Blog
Kategorien
Kaspressknödel, © Tirol Werbung / Rodler Ilvy
Essen & Trinken
ROLF Spectacles, © Tirol Werbung / Hörterer Lisa
Unternehmen
Sepp Kahn, Almliterat, © Bert Heinzelmeier
Menschen
Bergisel, © Tirol Werbung / Schreyer David
Architektur
Imster Schemenlaufen, © Tirol Werbung / Aichner Bernhard
Kulturleben
Swarovski Kristallwelten, © Tirol Werbung / Moore Casey
Empfehlungen
Tee, © Tirol Werbung / Haindl Ramon
Wohlfühlen
Frühling in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung / Webhofer Mario
Natur
Kinder am Fluss, © Tirol Werbung / Herbig Hans
Familie
Olperer Hütte, © Tirol Werbung / Schwarz Jens
Krimskrams
Great Trail , © Tirol Werbung / Neusser Peter
Sport
Neue Wege
Magazin
Jagdhausalmen im Osttiroler Defereggental. Foto: Tirol Werbung.
Serien
Gero

Schneekönige

Aktualisiert am 24.12.2020 in Magazin

Fotos: Roderick Aichinger

Zum Schneeschöpfen – wie die Tiroler zum Schneeschippen sagen – entwickeln die Menschen eine Hassliebe. Einerseits ist es anstrengend. Andererseits sieht man bei kaum einer anderen Arbeit so schnell, was man geleistet hat. Zehn Tiroler erzählen.

Joseph Heidegger, 77, Hirte

„Zwölf Jahre wird die Schaufel schon alt sein. Bei Pulver geht sie noch gut, bei hartem, altem Schnee ist es schwierig, aber da habe ich ja noch die normalen Schaufeln. Ich habe bereits auf dem Dach und hinter der Hütte geschöpft. Das hat zwei Stunden gedauert. Der Stall stammt aus dem Jahr 1783. Sieben Ziegen und ein paar Schafe stehen heute da drin. Früher waren es mal 30 Ziegen. Die Nachbarn haben Motorfräsen. Für mich ist das zu teuer. Und ich habe vor Maschinen Respekt.“

Schneeschöpfen (2)

Philipp Hofmann, 26, Ausbildung zum Krankenpfleger

„Dieser Schneefall war so extrem. Bis die große Fräse kommt, kann es noch dauern. Deswegen halte ich mit ein paar Burschen aus dem Dorf die Wege zwischen den Häusern frei. Am Anfang macht das Räumen schon Spaß, aber ich bin jetzt seit acht Stunden draußen, und irgendwann hast du genug Schnee gesehen. Du musst konzentriert sein und aufpassen, dass du dich mit dem Mähtraktor nicht eingräbst. So eine Situation bringt uns ja auch zusammen. Wir reden und arbeiten miteinander, ziehen an einem Strang. Jeder hilft, sogar die Gäste packen mit an.“

Schneeschöpfen (11)

Kati Früh, 35, Wirtin Olpererblick

„Das Wichtigste ist natürlich, dass ich den Eingangsbereich freischöpfe. Damit die Gäste ins Wirtshaus kommen, Bier trinken, etwas essen können. Gerade im Winter ist ja das Gasthaus ein soziales Zentrum. Wir haben hier eine bunte Mischung aus Alt und Jung, aus Einheimischen und Gästen, zum Beispiel Tourengeher und Langläufer. Ich selbst muss heute keinen Sport mehr machen, ich habe ja geschöpft, ein besseres Workout gibt es nicht.“

Schneeschöpfen (4)

Traudl Praxmarer, 78, Bäuerin

„Mein Mann ist schon sehr früh gestorben. Ich habe sechs Kinder und musste vieles auf dem Hof allein machen. Eine harte Zeit. Ich habe schon viel Schnee geschöpft in meinem Leben. Aber das ist schon in Ordnung. Wie ja überhaupt die viele Arbeit auch dazu geführt hat, dass ich noch gesund und kräftig bin. Ich gehe viel in die Berge und im Winter zum Langlaufen.“

Schneeschöpfen (12)

Helmut Schafferer, 48, Winterdienst des Landes Tirol

„Ich kann nur ganz kurz reden, weil ich die Schneeketten schnell draufmachen und dann räumen muss. Man sieht ja, was da herunterkommt. Wir sind heutzutage schon gut auf solche Schneefälle vorbereitet, weil der Wetterbericht meist zutrifft. Ich räume als Nächstes die Landesstraße zum Brenner hoch. Fünf Tonnen Streusalz habe ich gerade aus dem Silo geladen. Eigentlich wäre ich um 19.30 Uhr mit der Arbeit fertig, aber heute Abend wird es viel länger dauern.“

Schneeschöpfen (6)

Thomas Puellacher, 53, Winterdienstleiter Flughafen Innsbruck

„Unser Kehrblasgerät, der Øveraasen RS 400, hat eine Gesamtlänge von 12,7 Metern, die Gebläseleistung beträgt 40.000 Kubikmeter pro Stunde, der Tank fasst 1.000 Liter. Vorne ist der Pflug mit einer Räumbreite von 5,50 Metern, dann kommt die rotierende Bürste, und dahinter befindet sich ein Gebläse, das die feinen Schneereste wegbläst. Ich könnte noch ewig solche Fakten aufzählen. Die normale Räummannschaft hier am Flughafen besteht aus zwölf Mann und ist jeweils zwölf Stunden im Einsatz. Ich mach das jetzt seit 18 Jahren, und wir hatten in dieser Zeit keinen einzigen Flugzeugausfall wegen der Schneelage.“

