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Ines

ROLF Spectacles: Visionen aus Holz

Aktualisiert am 09.07.2018 in Unternehmen

Rolf Spectacles

Brillen aus Holz? Aus Stein? Die außergewöhnliche Designs aus handgearbeiteten Materialien bescheren der Firma ROLF einen Designpreis nach dem anderen. Ein Modell wurde gerade letzte Woche mit dem renommierten German iF Design Award 2016 ausgezeichnet. Hergestellt werden die einzigartigen Brillen in einem kleinen Dorf im Tiroler Außerfern. Porträt einer sehr selbstbewussten Firma.

Den ersten öffentlichen Auftritt der Firma ROLF hat die internationale Optikbranche bis heute nicht vergessen. Herbst 2009, in Paris wird der Silmo d’Or verliehen – der „Oscar“ des Brillendesigns. Mit dabei sind auch vier Newcomer aus dem Tiroler Außerfern. Alleine die Tatsache, dass die Holzbrillen des jungen Quartetts überhaupt für einen so prestigeträchtigen Preis nominiert sind, ist zu diesem Zeitpunkt eine Sensation. Weil das gesamte verfügbare Kapital in die Produktion der ersten ROLF-Kollektion gesteckt wurde, muss damals an allen Ecken und Enden gespart werden. So fährt man mit dem Wohnmobil nach Paris, nimmt von zuhause Lebensmittel mit, weil man sich keine Restaurantbesuche leisten kann.

Bei der Preisverleihung geschieht dann das Unglaubliche: Die ROLF-Brille „Imperator 05“ gewinnt den „Silmo d’Or“-Award in der Kategorie „Technik und Innovation“. Das metall- und schraubenfreie Holzgelenk, die innovative Verglasungstechnik und der moderne, coole Look der Brille konnten die Jury überzeugen. Erste Einreichung, erste Nominierung, erste Auszeichnung. So funktioniert die von riesigen Konzernen wie Luxottica dominierte Branche eigentlich nicht. Die vier ROLF-Gründer können es nicht fassen, schreien, toben und feiern ihren Erfolg und ihre Erleichterung so laut, dass die Preisverleihung sogar kurz unterbrochen werden muss.


                   Modell „Topolino“, ausgezeichnet mit dem US-amerikanischen Preis „Good Design Award“
                Modell „Topolino“, ausgezeichnet mit dem US-amerikanischen Preis „Good Design Award“

„Marketingtechnisch war dieser Auftritt gar nicht schlecht“, schmunzelt Roland Wolf heute, „wir waren von Anfang an die Besonderen.“ Auch heute, sechs Jahre später, gewinnt ROLF Spectacles noch regelmäßig Designpreise. Zuletzt etwa den renommierten iF Design Award 2016: Das Modell „Anglia 93“ setzte sich vor einer hochkarätigen internationale Jury unter den mehr als 5.000 Eingängen aus 53 Ländern durch. „Manchmal fehlt sogar die Zeit, um das, was mit uns gerade passiert, überhaupt zu reflektieren“, erzählt Roland Wolf, während er die Holzbrille abnimmt und vor sich auf den Tisch legt. Brillen trägt er, seit er 14 war – mit Fensterglas, weil er eigentlich keine braucht. Wolf hat als Jugendlicher die Ausbildung zum Optiker gemacht, nebenbei in der Freizeit für seine Freunde Brillen zusammengeschraubt. Ausgeübt hat er den Beruf nie, vor allem „weil Optik bei uns extrem technologisch gesehen wird“. Sein Herz schlägt fürs Handwerk, für die Idee, und: für die Vermarktung.

Familienbande

Obwohl Roland Wolf Namensgeber, Entwickler und Visionär ist, gäbe es ROLF ganz sicher nicht ohne die anderen Beteiligten. Marija „Mary“ Iljazovic, die für das vielgelobte Design der Brillen verantwortlich zeichnet, ist seit fast 20 Jahren seine Weggefährtin – die beiden betrieben bereits in den 1990ern zusammen eine Snowboardschule. Nachdem Wolf und Iljazovic einige Jahre für einen erfolgreichen Berliner Brillenhersteller tätig waren, verließen sie die Firma Mitte der Nullerjahre, weil sie mit dem rasanten Wachstum des Unternehmens und den damit verbundenen Entwicklungen nicht mehr d’accord gingen. Und sie beschlossen: „Wir machen unsere eigene Geschichte.“ Dazu holten sie zwei weitere Familienmitglieder an Bord: Martin Iljazovic, Marys Bruder, der als gelernter Land- und Baumaschinentechniker die ersten ROLF-Maschinen aus Melkmaschinen und Mopedbremsen zusammenzimmerte und bis heute Produktionsleiter ist. Der Vierte im Bunde ist Rolands Bruder Christian Wolf. Er ist der Kreative, der sein Architekturstudium in Linz gegen den Posten des ROLF-Marketing-Managers tauschte.

