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Eine Welt voller Möglichkeiten: Die Künstlerin Nicole Weniger

Aktualisiert am 15.04.2022 in Kulturleben, Fotos: Gerhard Berger

Nicole Weniger versieht schon mal Kuhfladen mit Warnschildern oder holt Vulkanwesen aus dem Patscherkofel ans Tageslicht. Beim Atelierbesuch in Innsbruck zeigt sie, wie man große Themen ernsthaft, aber nicht immer tiefernst verhandelt.

Handskizzen stehen am Anfang, wenn Nicole Weniger ein Projekt entwickelt.Handskizzen stehen am Anfang, wenn Nicole Weniger ein Projekt entwickelt.

Unterm Dach im Künstlerhaus Büchsenhausen liegt eine Welt im Konjunktiv. Denn es geht Nicole Weniger mehr um das, was möglich sein könnte, und weniger um das, was ist. Die Künstlerin errichtet eigentümliche Behausungen in der Landschaft wie in der Serie „Homes“ und provoziert damit die Frage „Wer wohnt denn da?“. Sie bringt die Natur in die Stadt wie im „Urban Zoo“ oder verfrachtet Städtisches in die Landschaft wie im „Schreiraum“, in dem sie Rufe im Innsbrucker Zentrum einfing und auf der Nordkette wieder ausspielte.

Der Berg raucht. So könnte es ausgesehen haben, wäre der Mythos vom Vulkan Patscherkofel wahr.Der Berg raucht. So könnte es ausgesehen haben, wäre der Mythos vom Vulkan Patscherkofel wahr.

Alles ist möglich

Ganz selbstverständlich bedient sie sich bei ihren Aktionen unterschiedlicher Medien, Techniken und Materialien. Sie tritt selbst als Performerin auf oder fotografiert, modelliert Objekte und zeichnet. Auf dem großen Arbeitstisch liegen Skizzen – meist der Beginn eines Projekts –, an den Wänden hängen Drucke und Fotos, im Regal wartet Gesammeltes darauf, verarbeitet zu werden. „Wenn ich verschiedene Medien und Materialien verwende, kann ich ein Thema von unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten“, sagt die Künstlerin, „das kann eine Intervention im öffentlichen Raum sein, bei der eine Fotografie, ein Film oder eine Zeichnung herausschaut, oder ein Material, das im Kontrast zur Landschaft steht.“

Skizzen für ein neues Projekt: kleine Skifahrer, gut behelmt.Skizzen für ein neues Projekt: kleine Skifahrer, gut behelmt.

Der Barbier von Istanbul

Kontrast, Witz und kleine Irritationen nützt sie, um die Frage nach „Identität, Zugehörigkeit, Anpassung, sozialen Grenzen und den dazugehörigen Verhaltensregeln“ zu stellen. Eine Schwarz-Weiß-Fotografie an der Wand zeigt, wie das geht: Da sitzt die Künstlerin mit eingeseiftem Gesicht in einem typischen Istanbuler Barbershop und lässt sich nach allen Regeln der Kunst rasieren – für die Nachbarschaft damals ein sensationelles Ereignis. „Die Barbiere hatten eine Riedengaudi, ihre Enkel sind vorbeigekommen und die Leute sind vor dem Geschäft Schlange gestanden“, erzählt Nicole Weniger lachend.

Auch große Interventionen wie „Reflections of You and Me“ beginnen bei Nicole Weniger mit Stift und Papier.Auch große Interventionen wie „Reflections of You and Me“ beginnen bei Nicole Weniger mit Stift und Papier.

Wäscheleine in rauer Berglandschaft. Die Objekte, die Nicole Weniger inszeniert, geben Orten ein neues Narrativ.Wäscheleine in rauer Berglandschaft. Die Objekte, die Nicole Weniger inszeniert, geben Orten ein neues Narrativ.

Vulkanwesen am Badestrand

Aufsehenerregend war auch „Vulcania“ rund um den Mythos vom Patscherkofel als erloschenem Vulkan. Im Atelier hängen Linolschnitte mit dem rauchenden Berggipfel, Zeichnungen, vor allem aber Fotos von geheimnisvollen dunklen Gestalten. Dem „Vulkan“ entstiegen, tauchten sie neben Sonnenbadenden am Lanser See auf, beim Mattenspringen am Bergisel oder auf der Seegrube hoch über Innsbruck.

Vulcania: Mysteriöse Vulkanwesen sind als "Ureinwohner“ Tirols zu Besuch auf der Seegrube.Vulcania: Mysteriöse Vulkanwesen sind als "Ureinwohner“ Tirols zu Besuch auf der Seegrube.

Denkanstöße in einer beeinflussten Landschaft

Das Projekt, eine Auftragsarbeit zum Thema „Forum Migration“ spielt mit der Tiroler Identität. Hier, wo man entweder seit Generationen verwurzelt oder „zuagroast“ ist, beanspruchten die Vulkanbewohner, die ältesten „echten“ Tiroler zu sein. Andere Themen packt die Künstlerin mit Ironie an und nimmt ihnen damit – bei aller Ernsthaftigkeit – die Explosivität. Die hitzig geführte Diskussion um Kuhattacken auf den Almen kommentierte sie mit Warntafeln zur Rutschgefahr auf Kuhfladen. Den gefürchteten Wolf ließ sie mit Wanted-Schildern im Wald suchen. In einer Landschaft, die so stark vom Menschen beeinflusst ist wie Tirol, regen solche künstlerischen Eingriffe dazu an, das Verhältnis von Mensch und Natur neu zu überdenken. Mit Witz, davon ist Nicole Weniger überzeugt, gelingt das allemal leichter als mit Ernst.

Im Atelier sind frühere Projekte als Fotos, Drucke oder Zeichnungen präsent.Im Atelier sind frühere Projekte als Fotos, Drucke oder Zeichnungen präsent.

Zur Person

Nicole Weniger, geboren 1987 in Innsbruck, studierte bei Brigitte Kowanz und Barbara Putz-Plecko an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie war Stipendiatin bzw. Artist in Residence u. a. in Kapstadt/RSA, Istanbul/TK und Den Helder/NL. Einzelausstellungen führten sie nach Mailand, Kapstadt und Belfast. Von 2020 bis 2025 arbeitet sie in einem Atelier im Künstlerhaus Büchsenhausen.

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  - aber vor allem begeistert - mit Musik und Kultur.

Esther
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