Blog
Kategorien
Kaspressknödel, © Tirol Werbung / Rodler Ilvy
Essen & Trinken
ROLF Spectacles, © Tirol Werbung / Hörterer Lisa
Unternehmen
Sepp Kahn, Almliterat, © Bert Heinzelmeier
Menschen
Bergisel, © Tirol Werbung / Schreyer David
Architektur
Imster Schemenlaufen, © Tirol Werbung / Aichner Bernhard
Kulturleben
Swarovski Kristallwelten, © Tirol Werbung / Moore Casey
Empfehlungen
Tee, © Tirol Werbung / Haindl Ramon
Wohlfühlen
Frühling in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung / Webhofer Mario
Natur
Kinder am Fluss, © Tirol Werbung / Herbig Hans
Familie
Olperer Hütte, © Tirol Werbung / Schwarz Jens
Krimskrams
Great Trail , © Tirol Werbung / Neusser Peter
Sport
Magazin
Jagdhausalmen im Osttiroler Defereggental. Foto: Tirol Werbung.
Serien
Benjamin

Der Tiroler Hütten-Crashkurs

Aktualisiert am 29.07.2019 in Natur

Illustration: Bertram Haid
Illustration: Bertram Haid

Berghütten sind keine Hotels. Gerade deshalb kann man sich dort gut auf das Wesentliche besinnen und dabei noch etwas lernen – zum Beispiel über Energiesparen oder Kartenspielen.

Holzbalken knarzen, statt dem Laptop auf dem Schoß liegen ein paar Brettspiele auf der Kommode und nach Sonnenuntergang leuchtet nur der Mond zum Fenster herein – eine Übernachtung auf einer Tiroler Berghütte gehört zu einer gelungenen ausgedehnten Wanderung, auf der man mehr sehen und erleben will, einfach dazu.

Bevor man allerdings einen Trip in die Alpen wagt, gibt es einige Dinge, die man dabei beachten muss. Ist eine Hütte so etwas wie ein Hotel auf dem Berg, hat man dort W-Lan und genießt die Vorzüge des urbanen Lebens? Die Antwort lässt sich erahnen. Trotzdem ist eine Nacht unter einem einfachen Dach oft genau das, was vielen im stressigen Arbeitsalltag fehlt: Ein analoges Tête-à-Tète mit der Natur, der Landschaft und einem klaren Sternenhimmel. Dieser Hütten-Crashkurs zeigt, worauf man sich einlassen muss.

Watten statt W-Lan

Einen Internetempfang haben nur die wenigsten echten Berghütten in Tirol. Selbst mit dem Handynetz kann es auf den besonders abgelegenen Herbergen schwierig werden. Was soll man also tun, wenn man den Tag gerne mit einer Netflix-Serie oder (weniger entspannend) mit einem schnellen E-Mail-Check ausklingen lassen will? Die Zauberwörter für den geselligen Hüttenbesucher sind in diesem Fall „Watten“, „Schnellen“ und „Schnapsen.“ Was vielleicht nach einem martialischen Vergnügen gepaart mit viel Alkohol klingt, sind in Wirklichkeit harmlose Kartenspiele, die durchaus süchtig machen können. Die Regeln für die Spiele, die man in Tirol gerne in geselliger Runde spielt, sind schnell erklärt. Auf „Watter“-Runden in langen Nächten sind schon viele Freundschaften entstanden. Der einzige Gegner bleibt am Ende die Müdigkeit nach einem langen Wandertag.

huetten-crashkurs2

Nur Bares ist Wahres

Aus den oben genannten Gründen ist es auf Hütten auch meistens nicht möglich, mit Bankomat- oder Kreditkarte zu bezahlen. Für einen Trip ohne Diskussionen mit Hüttenwirten oder verzweifelten Verpflichtungen zum Tellerwäscher lohnt es sich, genügend Bargeld mitzunehmen. Alpenvereinsmitglieder mit einem gültigen Ausweis erhalten auf den zahlreichen Hütten des Vereins übrigens Ermäßigungen.

Auch wenn es dort nicht unbedingt Internet gibt, kann man Schlafplätze in den Hütten oft per Mail oder einfach telefonisch reservieren – auf Booking.com oder Airbnb sucht man die Alpenhäuser meist vergeblich. Reservierungen sind auf den Hütten erwünscht, um den begrenzten Platz optimal nützen zu können. Die Hüttensaison variiert je nach Höhenlage und Witterungsverhältnissen: So sind tiefer gelegene Hütten meist von Ende Mai/Anfang Juni bis Anfang Oktober, die höher gelegenen von Ende Juni/Anfang Juli bis Mitte/Ende September geöffnet.

