Blog
Kategorien
Kaspressknödel, © Tirol Werbung / Rodler Ilvy
Essen & Trinken
Sepp Kahn, Almliterat, © Bert Heinzelmeier
Menschen
Imster Schemenlaufen, © Tirol Werbung / Aichner Bernhard
Kulturleben
Swarovski Kristallwelten, © Tirol Werbung / Moore Casey
Empfehlungen
Kinder am Fluss, © Tirol Werbung / Herbig Hans
Familie
Olperer Hütte, © Tirol Werbung / Schwarz Jens
Unterhaltung
Great Trail , © Tirol Werbung / Neusser Peter
Sport
Magazin-Cover 2022 Sommer
Magazin
Jagdhausalmen im Osttiroler Defereggental. Foto: Tirol Werbung.
Serien
Esther

Spielend. weiblich. Ausgezeichnet. Die Weiberwirtschaft im Interview.

Aktualisiert am 19.01.2022 in Kulturleben

Wenn ihr auf Unterhosen ein Statement gegen „Popolismus“ seht, wenn Sticken dem inneren Frieden dient und auf T-Shirts „Good Weibrations“ versprüht werden, dann hatte die „Weiberwirtschaft“ ihre Finger im Spiel. Heidi Sutterlüty-Kathan und Beatrix Rettenbacher arbeiten für die bekanntesten Firmen Tirols und haben als Erste den Arthur Zelger-Preis für gute Gestaltung gewonnen. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Text und Textiles von der Weiberwirtschaft
, © WeiberwirtschaftText und Textiles von der Weiberwirtschaft © Weiberwirtschaft

Eure Kleidungsstücke haben Aufschriften wie „Good Weibrations“ oder ein gesticktes „GLÜCK NAHT“. Gehen euch solche Slogans tatsächlich so leicht von der Hand, wie es scheint?

Heidi: Gerade bei den Shirt-Aufschriften meinen viele Leute, wir sitzen zusammen und haben sofort einen Riesenspaß. Aber natürlich ist es viel Arbeit, die Essenz eines Themas zu finden. Wie bringe ich etwa die ungerechte Entlohnung von Frauen humorvoll und kritisch in einer Line aufs Shirt?

Bekannte Aussagen minimal zu verändern, darin liegt für Beatrix Rettenbacher etwas Philosophisches.
, © WeiberwirtschaftBekannte Aussagen minimal zu verändern, darin liegt für Beatrix Rettenbacher etwas Philosophisches. © Weiberwirtschaft

Etwa im Sinne des Übersetzers Harry Rowohlt, der meinte: „Es gibt die deutsche Sprache ja, man kann mit ihr rummachen“?

Beatrix:  Ja, das würde zu uns passen. Wir hatten einmal ein T-Shirt mit der Aufschrift „Gegensätze ziehen sich aus“. Das nimmt fast niemand wahr, jeder liest es eigentlich richtig. Wenn man ganz bekannte Aussagen minimal verändert, liegt fast etwas Philosophisches darin. Genau da wird es dann spannend.

Heidi Sutterlüty-Kathan und Beatrix Rettenbacher sind die Köpfe hinter der "Weiberwirtschaft".
, © Gerhard BergerHeidi Sutterlüty-Kathan und Beatrix Rettenbacher sind die Köpfe hinter der "Weiberwirtschaft". © Gerhard Berger

Du trägst selbst ein gesticktes „Glück ist selbstgemacht“, ein Bekenntnis zur Handarbeit?

Heidi: Handwerk hat schon einen hohen Stellenwert bei uns, aber wir mögen es gerne cool. Bei handbestickten Sachen kippt es sonst leicht ins Hausmütterchen-Klischee – außer man stickt sehr schlampig. Ich habe von meiner Oma, die sehr gut sticken konnte, eine Tischdecke, die löst sich jetzt langsam auf. Das schaut irrsinnig cool aus.

