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Marius Buhl

Die Fliege tanzen lassen

Aktualisiert am 01.09.2021 in Natur

Mit einer präzisen aber geschmeidigen Bewegung schnalzt Hanspeter Außerhofer die Flugschnur über den Fluss.
Mit einer präzisen aber geschmeidigen Bewegung schnalzt Hanspeter Außerhofer die Flugschnur über den Fluss.

Fliegenfischen ist hohe Kunst, sagt der Fliegenfischer Hanspeter Außerhofer. Spötter entgegnen: Es gibt keine sicherere Methode, nichts zu fangen. Aber dass man wegen der Fische unterwegs ist, vergisst man am Tiroler Lech sowieso beinahe.

Am Ende dieses Tages also, so viel sei gleich zu Beginn verraten, wird diese Forelle auf meinem Teller liegen. Knusprige Haut, Zitrone obendrauf, Kartoffeln daneben. Ich werde das Fischmesser nehmen, die Forelle der Länge nach öffnen, die Gräten entfernen. Neben mir wird Hanspeter Außerhofer sitzen, der Mann, der dafür gesorgt hat, dass dieser Fisch auf meinem Teller liegt. Er wird beobachten, wie ich behutsam ein Stück weißes Fleisch auf die Gabel schiebe. „Schmeckt fantastisch“, werde ich zu Außerhofer sagen.

Doch bevor es so weit ist, vier Stunden früher, ist von einem Fisch noch nichts zu sehen. Wir stehen in Stanzach, oberes Lechtal. Eine Kirche, ein paar Häuser und Höfe, wie hinein gewürfelt in die Landschaft. Gleich am Dorfrand rauscht der Lech nach Nordosten, steil ziehen von seinem Ufer die Berghänge hinauf und verschwinden weiter oben in Nebelschwaden, die über dem Tal hängen wie nasse Leintücher. Es sieht hier ein bisschen so aus, wie man sich Alaska vorstellt, wenn man noch nie dort war jedenfalls, aber voller Sehnsucht all die Filme gesehen hat über Abenteurer im Yukon-Gebiet. Majestätische Fichten säumen den reißenden Strom, gleich, so ist man sich sicher, trottet ein Grizzly aus dem Wald, macht es sich im Kiesbett bequem und patscht mit seiner Pranke ins türkisgrüne Wasser.

Fifty Shades of Green

Überhaupt, grün: Die Farbe kommt hier in so vielen Tönen vor, dass es nicht übertrieben wäre, von Fifty Shades of Green zu sprechen. Dunkelgrün strahlt der Wald, jadegrün leuchten die Almen. Und dann steht da noch, am Flussufer, Angelhose und Hemd so grün wie seine Umgebung: Hanspeter Außerhofer, Bürgermeister von Stanzach und damit erster Angler im Dorf.

Hanspeter Außerhofer bereitet die Angelrute für den Wurf vor.
Hanspeter Außerhofer bereitet die Angelrute für den Wurf vor.

Ich hatte Außerhofer angerufen, weil man sich erzählt, dass es kaum jemanden gebe im Lechtal, der so behände eine Forelle aus den Fluten zaubern könne wie er. Kaum jemanden, der besser Bescheid wisse über den Charakter dieses Stroms, eines der letzten Wildflüsse Europas, zumindest auf seinem Weg durchs Tiroler Lechtal zwischen Warth und Füssen. Ein tosendes Ungetüm im Frühjahr, wenn der geschmolzene Schnee des Winters durch das Tal rauscht, ein ruhig ziehender Strom im Spätsommer, wenn es lange trocken geblieben ist. Täglich vergibt seine Gemeinde Stanzach bis zu drei Gästekarten zum Fischen – und wenn die Gäste am Fluss die Augen offen halten, treffen sie mit ziemlicher Sicherheit auf den Mann, der ihnen diese Gästekarten ausgestellt hat. Schon als kleiner Junge hat Außerhofer mit dem Fischen begonnen und seitdem nicht mehr damit aufgehört. Am Telefon hatte er versprochen, dass er sein Bestes geben wolle, um mir eine Forelle aus dem Lech zu ziehen. Wobei, das hatte er noch gesagt, das mit dem Fliegenfischen keine Sache sei, die man auf die leichte Schulter nehmen dürfe. Ganz und gar nicht.

