst als das Schöpfen aus dem Inneren der Seele heraus auffassen kann“. Emotion spielt eine große Rolle, Farben haben oft mehr mit dem Gefühl zu tun, das vermittelt werden soll, als mit der tatsächlichen Farbe eines Motivs.

Im Rabalderhaus bekommt man einen guten Eindruck davon, wie diese Art der Kunst entstanden ist. Dankl verweist dazu noch auf eine Ausstellungstournee mit zeitgenössischer Tiroler Kunst, die 1925 durch mehrere deutsche Städte führte und großen Erfolg hatte. „Das zeigte den Malern auch: Wir stehen mitten drin in der europäischen modernen Kunst.“

Kunst über die Grenzen hinweg

<p>Bilder von Emanuel Raffeiner (links) und Albin Egger-Lienz, aber auch von Ludwig Penz, Max Esterle und Heinrich Kühn<br />
geben Einblick in das Umfeld, in dem Nikodem und Weber-Tyrol arbeiteten</p>

Selbstverständlich arbeiteten Nikodem und Weber-Tyrol nicht unbeeinflusst von anderen, sondern in einem dichten Netz von Künstlern vor Ort und in anderen Regionen. Darauf bezieht sich der Titel der Ausstellung „Im Netz der Moderne“, darauf bezieht sich aber auch eine Kooperation im Rahmen des Euregio-Jahres 2021 „Transit – Transport – Mobilität“, die auf den Kulturraum Tirol, Südtirol, Trentino und auf die enge kulturelle Verbindung setzt, die ihn prägt.

Das Schöne ist, ist dass die Euregio, dieser Großraum Tirol – Südtirol – Trentino wieder zusammenwächst und wieder gedanklich eine Einheit bildet.
Günther Dankl, Kurator Rabalderhaus Schwaz

Vier Museen und drei Länder beteiligen sich daran und beleuchten die Arbeit und die Verbindung von Hans Weber-Tyrol und Artur Nikodem aus verschiedenen Blickwinkeln: Neben dem Rabalderhaus sind dies das Nikodemmuseum in Mutters, das Lanserhaus in Eppan und das Museo Alto Garda in Riva am Gardasee. Letzteres hat die Schau für 10. Juli bis 19. September 2021 angesetzt, um auch Kunstwerke aus den anderen drei Ausstellungen zeigen zu können.

Im Netz der Moderne

Kunstpositionen zwischen Alpen und Gardasee

Rabalderhaus Schwaz
Winterstellergasse 9
 6130 Schwaz
Tel. +43 5242 64208
 info@rabalderhaus.at

www.rabalderhaus.at

Euregio Museumsjahr 2021
Transit – Transport – Mobilität

„Im Netz der Moderne“ ist bei weitem nicht die einzige sehenswerte Ausstellung im Euregio Museumsjahr 2021. Alleine in Tirol sind zahlreiche Museen mit Ausstellungen beteiligt. 

Sujet zum Euregio Museumsjahr 2021
Foto vom Hahntennjoch
Sujet zum Euregio Museumsjahr 2021 Foto vom Hahntennjoch

Al lavoro! Über die Zuwanderung aus dem Trentino im 19. Jahrhundert 
23.5.–26.10.2021
Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck

Bahnverkehr in Oberhofen. Der lange Weg zur Anbindung an die Arlbergbahn
ab 25.6.2021
Heimatmuseum Oberhofen

Fahr Rad! Die Rückeroberung der Stadt
8.6.–26.8.2021
Stadtbibliothek Innsbruck

Fahrend? um die Ötztaler Alpen. Aspekte jenischer Geschichte in Tirol
24.6.2021 – 31.10.2021
Ötztaler Museen, Gedächtnisspeicher

Gehen – Fahren – Reisen. Mobilität in Tirol
13.5.–3.10.2021
Zeughaus, Innsbruck

Museum bewegt. Der Verkehrsknotenpunkt Jenbach im Wandel der Zeit
2.10.–18.12.2021
Museum Jenbach

Solbad Hall. Sommerfrischler, Fremde und Touristen
bis 24.10.2021
Stadtmuseum Hall in Tirol

Weltbilder erzählen
19.6.2021–März 2022
Museum der Völker, Schwaz

Euregio Museumsjahr 2021 Transit – Transport – Mobilität
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