Illustration: Bertram Haid
Illustration: Bertram Haid

Sei dein eigener Müllmann

Auf Hütten herrschen andere Gesetze – hier auf den Bergen müssen sich die Menschen der Natur anpassen und nicht umgekehrt. Deshalb wird dort sorgsam mit der Umwelt umgegangen. Die meisten Hütten erzeugen die Energie, mit der sie in Betrieb gehalten werden, selbst. Dadurch, dass der Strom von kleinen Kraftwerken oder Solarzellen auf den Dächern kommt, müssen Gäste wie Hüttenbetreiber ihren Stromverbrauch einschränken. Die Bitte, sein Smartphone, das Tablet und drei Powerbanks aufzuladen, kostet so manchem Hüttenwirt nur ein mildes Lächeln.

Sogar für die routinierten Fahrer der Müllabfuhr sind nur einen Meter breite Pfade eine Nummer zu schwer. Auf vielen Berghütten ist man deshalb sein eigener Müllmann und wird höflich gebeten, die Überreste der Jause wieder selbst ins Tal zu bringen – Müll trennen nicht vergessen! Auf den Berghütten gibt es zwar fließendes Wasser, jedoch oft nicht genug Duschen – lange Duschgänge sollte man deshalb aus Rücksicht auf die Ressourcen und die anderen Gäste lieber vermeiden. Mit einer morgendlichen Katzenwäsche am Waschbecken fühlt man sich sowieso mehr nach Indiana Jones auf Entdeckungsreise.

Illustration: Bertram Haid
Illustration: Bertram Haid

Kleine Karte, große Halle

Das Leben auf einer Hütte ist bescheiden. Weil viele alpine Herbergen zu Fuß oder sogar mit Hubschraubern mit dem Wichtigsten versorgt werden müssen, gibt es meist nur eine kleine, aber feine Speisekarte. Das hat aber Vorteile: durch das limitierte Sortiment an Schmankerln lernt man einfache Lebensmittel mehr zu schätzen. Würschtl mit Senf oder ein Bergkäsebrot ist ohnehin etwas, in das man nach einer langen Wanderung mit schlottrigen Knien gerne beißt. Eine volle Mahlzeit (oft in Form einer Halbpension) bekommt man auf Berghütten natürlich auch. Alpenvereinsmitglieder erhalten auf vielen Hütten ein vergünstigtes Bergsteigeressen.

Illustration: Bertram Haid
Illustration: Bertram Haid

Zum Schlafen legen sich die Gäste der Berghütten meist in einen großen Raum (Mehrbett-Zimmer sind meistens auch vorhanden). Im sogenannten „Matratzenlager“ kann man sich in seinen selbst mitgebrachten Hüttenschlafsack (ein dünner Beutel aus Leinen) kuscheln und eine der bereits vorhandenen, jedoch nicht nach jedem Gast gewaschenen Wolldecken überwerfen. Für Menschen mit leichtem Schlaf und gegen Schnarchnasen lohnt es sich, ein Paar Ohrenstöpsel einzupacken. Auch eine Taschenlampe ist keine Fehlinvestition, will man beim nächtlichen Toilettengang mit einer Festbeleuchtung doch ungern alle anderen aufwecken.

Trotz der Einschränkungen kann man die Tiroler Berghütten auch als klassische Gasthäuser in den Alpen bezeichnen. Man bekommt etwas zu essen und einen Schlafplatz. Ob es für die Vierbeiner, die die Tour begleiten, auch einen Platz im Trockenen gibt, muss zuerst mit dem Wirt abgeklärt werden.