Nun also treffe ich Außerhofer am Ufer des Lechs, wo er sein Auto gerade auf einem schmalen Rumpelpfad abgestellt hat, der parallel zum Fluss verläuft. Gerade als ich dort ankomme, bedeutet Außerhofer mir, ihm noch ein Stück hinterher zu fahren. Etwas mulmig wird mir zumute auf dem halblegalen Flusspfad. Ob ich hier noch fahren darf? Dann fällt mir ein, mit wem ich gerade unterwegs bin. Praktisch, denke ich. Den Stanzacher Angler-in-Chief wird hier wohl niemand abschleppen.

Wenn es regnet, sind eher weniger Insekten auf dem Wasser und das bedeutet keine Fische an der Angel.
Wenn es regnet, sind eher weniger Insekten auf dem Wasser und das bedeutet keine Fische an der Angel.

Außerhofer parkt ein paar hundert Meter weiter, wo der Lech sich für einen Moment teilt in Dutzende Arme in einem endlosen Kiesbett. Schon beim Aussteigen aus dem Auto sehe ich Außerhofer sein Talent zum Fliegenfischen an. Wohlgemerkt: Außerhofer sieht kaum aus wie einer dieser Klischee-Gentlemen mit Merino-Pullunder und Tweed-Mütze, die an schottischen Bachläufen nach Lachsen Ausschau halten, im Gegenteil. Gänzlich bodenständig wirkt er mit seinen wasserundurchlässigen Watstiefeln und einer Anglerweste, in der es klimpert und raschelt, wenn er Richtung Fluss stapft. Aber Außerhofer blickt aus einem knautschgemütlichen Onkelgesicht auf die Welt und wirkt damit wie ein Mann, den nichts auf der Welt aus der Ruhe bringen kann, Grundvoraussetzung beim Fliegenfischen. Auf den zweiten Blick fällt noch etwas auf: Über Außerhofers Gesicht läuft dann und wann ein Grinsen, das an einen Jungen erinnert, dem gerade ein besonders guter Streich gelungen ist. Ich fühle mich in guten Händen.

Außerhofers Augen wandern nun zunächst zum Lech und dann skeptisch zum Himmel. Es hat zu regnen begonnen, erst nur sanft, dann immer stärker, nun trommelt es in dicken Platschern auf die Erde und den Fluss. „Wenn’s im Frühling, Winter oder Herbst regnet”, sagt Außerhofer, „hat’s eher keine Insekten auf dem Wasser. Und keine Insekten auf dem Wasser heißt keine Fische an der Angel.”

Elegant die Fliegenrute schweben lassen

Vielleicht an dieser Stelle – Außerhofer ist vor dem Regen unter einen Holzunterstand am Flussufer geflohen – ein kurzer Ausflug in die Theorie des Fliegenfischens, vor allem für jene, die den Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss” von Robert Redford aus dem Jahr 1992 nicht gesehen und damit so etwas wie die Einstiegsdroge in diesen Sport verpasst haben: Im Film, unter anderem spielt Brad Pitt mit, heißt es gleich zu Beginn: „In unserer Familie gab es keine klare Trennlinie zwischen Fliegenfischen und Religion.“ Er spielt in Montana und dreht sich um das Schicksal dreier Männer, zwei Söhne, ein Vater, die nichts miteinander gemein zu haben scheinen außer ihrer Passion fürs Fliegenfischen. Wie sie im Fluss stehen, wie vor allem der Vater, gespielt von Redford, elegant die Fliegenrute schweben lässt, das schuf einen Mythos. Nicht erst seitdem stehen an schottischen Flüssen Klischee-Gentlemen in Pullundern, aber seitdem ganz besonders viele.

Neben einer komplett anderen Ausrüstung, davon wird gleich die Rede sein, bewegt sich der Fliegenfischer auch gänzlich anders als der Rest der Angelwelt. Stehen die meisten Angler am Wasser, begibt sich der Fliegenfischer mitten hinein ins Element, darum die Watstiefel. „Das schafft schon mal eine ganz andere Beziehung zur Umgebung”, sagt Hanspeter Außerhofer. Der Fliegenfischer als Romantiker. Liegt hierin vielleicht schon eine Erklärung für die besondere Magie, die dieser Sport auf die Menschen ausübt? Sich endlich mal wieder spüren, die Kraft des Stroms, die Kälte des Wassers? „Ja, aber das ist ja längst noch nicht alles”, sagt Außerhofer.