Vor einigen Jahren bin ich auf der Suche nach neuen Techniken ins Asylheim gegangen und fand es sehr spannend, als die Frauen in ihren Muttersprachen gestickt haben. Damals entstand in Zusammenarbeit mit Anna Brunner das Projekt „Wir sticken für den inneren Frieden“, in dem Flüchtlingsfrauen auf Bestellung Tischdecken und anderes besticken. So sind wir auch auf die Idee gekommen, die Cover „Form und Inhalt“ und „Kreieren statt konsumieren“ für Wei sraum-Programme zu sticken.

Beatrix: Bei der Handarbeit wird es auch interessant, wenn es digital bearbeitet wird. Wir haben zum Beispiel das analog gestickte Original auch gespiegelt und anders verwendet. Als wir Kollegen in Wien Fotos von den Covers gezeigt haben, dachten sie, die seien wirklich bestickt. Man sieht ja noch die roten Fäden dranhängen, das war herrlich verwirrend.

Coversujet für ein Programmheft des Wei sraum Designforum
, © WeiberwirtschaftCoversujet für ein Programmheft des Wei sraum Designforum © Weiberwirtschaft

Ich spinne den Faden einmal weiter: Ist weibliches Selbstbewusstsein, ist Feminismus ein roter Faden in euren Arbeiten?

Beatrix: Dass wir weibliche Themen aufgreifen, hat sich mit der Zeit immer mehr herauskristallisiert. Vor allem bei den Shirts, bei denen wir selbst Aussagen treffen und frei arbeiten können, sind wir immer politischer geworden. Allerdings widerstrebt mir die Strenge im Feminismus. Unser Ansatz ist feministisch, aber nicht politisch korrekt. Er muss spielerisch sein, …

Heidi: … mit Humor, für jeden Mann und jede Frau greifbar. Es soll ein Anstoß zum Weiterdenken sein. Feminismus ist wichtig. Wir müssen in unserer Gesellschaft auch bereits erreichte Fortschritte beschützen und darauf achten, dass sie nicht wieder verloren gehen.

Werbesujet zu einer Ausstellung, bei der neben Busentörtchen auch Weibwasser und Mutterkuchen serviert wurden.
, © Michelle SchmollgruberWerbesujet zu einer Ausstellung, bei der neben Busentörtchen auch Weibwasser und Mutterkuchen serviert wurden. © Michelle Schmollgruber

Euer zweites Standbein neben „Text und Textiles“ ist „Konzept und Gestaltung“. Welche Aufträge entsprechen euch besonders?

Heidi: Über Therese Mölk freuen wir uns sehr, dass das funktioniert hat. Es hat sehr viel Bezug zu Tirol und zu Therese Mölk, der Gründerin des Unternehmens.

Beatrix: Ich bin sehr gerne mit der Tiroler Edlen beschäftigt. Das ist eine langjährige Kooperation, bei der ich mir immer wieder etwas Neues überlegen kann. Unter den neuen Sachen war es das Logo für die Kammer der Ziviltechnikerinnen. Es war eine große Herausforderung, weil die vier Länderkammern und die Bundeskammer unter einen Hut gebracht werden mussten, und ein großer Erfolg, dass das gelungen ist.

Für Aussagekraft bedarf es nur weniger Zeichen, das beweist das Logo der "Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen"
, © zt: Bundeskammer der ZiviltechnikerInnenFür Aussagekraft bedarf es nur weniger Zeichen, das beweist das Logo der "Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen" © zt: Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen

Die "Weiberwirtschaft" arbeitet für Top-Marken aus Tirol, etwa die Bäckerei Therese Mölk. 
, © WeiberwirtschaftDie "Weiberwirtschaft" arbeitet für Top-Marken aus Tirol, etwa die Bäckerei Therese Mölk.  © Weiberwirtschaft

Ihr habt in Wien, München bzw. Hamburg gearbeitet. Die Weiberwirtschaft betreibt ihr in Innsbruck. Seid ihr regional verankert oder zieht es euch nach draußen?

