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Rosanna

Hippes Holz: Drei Unternehmen, die auf Zirbe schwören

Aktualisiert am 02.11.2018 in Unternehmen

Ein Schmuckstück aus edlem Holz: Die Zirbenkommode. ©ForcherEin Schmuckstück aus edlem Holz: Die Zirbenkommode. ©Forcher

Drei Unternehmer zeigen, dass Zirbenholz mehr sein kann als der ewige Klassiker Zirbenstube: Sie präsentieren den wertvollen Rohstoff als Lampenschirm, als Raumlüfter und verwenden das Holz für preisgekröntes Möbeldesign.

„Das Draußen-sein ins Haus bringen“

Benedikt Handler, Mitgründer und Geschäftsführer von zirb

Benedikt, Carl und Niko von ©zirb/un attimo PhotographieBenedikt, Carl und Niko von ©zirb/un attimo Photographie

Zirbenstuben haben in Tirol eine jahrhundertelange Tradition: So stammt etwa die Fuggerstube im Alpbachtal noch aus dem 15. Jahrhundert. Kann man sagen, die zirb.-Produkte sind ein modernes Äquivalent dazu?

„Ich glaube, wir sind definitiv eine moderne Option, um den Nutzen, den die Zirbe bringt, so gut wie möglich in einen Raum zu bringen. Wir hören das von vielen Kunden, die sagen, sie hätten gerne den angenehmen Duft und die Raumatmosphäre, die durch die Zirbe entsteht– aber sie wollen nicht das optische Bekenntnis eingehen und den ganzen Raum mit dem relativ astreichen Zirbenholz unruhig machen. Gerade im städtischen Bereich, wo man gerne modern wohnt, ist unser Lüfter einfach eine schöne Option.“

Der zirb Lüfter bringt die Natur in die moderne Stadtwohnung. ©zirb/Jenny HaimerlDer zirb Lüfter bringt die Natur in die moderne Stadtwohnung. ©zirb/Jenny Haimerl

Wie ist zirb entstanden? Hat euch der vielzitierte Spaziergang im Wald und das tiefe Durchatmen in der freien Natur irgendwann einfach nicht mehr gereicht, wolltet ihr den Wald ins Haus holen?

„Das war tatsächlich ein bisschen der Hintergrund der Idee. Wir haben bemerkt– auch in unseren ersten Jobs – dass man ganz viel Zeit drinnen verbringt und sich so oft nach draußen wünscht. Man stellt fest: Ich bin 95 % meiner Zeit im Haus, wir sitzen vor Computerbildschirmen, das ist unser Lebensalltag heute. Also war unser Ansatz: Das Gefühl des Draußen-seins ins Haus zu bringen. Und was bietet sich da besser an als die Zirbe mit ihren Eigenschaften?“

Ist die Zirbe für euch ein Wunderbaum?

„Wunder ist relativ – aber ja, die Zirbe kann viel. Grundsätzlich betrachtet ist das auch völlig logisch, denn diese Pflanze schafft es, sich an ganz harte Bedingungen anzupassen, da steckt viel dahinter. Die Zirbe ist sehr stressresistent. Unter diesem Aspekt bietet die Zirbe eine schöne Geschichte rundherum: Das Alpin- und Naturgefühl ist ein willkommenes Gegenstück zu dem permanenten auf Achse sein.“

Zirbenholz erlebt aktuell einen Boom: Woher bezieht ihr euer Holz? Besitzt einer von euch einen geheimen Zirbenwald?

„Das wäre schön! Tatsächlich haben wir eine geheime Quelle. Es ist Tiroler Zirbenholz, die Locke wächst sogar oben am Glungezer. Wir wissen bei manchen Bäumen sogar noch wo er stand.

Am Anfang hatten wir irrsinnige Schwierigkeiten, Holz zu bekommen, das luftgetrocknet ist. Wir haben bei Sägewerken und Förstern angefragt und sind so zur geheimen Quelle gekommen.“

Beste Qualität ist das Ziel: Benedikt im Sägewerk Rinn. ©zirb/Jenny HaimerlBeste Qualität ist das Ziel: Benedikt im Sägewerk Rinn. ©zirb/Jenny Haimerl

Warum muss das Holz luftgetrocknet sein?

„Für uns zählt Qualität. Das macht die Duftstärke aus. Der Zirbenboom hat dazu geführt, dass die Nachfrage stark gestiegen ist. Fällt man aber einen Baum, dann muss er trocknen, damit man ihn verarbeiten kann. Wenn man ihn feucht verarbeitet, dann trocknet das Holz nach und es bilden sich Risse.