In unserer Familie gab es keine klare Trennlinie zwischen Fliegenfischen und Religion.

Spricht man übers Fliegenfischen, muss man über Köder sprechen. Die sind für Fliegenfischer ein Thema, über das sie sehr lange und ausführlich sprechen können. Besser, man fragt nicht allzu genau nach, sonst kann man sich den Abend schon mal freinehmen. Außerhofer, unterm Holzdach, hat nun vor sich auf einem kleinen Tisch ausgebreitet, was zuvor in seinen Westentaschen geklimpert hatte. Fein geknotete, fliegenähnliche Federknäuelchen, manche mit Schwänzchen, manche ohne, Trockenfliegen und sogenannte Nymphen, so leicht, dass man sie beschützen muss vor allzu heftigen Windböen. Rot und braun sind die Fliegen, blau und grün und grau, geknüpft in mühevollster Kleinarbeit, Tage, ach was, Wochen und Monate müssen in diese Kleinstkunstwerke geflossen sein. Jede einzelne der Fliegen sei sechs, sieben Euro wert, sagt Außerhofer, er schaue ganz besonders darauf, keine von ihnen zu verlieren. Beiße ein Fisch, fummle er die Fliege später wieder aus dem Tier heraus. Welche von denen man nun am besten nehme, will ich von Außerhofer wissen. Der guckt. Grinst das Außerhofer-Grinsen. „Tja”, sagt er, „das ist die entscheidende Frage.”

Der Köder, auch Fliege genannt, imitiert Insekten um Fische anzulocken.
Der Köder, auch Fliege genannt, imitiert Insekten um Fische anzulocken.

Es gehe beim Fliegenfischen, erklärt er, grob gesagt darum, zu erraten, auf welche Art Fliegen die Fische heute Lust haben könnten. Manche der künstlichen Fliegen gehen unter, manche treiben oben und imitieren damit ein totes Insekt auf der Wasseroberfläche. Mal habe man ein sicheres Gefühl, welche Fliege unter den gegebenen Bedingungen zum Erfolg führe, mal lasse man sich verleiten von trügerischen Logikspielen. Vor Gewittern, sagt Außerhofer, habe er beispielsweise immer ein gutes Gefühl, da sei ein Insektenflug zu beobachten, den er, Außerhofer, ganz gut zu deuten wisse. Andererseits, sagt Außerhofer, oberste Fliegenfischerregel: „Immer, wenn man überzeugt ist, dass etwas ganz sicher funktioniert, funktioniert gar nichts mehr.” Er klaubt nun eine gelbliche Fliege vom Tisch auf, „weil’s Wassers so milchig ist”, sagt er, als sage das was, dann hat er sie schon an die Angelschnur geknüpft und sich aufgerichtet. „Schau”, sagt er, “der Regen lässt nach, gleich haben wir einen Regenbogen überm Lech und dann können wir loslegen.” Es kommt genau so.

Es gibt tausende unterschiedliche Fliegen und Fliegenfischer sind besonders darauf bedacht sie nicht zu verlieren.
Es gibt tausende unterschiedliche Fliegen und Fliegenfischer sind besonders darauf bedacht sie nicht zu verlieren.

Außerhofer stapft hinaus in den Lech, die Angelrute in der Hand. Was er nun vorführt, könnte man die Essenz des Fliegenfischens nennen, der Grund womöglich, warum dieser Sport so verehrt und verklärt wird, warum schon die alten Griechen begeistert waren, warum schließlich auch Männer wie Ernest Hemingway nicht genug davon bekommen konnten: die Wurftechnik. „In punkto Eleganz verhält sich der Fliegenfischer zum normalen Angler wie das Spring- zum Flusspferd”, sagt Außerhofer.