Entwickler und Visionär Roland Wolf in der ROLF-Werkstätte in Weißenbach am LechEntwickler und Visionär Roland Wolf in der ROLF-Werkstätte in Weißenbach am Lech

Die Anfangszeit war hart. Im Keller des Wolfschen Elternhauses in Lechaschau, wenige Kilometer vom heutigen Firmensitz in Weißenbach entfernt, wurde am Prototyp der ROLF-Brille getüftelt. Aus Holz sollte sie sein, „High High End“, etwas ganz Besonderes. Um in der Brille kein Metall, zum Beispiel in Form von Schrauben, zu haben, wurde ein eigenes Holzgelenk entwickelt. 75 Varianten brauchte es, bis das ROLF-Gelenk gefunden war. Dieses ist mittlerweile ebenso patentiert wie das innovative ROLF-Verglasungssystem. Nur durch dieses von Roland Wolf entwickelte System ist es möglich, Brillengläser ohne Beschädigung in die Holzbrille einzusetzen. Am Markt kamen dieser Innovationsgeist und das außergewöhnliche Design sofort an. „Schon bei der ersten Messe waren alle restlos begeistert. Leider zerbrachen die Prototypen, weil die Verarbeitung jenseits von Gut und Böse war, aber man hat uns vertraut, dass wir die Produktion auf Schiene bringen“, blickt Wolf zurück.

Produktion „on demand“

Im Moment beschäftigt das Unternehmen ROLF Spectacles 50 Mitarbeiter, läuft alles nach Plan, könnten es in drei Jahren schon 100 Mitarbeiter sein. Im Frühling 2015 wurde der erste ROLF-Shop in Wien eröffnet, sogar in New York hat man schon Immobilien besichtigt. Roland Wolf findet diese physische Präsenz der Marke zwar schön, sieht das Hauptaugenmerk aber woanders. „Wir haben eine starke Marke. Wir produzieren unser Produkt extrem hochwertig und ausschließlich im Haus – sogar die Etuis. Das ist teuer, aber wir würden unsere Brillen gar nicht billiger produzieren wollen. Lieber verzichten wir auf Geld und halten die Marke hoch.“ Dieses Konzept zieht man in jeder Hinsicht durch: Die Brillen werden nur in ausgewählten Fachoptiker-Geschäften verkauft, derzeit bei etwa 600 Händlern in 40 Ländern. Jede ROLF-Brille wird „on demand“ in Weißenbach hergestellt, hat eine mehrwöchige Wartezeit und wird bereits als Rohling mit einem kleinen Schildchen versehen, auf dem der Name des Optikers und des zukünftigen Besitzers steht.

ROLF-Shop im Zentrum von Reutte, Foto: Lisa HörtererROLF-Shop im Zentrum von Reutte, Foto: Lisa Hörterer

In Weißenbach am Lech, wo die ROLF-Halle steht, sind Roli, Mary, Martin und Chris – so kennt man sie hier – irgendwie immer noch die jungen Wilden. Leicht hat man es ihnen nicht gemacht, aber der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht. Wegziehen wollen sie vorerst nicht. „Ich liebe vielleicht nicht alle Menschen hier, aber ich liebe Tirol“, sagt Roland Wolf. Außerdem kann ROLF mit Fug und Recht behaupten, Trends zu setzen, anstatt ihnen zu folgen. Modeketten und Designschmieden gibt es in der Abgeschiedenheit des Außerferns nicht. „Wir sind im positiven Sinne extrem überzeugt von dem, was wir machen“, sagt Wolf. Zweifel würden Innovation im Keim ersticken, ist sich der 36-Jährige sicher. „Ich hasse es, wenn Menschen die falsche Einstellung haben. Alles muss möglich sein. Auch wenn für meine Mitarbeiter diese Einstellung oft anstrengend ist.“ Andererseits eilt den ROLFs dadurch ein exzellenter Ruf voraus: „Wenn von uns etwas Neues kommt“, sagt Roland Wolf, „dann ist es auch wirklich etwas Neues“.

Mehr Infos zum ROLF-Shop in Reutte: www.tirol.at

Große Städte, helle Lichter: In Großstädten fühlt sich Ines Mayerl wohl. Trotzdem kommt sie immer wieder gerne nach Hause – um eine Auszeit am Berg zu genießen, in Innsbruck neue Cafés zu entdecken und die Pisten zu erobern.

Ines
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