Wenn ich das Holz an der Luft trockne, dann dauert das 1 bis 2 Jahre. Natürlich führt der hohe Zirbenholz-Preis aber dazu, dass die Anbieter das Holz so schnell wie möglich verkaufen wollen. Und so hilft sich die Holzindustrie damit, dass sie das Holz in einer Trockenkammer bei 95 Grad trocknen lässt. Es ist dann zwar ein genormtes Material, aber dem Holz, dessen Kernnutzen die Harze und der Duft sind, tut die Schnelltrocknung überhaupt nicht gut. Bei fast allen Produkten, die wir kaufen – speziell die Produkte, die wir nicht beim Tischler kaufen – kommt das Holz aus der Kammertrocknung. Der Nutzen ist hier oft zum Großteil schon vernichtet.“

Durchdacht – und müllfrei – ist auch die Verpackung. ©zirb/Jenny HaimerlDurchdacht – und müllfrei – ist auch die Verpackung. ©zirb/Jenny Haimerl

Wie lange hat die Entwicklungphase vom Rohmaterial zum fertigen Produkt gedauert?

„Sie hat noch gar nicht aufgehört. Ich glaube nicht daran, dass man jemals fertig ist, mit dem, was man tut. Das Produkt ist wirklich gut und objektiv betrachtet sind wir Preis-Leistungs-Führer, was das zur Verfügungstellen von Zirbenholz als Raumlüfter betrifft. Aber da sind noch so viele Ideen da, um noch näher an den Kundennutzen zu kommen. Wir adaptieren permanent weiter.“

Seit November 2018 neu in der Zirb-Familie: der Zirb.Mini. ©zirb/Jenny HaimerlSeit November 2018 neu in der Zirb-Familie: der Zirb.Mini. ©zirb/Jenny Haimerl

Zirb (www.zirb.at) ist wohl das, was man als klassisches Start-up bezeichnen würde: Benedikt, Carl und Niko kennen sich von der Universität und haben eine Idee. Sie wollen das Erlebnis Natur ins Haus zu bringen. Sie entwickeln Raumlüfter aus Zirbe, mit extraleisem Motor, Wasserschale und gehobelten Zirbenlocken. Der Raumlüfter soll Bakterien aus der Luft filtern, die Luftqualität verbessern und das Schlaferlebnis verbessern. Keiner der Gründer hat eine handwerkliche Ausbildung – aber kreativ und designverliebt sind sie aber alle: Davon zeugt die schlichte Optik und das konsequent umgesetzte müllfreie Verpackungskonzept. Neu in der Familie ist seit November 2018 der Zirb.Mini.


 

„Vielleicht ist es die Zirbe, die gut zu uns Tirolern passt.“

Andreas Wolsegger, Geschäftsführer Forcher Tischlerei

Im Bett bleiben? Ja bitte: Das Zirbenbett von Forcher. ©ForcherIm Bett bleiben? Ja bitte: Das Zirbenbett von Forcher. ©Forcher

Auf die Frage, warum in Tirol seit Jahrhunderten gerne mit Zirbenholz gearbeitet wird, hat Andreas Wolsegger eine gute Erklärung: Vielleicht sei es die Zirbe, die gut zu uns Tirolern und zu Tiroler Tischlereien passe, sagt der Geschäftsführer der Osttiroler Traditionstischlerei Forcher. „Es ist ein g’standenes Holz, sehr resistent und widerstandsfähig aufgrund der Höhe, in der die Zirbe wächst“.

Seine Tischlerei hat mit Zirbenmöbeln bereits den interior innovation award 2014 gewonnen und war für den German Design Award 2015 nominiert. Wie interpretiert man den Klassiker – Zirbe – modern?

Zu den Grundwerten des Unternehmens gehöre eine Innovationskultur, die auf jahrelang gewachsene Wurzeln baut: „Man muss nicht mit aller Gewalt modern sein.“ Auf das Zusammenspiel komme es an. „Natürlich hat das Zirbenzimmer einen rustikalen Touch.“ Aber wem das zu viel sei, der könne auf Einzelstücke setzen, um die wohltuende Wirkung der Zirbe in die eigenen vier Wände zu holen.

Das schlichte Bett ist das beliebteste Möbelstück bei den Kunden. Wird das Schlaferlebnis tatsächlich durch ein Zirbenbett verbessert? Andreas Wolsegger erzählt von Kunden, die im Urlaub in Tirol von einem Forcher-Zirbenbett so begeistert waren, dass sie selbst eines kauften. Für Schränke und Kommoden gibt es bei Forcher neben der originalen Holzvariante in schlichtem Design auch die Möglichkeit, die Vorderfronten in weiß zu wählen. Zusammenspiel, wie gesagt.


                   Zirbe, modern statt klassisch: Schlichtes Zirbenbett von Forcher (c)Forcher
                Zirbe, modern statt klassisch: Schlichtes Zirbenbett von Forcher (c)Forcher

Wie erklärt sich Wolsegger den Zirbenboom? Es sei die oft genannte Work-Life-Balance, sagt der Geschäftsführer: „Der Stadtmensch will grün sein“. Mit dem duftenden Zirbenholz könne man versuchen, sich im urbanen Raum ein Stück Natur in die eigenen vier Wände zu holen. Die bekannte Studie des Johanneum Graz, die der Zirbe die gesundheitsfördernde Wirkung bescheinigt, habe außerdem zur Bekanntheit der Zirbe massiv beigetragen. Um diese Wirkung voll nutzen zu können, betont auch Wolsegger, wie wichtig langsame Trocknung sei.