Er hält die Rute leicht schräg in Richtung Himmel gerichtet, auf ein Uhr circa, dann bewegt er sie mit einem Zucken rückwärts auf elf Uhr, nur um sie dann gefühlvoll wieder vorwärts auf ein Uhr zu schieben. Ruckartig nach hinten, gefühlvoll nach vorne, hin und her, wie ein aus dem Takt geratener Uhrzeiger. Führe man diese Bewegung mit einer gewissen Geschmeidigkeit durch, sagt Außerhofer und präzisiert diese Geschmeidigkeit mit den Begriffen „zuck, schnalz, zuck, schnalz”, beginne die Flugschnur, von der man jetzt weiter zugeben müsse, bald in der Luft zu schweben, das geknüpfte Federknäuel daran. So könne man die Fliege immer weiter über den Fluss bewegen, ja sie geradezu tanzen lassen in der Luft, bis man sie an der gewünschten Stelle dann mit einem abrupten Stopp auf dem Wasser platziere. Tusch. Die Fliege landet. Und Außerhofer guckt gespannt.

Guckt man ganz konzentriert durch das türkisgrüne Wasser des Lechs auf den Grund, kann man dann und wann eine Bewegung sehen, erahnen eher, manchmal gefolgt von einem Luftbläschen, das an die Oberfläche steigt. Regenbogen- und vor allem Bachforellen gibt es im Lech, die selteneren Äschen auch, die werden jedes Jahr vom Tiroler Fischereiverband eingesetzt. Wer extrem viel Glück hat, kann gar einen Huchen herausziehen, so etwas wie das größte Mysterium dieses Flusses. Der Huchen ist ein Raubfisch, „König des Lechs“ nennen ihn manche, weil er selten bis überhaupt nicht mehr vorkommt. Hanspeter Außerhofer hat erstmal kein Glück.

Vor allem Forellen kann man aus dem Lech ziehen, aber auch Äschen und sogar den sagenumwobenen Huchen.
Vor allem Forellen kann man aus dem Lech ziehen, aber auch Äschen und sogar den sagenumwobenen Huchen.

Immer wieder lässt er die Fliegen tanzen, immer wieder tupft er sie gefühlvoll dort aufs Wasser, wo er gerade eine Bewegung erahnt hat, wo möglicherweise ein Fischmaul lauern könnte. Die Bewegung, erzählt er, habe ihn schon als Bub fasziniert, da beobachtete er, so oft er konnte, ein paar Herren im Dorf, die mit Fliegen fischten. Außerhofer zog selbst los, „mit einer Schwarzfischerangel”. Sein Vater kam aus Südtirol, von dem hatte er die Leidenschaft nicht, das meiste brachte er sich selbst bei, auch ein Nachbar nahm ihn häufig mit. Als er älter wurde, nahm er an einer eintägigen Unterweisung teil, einen Angelschein brauchte es damals noch nicht. Nach ein paar Jahren schließlich brachte er sich das Fliegenfischen selbst bei, zusammen mit ein paar Kollegen. Auf dem Fußballplatz übten sie die Wurftechnik, da war genug Platz. Sein Sternzeichen? Fisch. Sein Lieblingsessen? Fisch. Außerhofer kann Fischer und Jäger nicht verstehen, die nur um des bloßen Fischens oder Jagens willen rausgehen. Er hat gern was davon. „Am besten schmeckt’s von meiner Frau: Forelle nach Müllerin Art mit Salzkartoffeln”, sagt Außerhofer.

An dieser Stelle besteht womöglich ein weiterer Unterschied zwischen Hanspeter Außerhofer und den Hemingway lesenden Tweed-Gentlemen. Sind letztere gar nicht unbedingt darauf aus, eine Forelle aus dem Wasser zu ziehen, empfinden es gar als Frevel, einen Widerhaken zu benutzen, um einen Fisch an Land zu befördern, betrachten es mithin gerade als Kunst, den Fisch nur für einen Moment zu fangen, um ihn dann wieder zurück ins Wasser zu bugsieren, hat Außerhofer Anderes im Sinn. Er würde nun schon gerne was präsentieren, was später auf dem Teller landen könnte, neben den Salzkartoffeln. Aber es beißt nichts.

