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Sechs „Stille Nächte“: Weihnacht mit Whyrauch

01.03.2021 in Kulturleben

Whyrauch Franz Oss 18

Ein Gespräch mit dem Tiroler Klarinettisten Helmut Sprenger, Mitbegründer des Sextetts Whyrauch, das längst schon mehr als Weihnachtliches spielt.

Ein Gespräch mit dem Tiroler Klarinettisten Helmut Sprenger, Mitbegründer des Sextetts Whyrauch, das längst schon mehr als Weihnachtliches spielt.

Ein Abend Anfang Dezember 2018: Draußen ist es schon dunkel und kalt, drinnen warm und weihnachtlich. Fast wie im Wohnzimmer, wenn sich die Familie versammelt, haben sich im Ausstellungs- und Designstudio styleconception in der Innsbrucker Mentlgasse einige Musikliebhaber eingefunden, um den Klängen von Whyrauch zu lauschen. Am nächsten Abend im Treibhaus hingegen ein anderes Bild: Whyrauch ist wieder da, und mit ihnen der bayerische Kabarettist Gerhard Polt. Das Konzert ist seit langem ausverkauft, man lauscht gebannt den „abfent“-lichen Texten von Polt und den neu interpretierten Weihnachtsliedern von Whyrauch: komisch, besinnlich, schräg, innig …

Weihnachtszeit ist Whyrauch-Zeit. Seit knapp zwei Jahrzehnten verleihen die sechs Musiker aus Tirol im Dezember Weihnachtsliedern einen neuen, anderen Klang, von der „Stillen Nacht“ bis „Es wird scho glei dumper“, von „Leise rieselt der Schnee“ bis „Ihr Kinderlein kommet“. Die Idee dazu entstand im Jahr 2000, als es – abgesehen von den Bethlehem All Stars rund um den Akkordeonisten Otto Lechner – noch kaum Ensembles im Bereich von Jazz, Klassik und Weltmusik gab, die sich der Interpretation, oder besser: Neukomposition von Weihnachtsliedern widmeten. Helmut Sprenger, Klarinettist und Gründungsmitglied des Ensembles, erzählt im Interview vom harmonischen Zusammenspiel unterm Weihnachtsbaum und vom nicht weihnachtlichen Musizieren im übrigen Jahr.

Ob Wohnzimmerkonzert wie hier im styleconception oder große Bühne. Whyrauch spielt Weihnacht und vieles andere mehr.
Ob Wohnzimmerkonzert wie hier im styleconception oder große Bühne. Whyrauch spielt Weihnacht und vieles andere mehr.

Whyrauch hat als Quartett begonnen und ist bald zum Sextett angewachsen, aus welchen musikalischen Bereichen kommen die einzelnen Mitglieder?

Jeder von uns spielt viel Verschiedenes und in vielen verschiedenen Formationen. Walter Singer, der Bassist, ist zum Beispiel Mitglied von Schmieds Puls, Triol, Memplex und anderen. Martin Flörl, der Trompeter, spielt viel Alte Musik auf historischen Trompeten, unter anderem bei der Wiener Akademie. Akkordeonist Wolfgang Peer spielt wiederum mit Walter Singer in der Freak Show, Christoph Stock ist Gitarrist und Komponist und hat unter anderem den Jingle der ZIB 2 gemacht und einige Universum-Filme vertont. Unser Schlagzeuger Gerhard Gruber macht viel Neue Musik und ich spiele auch mit vielen verschiedenen Leuten – in einem Duo mit Christian Wegscheider, im Acoustic Trio, mit dem wir den Pasticcio-Preis gewonnen haben, ich war lange am Schauspielhaus in Wien und verwirkliche nun eigene Projekte.

wir sind sehr sozial: Wenn einer mit einer Idee, dem Gerüst einer Komposition kommt, einem Lied-Sheet mit einer Melodie und Harmonien und vielleicht noch einer rhythmischen Vorstellung, erarbeiten wir alles andere gemeinsam
Helmut Sprenger über „Whyrauch“

So unterschiedlich die Zugänge sein mögen, so stimmig klingt die Musik von Whyrauch. Wie kommt das?

Wir haben einfach einen Riesenspaß daran, miteinander zu spielen. Wir schreiben unsere eigenen Sachen und haben auch bei den Weihnachtsprogrammen sehr unterschiedliche Ansätze. Aber wir sind sehr sozial: Wenn einer mit einer Idee, dem Gerüst einer Komposition kommt, einem Lied-Sheet mit einer Melodie und Harmonien und vielleicht noch einer rhythmischen Vorstellung, erarbeiten wir alles andere gemeinsam. Jeder weiß von seinem Instrument am meisten und kann dann auch sagen, wenn etwas anders besser gelöst wäre. Das Tolle am Sextett ist ja die Farbe, die wir haben, der Klangreichtum. Das ist einfach lässig.

Walter Singer: … spielt Kontrabass bei Whyrauch, Schmieds Puls und in anderen Formationen.
Walter Singer: … spielt Kontrabass bei Whyrauch, Schmieds Puls und in anderen Formationen.

Die Bassklarinette: … von Helmut Sprenger sorgt für sonoren Klang.
Die Bassklarinette: … von Helmut Sprenger sorgt für sonoren Klang.

Martin Flörl: Der Trompeter (links) bringt sein Wissen um die Alte Musik ein.
Martin Flörl: Der Trompeter (links) bringt sein Wissen um die Alte Musik ein.

Am Anfang: … steht ein Notenblatt für „Lustig, lustig, tralalala“.
Am Anfang: … steht ein Notenblatt für „Lustig, lustig, tralalala“.

