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Benjamin

Manu Delagos Weg auf den Gipfel

Aktualisiert am 29.12.2020 in Kulturleben

Die Musiker rund um das Projekt „Parasol Peak“ Foto: Klemens Weisleitner
Die Musiker rund um das Projekt „Parasol Peak“ Foto: Klemens Weisleitner

Manu Delago hat es von Innsbruck aus auf den Musik-Olymp in London geschafft. Für sein neues Album „Parasol Peak“ ist er auf Berge geklettert, um Musik zu machen.

Berge sind stille Riesen und einer, der sie zum Klingen bringen kann, ist der Tiroler Manu Delago. Die Instrumente des Perkussionisten sind dabei Winde, die um Gipfel wehen, Wanderstöcke, die an Kieselwege schlagen, Gebirgsbäche, Baumrinden und das Hang – ein schalenförmiges Instrument, das den 34-jährigen weltberühmt gemacht hat. Auf seinem aktuellen Album „Parasol Peak“ hat Manu Delago umgesetzt, was noch keiner vor ihm getan hat. Zusammen mit einer Crew aus Musikern und Filmmachern bestieg er Gipfel, indem er sich nach oben musizierte. Herausgekommen sind ein Live-Album und ein Musikfilm, mit denen er derzeit durch Europa tourt.

Es war das Extremste, das wir jemals erlebt haben.

Der Anstieg

Sieben Musikerinnen und Musiker bezwangen im Spätsommer 2017 alpines Gelände, um unter extremen Bedingungen die vorher einstudierten Stücke zu performen. „Wir haben alles live gespielt“, erzählt Delago. Was im Nachhinein romantisch abenteuerlich klingt, war in der Umsetzung eine enorme Herausforderung. Mitten in den Bergen musste die Crew Plätze finden, wo man Kabel verlegen, ein Filmset aufbauen und am Ende auch noch spielen konnte. Ein früher Wintergruß in Form von Schnee und kaltem Wind gaben der Musiker- und Filmcrew manchmal nur zwei Takes, um die perfekte Aufnahme festzuhalten. Das Septett arbeitete sich mit rein akustischen, tragbaren Instrumenten über verschiedene Ebenen langsam nach oben.

Manu Delago und das Instrument, das ihn berühmt gemacht hat. Foto: Klemens WeisleitnerManu Delago und das Instrument, das ihn berühmt gemacht hat. Foto: Klemens Weisleitner

Für „Parasol Peak“ verwendeten die Musikerinnen und Musiker einigermaßen handliche Instrumente. Foto: Klemens WeisleitnerFür „Parasol Peak“ verwendeten die Musikerinnen und Musiker einigermaßen handliche Instrumente. Foto: Klemens Weisleitner

Das Hang wurde um die Jahrtausendwende in der Schweiz erfunden und sieht aus wie zwei übereinandergelegte Wokpfannen, auf die man mit den bloßen Fingern schlägt. Die Klänge, die dabei entstehen, sind mal metallisch hart wie eine Trommel, mal weich wie eine Marimba. Diese Klänge sind die Spielwiese des Tiroler Künstlers und das zentrale Instrument im aktuellen Projekt „Parasol Peak“.

Die Natur spielt mit

Als Ersatz für schwere Percussion-Instrumente dienen Felsen, Helme, generell alles, worauf man klopfen kann. Auf dem Track „Parasol Woods“ rascheln Blätter, während Drumsticks an Baumrinden schlagen. Von den Wäldern geht es zum Alpenbach, wo die Aufmerksamkeit auf das fließende Wasser gelenkt wird. „Es war für die meisten von uns mit Sicherheit das Extremste, das wir jemals erlebt haben,“ sagt Manu Delago. Mit der Höhe werden auf Parasol Peak die Luft und der Sound dünner – der Gletscher spricht durch die fragile Melodie einer Flöte, die von fast spürbar eisigem Wind zerstreut wird. „Es gab einige Momente, wo der eine oder andere am liebsten umdrehen wollte“, erinnert sich der Musiker.

Gipfelsieg

Der Höhepunkt des Albums passiert schließlich auf 3.003 Metern über dem Meeresspiegel. Für den Titeltrack „Parasol Peak“ scharrt sich die Gruppe um einen Gipfel und spielt gegen die Kälte und das rasche Verstimmen der Instrumente. „Am Ende war es ein unglaubliches Gefühl, den Gipfel zu erreichen“, meint Delago über sein Projekt, in dem mehrere Monate Vorbereitung stecken. Er will in seiner Musik Dinge probieren, die noch keiner vor ihm gemacht hat.

Vom Inntal in die Welt

Wie auf die Berge in „Parasol Peak“ ist der Tiroler Manu Delago auch seinen Karriereweg immer weiter geklettert. Bereits mit zwei Jahren spielt er Schlagzeug, mit 6 lernt er Ziehharmonika und mit 10 das Klavierspielen. Als Jugendlicher trommelt Manu in diversen Rockbands. 2003 lernt er schließlich das „Hang“ kennen. Nach dem klassischen Schlagwerkstudium am Tiroler Landeskonservatorium übersiedelt er mit Anfang 20 nach London. Mit einem viralen YouTube-Video eines Hang-Solos erreicht er fünf Millionen Menschen – eine davon Björk. Die isländische Sängerin nimmt mit Delago den Song „Virus“ auf und engagiert ihn als Schlagzeuger für eine zweijährige Welttournee. Darauf folgen Kollaborationen mit dem London Symphony Orchestra, Ólafur Arnalds, Anoushka Shankar und vielen mehr.

Benjamin Stolz liebt und lebt die Gegensätze des Alpenlandes. Als Tiroler mit Höhenangst, papiervernarrter Blogger und Stadtmensch vom Land ist er der Meinung, dass es in Tirol mehr zu entdecken gibt, als man glaubt.

Benjamin
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