Schneeschöpfen (1)

Sophie Kneringer, 5, Kindergartenkind

„Der Kindergarten fällt heute aus, weil es so arg geschneit hat. Deshalb bin ich mit meiner Schwester und meinen Freundinnen den ganzen Tag draußen. Ich habe schon öfter mit meinem Papa den Hof geräumt. Seit ich vier bin, helfe ich ihm. Der Papa muss die Fräse bloß holen und mir beim Wenden helfen. Mir ist eigentlich nie kalt. Klar fahren wir Ski. Abfahrt und Langlauf. Aber jetzt muss ich den Papa erst mal mit Schneebällen beschmeißen.“

Schneeschöpfen (8)

Patrick Stadlwieser-Höllriegl, 40, Landwirt

„Bei so einem Schneefall wie heute musst du zwei- oder dreimal schöpfen. Mir macht das nichts aus, ich bin entspannt und ich mag den Schnee. Immerhin war ich 20 Jahre lang in der Skischule tätig, bin selber begeisterter Skifahrer. Jetzt trainiere ich meinen Sohn. Der Fabian ist ein echtes Talent im Slalom. Ein zweiter Marcel Hirscher. Deshalb gehen wir jetzt erst mal ins Haus, Weltcupslalom schauen, und später machen wir hier weiter.“

Schneeschöpfen (7)

Ulrich Lentsch, 50, Angestellter Kaunertaler Gletscherbahnen

„Die Einfahrten habe ich gerade freigeräumt. Vielleicht ist als Nächstes das Dach vom Carport dran. Auch beruflich beschäftige ich mich mit dem Schnee. Ich bin bei den Kaunertaler Gletscherbahnen beschäftigt: Pistenrettung, Streckeninstandhaltung, Sprengungen. Man lebt im Gebirge mit der Natur. Wenn eine Lawine herunterkommt, sieht man auch mal wieder, wie klein man ist. Ich habe früher einen Lawinenhund geführt, war jahrelang auf der Einsatzliste. Zum Ernstfall kam es zum Glück nie. Schnee ist schön. Schnee ist aber auch gefährlich.“

Schneeschöpfen (10)

Alexander Mader, 9, Schüler

„Ich schöpfe den ganzen Winter durch. Mir macht das total Spaß. Ich räume vor unseren Garagen und die ganze Gasse runter. Da drüben wohnt der Pfarrer. Man kann beim Schneeschöpfen anderen Leuten helfen. Das gefällt mir. Wenn es richtig schneit, bin ich am Wochenende den ganzen Tag am Räumen. Manchmal hilft mir der Clemens, mein Freund. Mir gefällt das Schneeschöpfen eigentlich sogar mehr als das Skifahren.“

Schneeschöpfen (5)

Je öfter Gero Günther nach Tirol fährt, desto mehr ziehen  ihn das Bundesland und seine illustren Bewohner in seinen Bann. Dabei schaut sich der Journalist und Autor genauso gern in Buchhandlungen, Cafés und Ateliers um wie in einsamen Seitentälern, auf Almweiden oder in Kuhställen.

Gero
Letzte Artikel von Gero Günther
Mit der Sanierung des Mesnerhofs zu einer modernen Interpretation des Matratzenlagers hat Georg Gasteiger seine Erfüllung gefunden.
Aktualisiert am 22.03.2021 in Magazin
Auf ein Neues!
11 Min Lesezeit
schwarz und weiß
Aktualisiert am 24.02.2021 in Magazin
Schwarz und Weiß
7 Min Lesezeit
Busreportage
Aktualisiert am 28.01.2021 in Sport
Ohne Stau
9 Min Lesezeit
Postkartenrealität:
Christoph W. Bauer wuchs im Skiort Kirchberg auf. Die Touristen prägten den Ort und bestimmten den Rhythmus des Lebens.
Aktualisiert am 28.12.2020 in Menschen
In Schreibstube und Skiwerkstatt
8 Min Lesezeit
Aktualisiert am 14.05.2020 in Magazin
Und du so?
11 Min Lesezeit
Aktualisiert am 27.04.2020 in Magazin
Bedeute ich etwas?
10 Min Lesezeit
Aktualisiert am 31.03.2020 in Magazin
Klimaneutrales Ragout
8 Min Lesezeit
Aktualisiert am 20.11.2019 in Magazin
Die eigenen vier Holzwände
10 Min Lesezeit
hier geblieben
Aktualisiert am 23.04.2018 in Magazin
Hier geblieben!
7 Min Lesezeit
der weg ist das ziel
Aktualisiert am 29.03.2018 in Magazin
Der Weg ist das Ziel
6 Min Lesezeit
Max Juergensmeyer, 25, Wirtschaft / Lukas Grünbacher, 25, Physiotherapie / Anna Pompermaier, 26, Bauingenieurwissenschaften & Architektur.
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Aus gutem Haus
3 Min Lesezeit
schlussakkord
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Schlussakkord
8 Min Lesezeit
Nur wir Zwei
30.03.2021 in Magazin
Nur wir zwei
9 Min Lesezeit
Ivonne-Moriel-Treibhaus
30.03.2021 in Magazin
Der Berg Groovt
6 Min Lesezeit
Alle Artikel von Gero Günther
Keine Kommentare verfügbar
Kommentar verfassen

Einfach weiterlesen

nach oben
Wenn Sie uns Ihre Email-Adresse verraten...

...verraten wir Ihnen im wöchentlichen Newsletter die besten Urlaubstipps aus Tirol!