Am ende: … kommt immer viel mehr Musik heraus.
Am ende: … kommt immer viel mehr Musik heraus.

Ein Beispiel für ein Stück, in dem sich die musikalischen Charaktere der Musiker zeigen, ist „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Jeder von Ihnen hat eine eigene Version erstellt …

Ja, und wir haben sie auch alle in einem Konzert gespielt. Diese „Stillen Nächte“ sind sehr unterschiedlich. Ich habe eigentlich nur vertont, was ich mir unter einer Stillen Nacht vorstelle. Da kommt nur einmal die Melodie zu „holder Knabe im lockigen Haar“ zweistimmig vor. Am Anfang habe ich Vogelpfeifen verwendet und die Gitarre hat noch diese Stille-Nacht-Harmonien gespielt, aber in einer anderen Reihenfolge als im Original … Ein anderer hat ein Jazzstandard genommen und hat „Stille Nacht“ eingebaut. Jeder hatte einen anderen Ansatz. Das war sehr interessant.

Nicht nur „Stille Nacht“ steht bei Whyrauch auf dem Programm, welche anderen Lieder haben Sie neu vertont und wie sind Sie an diese herangegangen?

Anfangs haben wir gesagt: Wir vertonen jedes Jahr sechs neue Lieder. Mit der Zeit sind es natürlich weniger geworden, aber wenn einer eine Idee hat, schreibt er etwas Neues dazu, und so haben wir bis jetzt rund 50 Weihnachtslieder – damit könnten wir zwei Adventkalender füllen.

Die Harmonien der Lieder sind einander oft sehr ähnlich, da haben wir viel probiert. Bei „Leise rieselt der Schnee“ haben wir bemerkt: Aha, darin kann man „No Woman, No Cry“ verpacken. Gerhard Gruber, der Schlagzeuger, hat viele geistliche, alte Lieder gesucht, sehr unbekannte Sachen, und diese vertont. „Wer klopfet an?“ haben wir in Form eines Tangos gemacht, das hat schon seinen Witz.

Fünf Instrumente warten auf ihre Spieler.
Fünf Instrumente warten auf ihre Spieler.

Apropos Witz: Sie treten seit einigen Jahren regelmäßig mit Gerhard Polt auf. Wie kam es zu dieser bayerisch-tirolerischen – oder kabarettistisch-musikalischen – Allianz?

Ich habe Gerhard Polt damals vor 15 Jahren einfach angerufen – ich habe ihn ja nicht gekannt und gedacht: Vielleicht legt er ja auf. Aber er ist ein ganz offener Mensch, und irgendwann hat er gesagt: „Schick mir einmal was“, und war dann von unserer Musik begeistert. Wir haben damals viel miteinander gespielt, unter anderem in Tirol, Bayern, Vorarlberg und Oberösterreich. Jetzt schauen wir, dass wir mindestens einmal pro Jahr miteinander spielen. Polt ist ja überall ein Hero. Man kann an jedem Ort mit ihm spielen, und es ist immer ausverkauft.

Abseits von Weihnachten hat sich das Repertoire von Whyrauch rasch auch um eigene Stücke erweitert. Sie spielen mittlerweile zu allen Jahreszeiten. Liegt das daran, dass Sie als Band so gut harmonieren?

Whyrauch steht bei den Bands, mit denen ich spiele, ganz oben, weil es als Sextett diesen Klangreichtum hat. Früher sind wir nur in der Weihnachtszeit aufgetreten, aber irgendwann wollten wir auch im Sommer spielen. So sind einige tolle Projekte entstanden: Für St. Leonhard, die Kirche zwischen Rattenberg und Kundl, haben wir zur 500-Jahr-Feier 500 Jahre Musikgeschichte in einem Programm gespielt. Das war sehr cool. Wir hatten ein Wellnessprogramm und ein Projekt zum Thema Wasser beim Hexenwasser in Söll. Im Zillertal sind wir mit der Rockband Skyshape, in der mein ältester Sohn spielt, aufgetreten. Und letztes Jahr hatten wir ein Projekt zum Thema Filmmusik. Wir haben bekannte Filmmusik gespielt und hatten weiße Schutzanzüge an. Über einen Projektor, der auf Schallwellen reagiert, entstanden dann die Bilder dazu. Und wir haben eine CD namens „Eigen“ veröffentlicht, auf der wir nur Eigenkompositionen spielen.

Weihnachtsmusik erschien ebenso auf CD wie anderes: die CD „Eigen“ im Hintergrund.
Weihnachtsmusik erschien ebenso auf CD wie anderes: die CD „Eigen“ im Hintergrund.

Sie sagen von sich selbst, dass Sie kein „Wintermensch“ sind und sich auch vorstellen könnten, den Winter im wärmeren Süden zu verbringen. Können Sie sich für Weihnachten erwärmen?

Den Stress rund um Weihnachten zum Beispiel in den Kaufhäusern finde ich oft brutal. Deswegen haben wir auch ein Lied wie „Alle Jahre wieder“ gemacht, in dem die Melodie nur kurz vorkommt und die rhythmische Form dann ganz wild wird.

Aber ich feiere sehr gerne mit meiner Familie Weihnachten, vor allem als die Kinder klein waren und jetzt mit unserem ersten Enkelkind – das war und ist immer sehr nett.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Whyrauch und Mitglieder

Pop Down Hotel
Grossriedstraße 16
6273 Ried im Zillertal
Tel.   +43 5283 2250
E-Mail: info@popdownhotel.com
 

www.whyrauch.com

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