Auf die schonende Verarbeitung sei man bei Forcher stolz – und auch darauf, dass der gesamte Produktionsprozess in der Region stattfinde. Für diese Sorgfalt ist das Unternehmen ebenfalls ausgezeichnet worden: Mit dem Tiroler Regionalitätspreis 2014. „Diese Preise sind eine interessante Geschichte. Welche Wirkung haben sie? Wer wird dadurch auf uns aufmerksam? Die Marke Forcher bringen diese Auszeichnungen auf jeden Fall weiter“, sagt Wolsegger. Die Tischlerei produziert mittlerweile für verschiedene namhafte Designer, darunter auch für Nina Mair. Die ausgezeichneten Forcher-Zirbenmöbel sind allerdings nur im Fachhandel erhältlich – und dafür braucht man etwas Geduld: 15 Wochen dauert es, bis ein Zirbenbett gefertigt ist.

Ein Schmuckstück aus edlem Holz: Die Zirbenkommode. ©ForcherEin Schmuckstück aus edlem Holz: Die Zirbenkommode. ©Forcher

Die Tischlerei Forcher GmbH (www.forcher.at) ist ein Tiroler Traditionsunternehmen: Seit 85 Jahren und bereits in dritter Generation werden am Firmenstandort Lienz Möbel in hochwertiger Handarbeit hergestellt. Tradition und neue Technologie gehen in der Forcher Tischlerei Hand in Hand – und daraus entstehen Möbelstücke, die nicht nur Kunden begeistern, sondern die auch mit internationalen Design-Auszeichnungen belohnt werden.


 

Diese Leuchten haben viel zu erzählen

Harald Hofer, Almleuchten

Die Köpfe hinter den Almleuchten: Felix Fehr und Harald Hofer. ©AlmleuchtenDie Köpfe hinter den Almleuchten: Felix Fehr und Harald Hofer. ©Almleuchten

Ein bisschen hellhörig muss man sein – um den richtigen Tipp zu bekommen: Wo wird der nächste Zirbenstadel abgerissen? Wenn es wieder soweit ist, dann sind es meist Bauern aus der Umgebung, die Harald Hofer und Felix Fehr die Informationen liefern. Aus den Holztram –  den alten Holzbalken  – produzieren die beiden dann ihre Almleuchten.

Die modernen Leuchten werden aus heimischen Hölzern von der Fichte bis zur – richtig! – Zirbe hergestellt. Das Besondere: Die Stücke verbinden Geschichte und Design. Alle Balken, die für die Leuchten verwendet werden, stammen von unterschiedlichen Almhütten und Bauernhäusern in Tirol. Ein Beipackzettel verrät den Kunden sogar, woher das Holz für „seine“ Leuchte ursprünglich stammt – und garantiert Regionalität bis ins Detail.

Die genutzten Holzbalken sind zum Teil über 300 Jahre alt. Hier zeigt sich die Widerstandsfähigkeit dieses Rohstoffs: Für die Almleuchten wird das Holz in sieben bis acht Millimeter dicke Scheiben geschnitten. „Dann“, erzählt Hofer und man hört die Begeisterung in seiner Stimme, „sieht das Holz aus wie neu.“

Besonders widerstandsfähig sei das Zirbenholz – schließlich sind die Almhütten, die aus Zirbenholz gebaut sind, meist am höchsten gelegen. Doch, Moment: Stadel aus dem wertvollen Zirbenholz? „Ja“, sagt Harald Hofer, „früher ist das durchaus vorgekommen. Denn die Zirbe wächst auch dort, wo andere Baumarten den Kampf gegen die unwirtliche Natur längst aufgegeben haben.“

Neben dem Pluspunkt der originellen Herkunft sei es vor allem die Lichtfarbe, welche die Almleuchten von anderen unterscheide: Ein bisschen wie „das Röntgen von Holz“ sei es, wenn man die Leuchten anknipse, sagt Hofer. Durchscheinend und in einem warmen roten Ton würden die Stücke leuchten: Alle Harzeinschlüsse, jede Besonderheit im Holz sei erkennbar. Durch die Wärme im Leuchtkörper werde zusätzlich der besondere Duft der Zirbe verstärkt. Ein Rundherum-Erlebnis, sozusagen.

Der rote, warme Farbton macht die Almleuchten zu etwas ganz Besonderem. (c)AlmleuchtenDer rote, warme Farbton macht die Almleuchten zu etwas ganz Besonderem. (c)Almleuchten

Innovatives Lampendesign ist Harald Hofer nicht fremd: Als Teil des Designerduos les cigales hat Hofer bereits mit industriell gefertigten Alltagsprodukten, wie Kleiderbügeln oder Haarwicklern experimentiert und Leuchten und Wandinstallationen aus Trinkhalmen kreiert. Gemeinsam mit Architekturstudent Felix Fehr hat Hofer nun die Holzleuchten (www.almleuchten.com) entwickelt.

Rosanna Battisti fährt gerne weg und kommt gerne wieder – vor allem im Winter, wenn die Skipisten rufen.

Rosanna
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