Beatrix: Ich sehe uns schon regional verankert, vor allem auch in unserem Netzwerk, mit unseren Kundinnen und Kunden. Wir haben Tiroler Marken wie das Hotel Nala geprägt. Diesen Werken in der Stadt zu begegnen, ist eine schöne Sache.

Heidi: Für mich ist das anders. Ich bin ja nicht aus Tirol wie Beatrix und habe daher nicht die gleiche Verwurzelung hier. Ich habe meine Ausbildung in München gemacht und anschließend einige Jahre dort und in Wien gearbeitet. Wir haben Kunden in Wien und Vorarlberg – früher sogar von Rom bis München –, das freut mich immer sehr. Es ist mir manchmal auch recht, diesen Raum zu verlassen.

Schriftzug aus dem Hause "Weiberwirtschaft" für das Boutiquehotel Nala nahe der Innsbrucker Innenstadt.
, © Gerda EichholzerSchriftzug aus dem Hause "Weiberwirtschaft" für das Boutiquehotel Nala nahe der Innsbrucker Innenstadt. © Gerda Eichholzer

Als Erste den Arthur Zelger-Preises für gute Gestaltung der Tirol Werbung zu bekommen zu haben, war… 

Beatrix: …eine große Ehre. Unser Motto dazu war „Wir haben schon wieder etwas angerichtet“. Das ist zugleich ein Rückbezug auf Dinge, die wir schon angerichtet haben und eine Aufforderung an alle Frauen, mehr anzurichten. Im Zentrum gab es ein weibliches Altärchen und in dessen Mittelpunkt eine gestickte Muschi. Wir wollten schon die Weiblichkeit ein bisschen feiern.

Heidi: Da fließt viel von uns zusammen: einmal der Spruch „Kreieren statt Konsumieren“, dann die Technik, das Gestickte auf Papier und das Feministische – eben das Essenzielle.

Beatrix Rettenbacher und Heidi Sutterlüty-Kathan bei der Vorbereitung einer Ausstellung.
, © Gerhard BergerBeatrix Rettenbacher und Heidi Sutterlüty-Kathan bei der Vorbereitung einer Ausstellung. © Gerhard Berger

Und wieder der rote Faden…

Beatrix: Den nehmen wir mit der Stickerei wieder auf. Es ist herrlich, weil uns wirklich niemand bremst.

Dann freuen wir uns auf das Ergebnis. Vielen Dank für das Gespräch.

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  - aber vor allem begeistert - mit Musik und Kultur.