Im Habitat der Angelhaken

Außerhofer watet. Ein Stück den Lech hinauf, ein Stück den Lech hinab. Probiert es mal hier, mal da, wirft und guckt, tupft die Fliege mal in die Mitte des Flusses und mal weiter an den Rand, gefährlich nah an die Uferbüsche heran, das heimliche Lieblingshabitat der Angelhaken. Nach einer Weile hat Außerhofer genug. „Nicht die richtige Stelle”, murmelt er, und geht nochmal ein gutes Stück den Fluss hinauf. Von links rauscht hier ein kleiner Bach in den Lech, der Namlos-Bach, das Wasser zischt und sprudelt, schäumt und wallt. Wieder das Springpferd-Manöver: Rute auf ein Uhr, Rute auf elf Uhr, bis die Fliege zu tanzen beginnt und auf dem Wasser liegen bleibt, in etwas stärkerer Strömung nun. Nur beißen will auch hier erstmal nichts.

Mit einer präzisen aber geschmeidigen Bewegung schnalzt Hanspeter Außerhofer die Flugschnur über den Fluss.
Mit einer präzisen aber geschmeidigen Bewegung schnalzt Hanspeter Außerhofer die Flugschnur über den Fluss.

Kurzer Blick zu Außerhofer. Wartet man auf einen Fluch, ein grollerfülltes Gesicht, man wartet vergeblich. Der Politiker Außerhofer, so Außerhofer nun über Außerhofer, könne beizeiten ungeduldig werden und aufbrausend, der Fliegenfischer Außerhofer hingegen sei ein Geduldsmensch. Wenn’s nicht sein soll, soll’s nicht sein.

Seit 2004 ist Außerhofer Bürgermeister von Stanzach, und glaubt man den nackten Zahlen ist er ein erfolgreicherer Gemeindechef als Fischer. Noch vor fünfzehn Jahren war das Dörfchen Stanzach hoch verschuldet, durch Ansiedelung von Wirtschaftsbetrieben und geschickte Grundstücksverkäufe spülte Außerhofer Geld in die Kassen des Orts, dessen Bonität 2019 die zweithöchste in ganz Österreich aufwies. „Vorwiegend einstimmig beschlossen im Gemeinderat”, darauf ist Außerhofer stolz. Auch der Tourismus trägt seinen Teil dazu bei, dass Stanzach floriert, seit ein paar Jahren ist Stanzach Etappenort des Lechwegs, eines 125 Kilometer langen Weitwanderwegs mit sieben Abschnitten am Ufer des Lechs. Käme in dieser Minute ein Wanderer vorbei, er könnte sehen, wie Hanspeter Außerhofer ein weiteres Mal die Angelschnur einholt, sie aber nicht wieder auswirft. Er mag ein geduldiger Mensch sein, ein Pragmatiker ist er auch. Einer, der einen Plan ausgeheckt hat.

Die Fische beißen nicht immer an. Wenn’s nicht sein soll, soll’s nicht sein.
Die Fische beißen nicht immer an. Wenn’s nicht sein soll, soll’s nicht sein.

Außerhofer packt zusammen, die Köder und die Angelschnur, stellt alles hinten ins Auto und bedeutet mir, ihm wiederum zu folgen. Vom Rumpelweg geht es zurück ins Dorf, vorbei an seinem Arbeitsort, dem Gemeindeamt, an der Metzgerei Sonnweber und dem hübschen Kirchlein mit Zwiebelturm, bis Außerhofer schließlich vor dem Gasthaus zur Post zum Halten kommt, mitten in Stanzach. Er tritt ein, grüßt das ständige Personal vor und hinter dem Tresen, nickt Touristen und Einheimischen zu – und bestellt beim Kellner ein Bier für sich und eine Forelle nach Müllerin Art für mich. Als die kurz darauf vom Kellner herbeigetragen wird, ist sie frisch und kross und die Kartoffeln daneben dampfen verlockend. „Guten Appetit”, sagt Hanspeter Außerhofer. Dann grinst er wieder.

Marius ist freier Journalist und lebt in Freiburg im Breisgau. Er schreibt Reportagen und Porträts, thematisch gern zu Klima, Sport, Gesellschaft. Weil er als Kind davon träumte, Skiprofi zu werden, freut er sich heute über jede Recherche, für die er in die Berge fahren darf.

Marius Buhl
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