Die Do’s and Don’ts auf Berghütten

Bitte

  • Bargeld mitnehmen
  • den Alpenvereinsausweis einpacken (wenn vorhanden)
  • Rücksicht auf die anderen Gäste nehmen
  • Strom sparen
  • den Wirt fragen, ob der Hund mit darf

Bitte nicht

  • zu lange Duschen
  • den eigenen Müll liegen lassen
  • lärmen
  • ohne zu fragen diverse elektronische Geräte aufladen

Kleine Checkliste für den Hüttenbesuch

  • Hüttenschlafsack
  • Taschenlampe und/oder Stirnlampe
  • Müllsäcke
  • Ohrenstöpsel
  • Handtuch
  • warme Kleidung (besonders Socken und Mütze)
  • Hausschuhe
  • Offenheit und ein gelassenes Gemüt :)

Hier findet ihr weitere Packtipps für den Hüttenrucksack

Illustrationen: Bertram Haid

Benjamin Stolz liebt und lebt die Gegensätze des Alpenlandes. Als Tiroler mit Höhenangst, papiervernarrter Blogger und Stadtmensch vom Land ist er der Meinung, dass es in Tirol mehr zu entdecken gibt, als man glaubt.

Benjamin
Letzte Artikel von Benjamin
Die Musiker rund um das Projekt „Parasol Peak“ Foto: Klemens Weisleitner
Aktualisiert am 29.12.2020 in Kulturleben
Manu Delagos Weg auf den Gipfel
3 Min Lesezeit
Adventmuffel
Aktualisiert am 07.12.2020 in Empfehlungen
9 Tipps für Adventmuffel in Tirol
4 Min Lesezeit
4_Ski_Veteran_V2
Aktualisiert am 04.12.2020 in Sport
7 Arten, eure Skier zu tragen
4 Min Lesezeit
Aaron Matthews
Aktualisiert am 14.09.2020 in Kulturleben
Auf dem Weg zum Gipfel der Popmusik
6 Min Lesezeit
Titelbild
Aktualisiert am 17.08.2020 in Krimskrams
5 E-Bike-Typen, die jeder kennt
3 Min Lesezeit
Ort: Wilder Kaiser
Aktualisiert am 08.06.2020 in Krimskrams
Grundkurs „Tirol verstehen“
6 Min Lesezeit
Löwenzahn beim Trocknen. Foto: Maren Krings
Aktualisiert am 28.04.2020 in Natur
5 Wildkräuter, die vor der Haustür wachsen
6 Min Lesezeit
Action Jackson: Wegen der schönen Landschaft macht Bollywood immer wieder in Tirol Station.
Aktualisiert am 28.04.2020 in Empfehlungen
5 TV-Tipps zwischen Kitsch und Kult
4 Min Lesezeit
St. Anton am Arlberg, Sonnenskilauf
Aktualisiert am 10.02.2020 in Empfehlungen
5 Tipps für einen entspannten Skiurlaub in Tirol
3 Min Lesezeit
Serfaus. Foto: Andreas Kirschner
Aktualisiert am 22.11.2019 in Krimskrams
Richtig, ich bin Serfaus!
2 Min Lesezeit
Regenbogen über dem Axamer Kögele.
Aktualisiert am 07.11.2019 in Krimskrams
Tirol erklärt: Wie das Wetter im Sommer sein wird
5 Min Lesezeit
Ort: Innsbruck
Aktualisiert am 29.08.2019 in Krimskrams
Tirol im September: Unsere Tipps für den Wandermonat
3 Min Lesezeit
Karwendelmarsch Foto: Achensee Tourismus
Aktualisiert am 02.08.2019 in Krimskrams
Tirol im August: Unsere Tipps für den Hochsommer
3 Min Lesezeit
Obere Faselfadseen bei St. Anton am Arlberg
Aktualisiert am 30.07.2019 in Natur
Tirol erklärt – Wie kommt ein See zu seiner Farbe?
6 Min Lesezeit
Sebastian Pilloni_Nachkauf Lisa Hörterer_klein_2
Aktualisiert am 27.02.2019 in Natur
Eulenblick – Wie ein Naturpark-Ranger Augen öffnet
4 Min Lesezeit
Skifahren in Tirol
Aktualisiert am 19.12.2018 in Krimskrams
Welcher Ski-Typ seid ihr?
4 Min Lesezeit
Imster Schemenlaufen
23.03.2021 in Kulturleben
Die Tiroler Fasnacht!
5 Min Lesezeit
Föhnwolken über dem Außerfern. (c) Tirol Werbung/Simon Toplak
24.04.2019 in Natur
Tirol erklärt: Föhn
5 Min Lesezeit
Alle Artikel von Benjamin
3 Kommentare verfügbar
Kommentar verfassen

Einfach weiterlesen

nach oben
Wenn Sie uns Ihre Email-Adresse verraten...

...verraten wir Ihnen im wöchentlichen Newsletter die besten Urlaubstipps aus Tirol!