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Musikladen Innsbruck: Leben in Tempo 33 1/3

Aktualisiert am 23.07.2021 in Kulturleben, Fotos: Gerhard Berger

2021 03 Musikladen Talking Heads © Gerhard Berger

Ein Geschäft für alle Musikfans: Der Musikladen am Innsbrucker Sparkassenplatz punktet mit Fachwissen, Vinyl und Liebe zur Musik.

Rainer Pöschl ist mit dem Musikladen aufgewachsen, der Plausch mit Kund*innen vor dem Geschäft gehört dazu.
Rainer Pöschl ist mit dem Musikladen aufgewachsen, der Plausch mit Kund*innen vor dem Geschäft gehört dazu.

Das älteste Plattengeschäft von Innsbruck ist zugleich das hipste. Hier haben Generationen von Musikbegeisterten ihre ersten Schallplatten, Musikkassetten oder CDs gekauft, sich beraten lassen und immer wieder Neues entdeckt.

Hier präsentieren Bands ihre Alben, fragen Reisende nach den besten Konzerten und Clubs, suchen Vinylfans nach seltenen Schallplatten. Die Rede ist vom Musikladen am Sparkassenplatz, der weniger ein Laden als vielmehr Drehscheibe für neuen Sound und ewige Hits ist. 

Selbstabholer, gut aufgelegt

Der Musikladen 1981, damals noch in der Maximilianstraße.
Foto: Musikladen
Der Musikladen 1981, damals noch in der Maximilianstraße. Foto: Musikladen

Gegründet 1978 in der Maximilianstraße, behauptete sich der Musikladen im damals dichten Netz an Plattenläden als erste Adresse für Jazz und Alternative Rock. Die LPs holten Firmengründer Josef Ess und Rudi Pöschl anfangs zum Teil noch selbst per VW-Bus aus England. 

Mitte der 1980er-Jahre bezog man das Geschäftslokal im Zentrum und blieb dort – über alle Entwicklungen von Tonträgern, Hörgewohnheiten und Marktbedingungen hinweg und natürlich immer offen für (fast) alle Musikströmungen der Zeit. Legendär waren die Musikladendiskos im Kulturzentrum Utopia, es gab Großkonzerte – organisiert vom Partnergeschäft und Ticketbüro in Vorarlberg – wie jenes der Pogues am Bergisel und kleine, avantgardistische Veranstaltungen im Geschäft selbst.

Mit Liebe zur Musik

2021 03 Musikladen Schallplatten © Gerhard Berger

„Das war auch Rudis Liebe zur Musik. Er hat extrem gerne aufgelegt“, meint sein Sohn Rainer Pöschl dazu, der den Musikladen inzwischen führt. 2008, als Rudi plötzlich starb, entschieden Rainer und seine Mutter Christine, das Geschäft weiter zu betreiben.

Auch damals war es die Liebe zur Musik, die den Ausschlag zum Weitermachen gegeben hat – und einige Jahre später noch einmal, als Streamingdienste und Onlinehandel dem stationären Handel schwer zu schaffen machten und die Vinylauswahl auf ein Fach zusammengeschrumpft war.

Hörqualität statt smarter Sounds

Rainer Pöschl leitet seit 2008 den Musikladen. In der Corona-Zeit hat „die Geschwindigkeit ein bisschen abgenommen“, man hört wieder bewusster Musik.
Rainer Pöschl leitet seit 2008 den Musikladen. In der Corona-Zeit hat „die Geschwindigkeit ein bisschen abgenommen“, man hört wieder bewusster Musik.

Auszuharren hat sich gelohnt. Seit den 2010er-Jahren entdecken immer mehr junge Musikfans Vinyl für sich. Sie ziehen ganze Alben einzelnen Songs vor, begeistern sich für die Haptik von Schallplatten und deren Cover-Artwork, vor allem aber für den um Welten besseren Sound einer Schallplatte oder CD gegenüber MP3-Dateien am Smartphone. „Inzwischen habe ich schon Kunden und Kundinnen, die Spotify abmelden und sich einen Plattenspieler kaufen“, erzählt Pöschl.

Neben der umfangreichen CD-Auswahl füllt im Musikladen Vinyl aus den Sparten Jazz, Rock, Pop, Elektronik und HipHop nun ein wandbreites Regal, und sogar Klassik ist wieder auf den schwarzen Scheiben zu haben. Die Nachfrage ist zuletzt sogar noch größer geworden, sagt Pöschl. In der Corona-Zeit habe „die Geschwindigkeit ein bisschen abgenommen, dadurch kann man sich aufs Musikhören wieder mehr einlassen“. Gute Zeiten also für die LPs, die sich mit einer Geschwindigkeit von 33 1/3 rpm auf den Plattentellern drehen.

Empfehlungen, Entdeckungen

Auf dem Weg zur eigenen Plattensammlung: stöbern, hören, sich austauschen und auswählen
Auf dem Weg zur eigenen Plattensammlung: stöbern, hören, sich austauschen und auswählen

So vielfältig wie das Angebot ist auch die Kundschaft. Es gibt die ganz jungen, die erstmals in die Welt der Musik eintauchen, jene die dem Musikladen über Jahre treu geblieben sind und natürlich alle dazwischen. Eine Stammkundin hat sogar die Seite der Theke gewechselt und arbeitet seit mittlerweile einem Jahr im Geschäft. Ihr Name – Jasmin – steht nun in einer Reihe mit Rainer, Christine und denen anderen Musikaficionados an der Wand gleich rechts neben dem Eingang.

Jede:r von ihnen gibt hier seine aktuellen Empfehlungen ab, ein Ausdruck dessen, dass der Musikladen ein Ort des Austausches ist, an dem man sich trifft, Musik hört und über Musik spricht. Dass dafür in Zukunft noch mehr Raum ist, ist ein Wunsch des Musikladen-Betreibers. Er spielt mit dem Gedanken, das Geschäft zu erweitern und mehr Platz zu schaffen: für ein paar Tische, Bücher und vor allem für noch mehr Musik.

Musikladen

Innsbruck

Sparkassenplatz 2
6020 Innsbruck
Tel. 0043 512 582392
office@musikladen-innsbruck.at

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Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  - aber vor allem begeistert - mit Musik und Kultur.

Esther
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