Esther
Letzte Artikel von Esther Pirchner
Ein gelungenes Beispiel für den Spagat von hochalpiner Bergwelt und spannendem Design findet sich am Timmelsjoch.
, © Esther Pirchner
Aktualisiert am 15.03.2022 in Kulturleben
10 kleine, feine Museen in Tirol
4 Min Lesezeit
Ob der Salzburger „Mozart-Schädel“ wirklich von Mozart stammt? Walther Parson wollte es herausfinden.
Aktualisiert am 21.02.2022 in Kulturleben
Walther Parson: Kulturgeschichte aus dem DNA-Labor
4 Min Lesezeit
Die Kulturwissenschaftlerin Edith Hessenberger leitet seit 2018 die drei Ötztaler Museen.
Aktualisiert am 19.01.2022 in Kulturleben
Modern und preisgekrönt: 3 Museen für das Ötztal
4 Min Lesezeit
In Leder gebundene Getränkekarte.
Aktualisiert am 06.01.2022 in Kulturleben
Werkstattgespräch: Handwerkskunst aus dem Hause Sanders
3 Min Lesezeit
Otto Grünmandl (1924 - 2000)
Aktualisiert am 23.12.2021 in Kulturleben
Otto Grünmandl – Meister der komischen Kunst
4 Min Lesezeit
Weihnachten in Tirol
Aktualisiert am 20.12.2021 in Kulturleben
Weihnachten in Tirol
4 Min Lesezeit
Feministische, politische oder einfach freche Sprüche auf Porzellan – zugleich witzig und ein Denkanstoß.
Aktualisiert am 15.12.2021 in Kulturleben
Blaue Berge, spruchreifes Porzellan
3 Min Lesezeit
Bernadette Abendstein und Hakon Hirzenberger bringen die große Theaterwelt ins Zillertal
, © Bert Heinzlmeier
Aktualisiert am 17.11.2021 in Kulturleben
So ein Theater! 7 kleine, aber feine Bühnen in Tirol
3 Min Lesezeit
Titelfoto
Aktualisiert am 10.11.2021 in Kulturleben
Lesetipps in 7 Kapiteln: Bücher aus und über Tirol
4 Min Lesezeit
Die Barbakane stammt aus einer Zeit, als Mauern verputzt wurden und daher weniger schön gemauert wurden als in früheren Jahrhunderten.
Aktualisiert am 04.11.2021 in Kulturleben
Burgruine Thaur: Wie man eine Burg ausgräbt
4 Min Lesezeit
Ina Hsu, Foto: Petra Rautenstrauch
Aktualisiert am 27.08.2021 in Kulturleben
Ina Hsu - Die Tiroler Malerin im Porträt
3 Min Lesezeit
Ingenieur und Komponist Robert Henke hat die Musik-Software "Ableton Live" miterfunden und beschäftigt sich mit Rhythmen, Licht und bewegten Installationen.
, © Heart of Noise
Aktualisiert am 25.08.2021 in Kulturleben
DJs, VJs und die Avantgarde: Heart of Noise
2 Min Lesezeit
Leokino-Leinwand
Aktualisiert am 11.08.2021 in Kulturleben
Kino ist ein unschlagbares Produkt
3 Min Lesezeit
Rebekka Ruetz, Foto: Gerhard Berger
Aktualisiert am 26.07.2021 in Kulturleben
Rebekka Ruetz im Interview: Die Modemacherin
6 Min Lesezeit
„Focus on the good“: Was Tina Hötzendorfer selbst gelingt, gibt sie auch an andere weiter.
Aktualisiert am 18.07.2021 in Kulturleben
Tina Hötzendorfer: Mit feinem Strich und Inspiration
4 Min Lesezeit
75 Plätze bietet das Kellertheater.
Aktualisiert am 17.07.2021 in Kulturleben
Kleine Bühne, großes Theater
3 Min Lesezeit
Defregger Portraits, Foto: Wolfgang Lackner
Aktualisiert am 12.02.2021 in Kulturleben
Defregger, der Unbekannte
3 Min Lesezeit
Wunder Markovics Epo Film
Aktualisiert am 05.01.2021 in Kulturleben
Das Wunder von Wörgl
3 Min Lesezeit
Der Tiroler Karl-Heinz Schütz ist Soloflötist bei den Wiener Philharmonikern.
, © Claudia Prieler
Aktualisiert am 31.12.2020 in Kulturleben
Musik für Millionen zum Jahreswechsel
5 Min Lesezeit
Nach einem zeitgenössischen Porträt entstand dieser Stich. Foto: Wikimedia Commons, Schlesier
Aktualisiert am 10.09.2020 in Kulturleben
Barbara Hundegger: Wort-Landschaften
5 Min Lesezeit
Maximilian I Landsknechte
Aktualisiert am 08.07.2020 in Kulturleben
Dauerausstellung: Maximilian1 - Aufbruch in die Neuzeit
3 Min Lesezeit
Alle Artikel von Esther Pirchner
Keine Kommentare verfügbar
Kommentar verfassen

Einfach weiterlesen

nach oben

Wenn Sie uns Ihre Email-Adresse verraten...

...verraten wir Ihnen im wöchentlichen Newsletter die besten Urlaubstipps aus Tirol!