Die Malerin und das liebe Vieh - Gelebte Kultur - Geschichten - kultur.tirol
Ina Hsu, Foto: Petra Rautenstrauch
2021: Die Tiroler Malerin im Porträt

Ina Hsu. Die Malerin und das liebe Vieh

Der Bildkosmos der Tiroler Malerin Ina Hsu zeigt Tiere, Pflanzen und Menschen in freundlichem Miteinander – ebenso naturalistisch wie fantasievoll. Text: Esther Pirchner, Gemälde: Ina Hsu
Porträt: Petra Rautenstrauch
Ausstellungsansichten Tierisch: Daniel Jarosch

Moos wächst, Vögel schwirren herum

Ina Hsu, Porträts mit Moos, Foto: Daniel Jarosch

Ina Hsu, zwei Porträts in der Ausstellung im Juni 2020. „Maria II“ (links), in dem die Porträtierte selbst zum Ökosystem wird, bezeichnet Ina Hsu als Schlüsselbild.
Foto: Kunstraum Innsbruck/Daniel Jarosch

Eine junge Frau sitzt auf dem Boden und auf ihrem abgewinkelten Bein wächst ein wenig Moos. In ihrem Schoß hat sich ein Waschbär zum Schlafen zusammengerollt. Rehbock, Fuchs und Damhirsch sind von Pilzen bewachsen, von Vögelchen und anderen Kleintieren bevölkert. Das eine Tier wird so zum Lebensraum des anderen – ein buntes, vertrauensvolles Zusammenspiel, das zeigt: Alles Leben auf unserer Erde steht miteinander in Verbindung.

Natur im Gleichgewicht

Ina Hsu Porträt

Ina Hsu porträtiert Menschen, die sie persönlich kennt und stellt ihnen Tiere zur Seite.
Das Versteck der Muntjaks, 2014, Öl auf Molino, 125 x 170 cm

„Mich interessieren Ökosysteme, die alleine funktionieren“, sagt die in Kufstein lebende Malerin, „ich mag es, dass die Natur es ausgleichen kann, wenn einmal nicht alles im Gleichgewicht ist.“ Ihren Ursprung hat dieser Bildkosmos in der Liebe zu den eigenen Haustieren. Von denen gibt es einige, und sie boten auch Inspiration gerade für frühe Bildserien von Menschen und Wildtieren.

Arbeiten „fast wie bei CSI“

Ina Hsu, Ausstellungsansicht, Foto: Daniel Jarosch

Einblick in eine Sammelleidenschaft: Bücher und Objekte aus den Forschungen der Künstlerin fanden 2020 Eingang in eine Ausstellung.
Foto: Kunstraum Innsbruck/Daniel Jarosch

Immer mehr hat sich Ina Hsu in das Leben der Natur vertieft. Als Vorbereitung bewahrt sie „alles auf, was ich ausschneiden, sammeln und horten kann. Ich habe viele Bücher und interessiere mich sehr für alte Enzyklopädien.“ Das Gesammelte wird zuerst in Kisten verstaut. Ist ein bestimmtes Tier für sie gerade interessant, kann sie aus dieser „riesengroßen Schatzkiste“ schöpfen. Alle Informationen kommen dann an eine Art Pinnwand. Das sei dann „fast wie bei CSI, wenn Mordfälle aufgeklärt werden“. Momentan ist Ina Hsu von Moosen fasziniert, von Pflanzen, die symbiotisch leben. Doch es geht schon längst um weit mehr: die Schaffung einer eigenen Enzyklopädie.

Schicht für Schicht

Ina Hsu, Fuchs und Pilze

Schicht für Schicht entstehen die Ölgemälde. Ina Hsu: „Ich bin jemand, der die Dinge in Ruhe angeht, und ich glaube, deshalb passt diese Technik am besten zu mir.“
Forest II, 2016, Öl auf Molino, 105 x 60 cm

Solche Entstehungsprozesse brauchen ihre Zeit. Das spiegelt sich auch in der bevorzugten Technik, der Ölmalerei. Ölfarbe trocknet langsamer als beispielsweise Acryl. Bereits gemischte Farbtöne für Haut oder Zähne können über Tage verwendet werden. „Ich mag dieses langsame Arbeiten“, meint Ins Hsu, „die Bilder entstehen in verschiedenen Schichten und in den Trocknungsphasen kann ich darüber nachdenken: Wie geht es weiter?“ Dann schlüpft sie selbst in die Rolle der Betrachterin und sitzt schon einmal eine halbe Stunde vor dem aktuellen Bild. Fertig ist es übrigens dann, „wenn die Geschichte, die ich abbilde, glaubhaft ist“.

Die letzten und die nächsten Arbeiten

Ina Hsu, Reh und Magnolien

Rehe, Damhirsche und anderes Schalenwild findet Eingang in Ina Hsus Malerei.
Hidden Habitat I, 2016, Öl auf Molino, 100 x 80 cm

In den letzten Jahren entstanden so Werke für eine Ausstellung im Kunstraum, in der sie neben den Bildern auch abgebildete Objekte und einen Teil ihres Sammelsuriums zeigte. Auch ein Jugendbuch hat sie illustriert – „Ein Zuhause auf dem Rücken“ von Susannah Haas (2019) –, ein Kinderbuch ist gerade im Entstehen.

Und wie geht es weiter? Für den Kunstraum Innsbruck erstellen mehrere Künstler eine Ausstellung über Cohabitation. Es ist ein zentrales Thema von Ina Hsu, und gerade in Zeiten der Pandemie sei es besonders deutlich hervorgetreten. „Die Verflechtung zwischen Menschen und Ökosystem“ bildete daher auch den Anfang ihrer Feldforschung dazu. Zu sehen ist die Ausstellung ab Ende April 2021 – je nachdem, wann Galerien und Museen wieder öffnen dürfen.

Susannah Haas, Ina Hsu: Ein Zuhause auf dem Rücken

Susannah Haas, Ina Hsu: Ein Zuhause auf dem Rücken

Ina Hsu

Zur Person
Ina Hsu mit Haustieren, Foto: Petra Rautenstrauch

Ina Hsu mit ihren Haustieren,
fotografiert von Petra Rautenstrauch

Shian-Fong Hsu aka Ina Hsu wurde 1976 in Innsbruck in eine taiwanesische Familie hineingeboren. Sie lebt und arbeitet als Malerin, Illustratorin und Pädagogin in Kufstein und Innsbruck. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der IFOG Akademie für Graphik-Design, München (Diplom 1996) und der Kunstuniversität Linz bei Ursula Hübner (Diplom 2006).
Vielfach ausgezeichnet, kann sie auf zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen verweisen (Auswahl):
„Tierisch – Ina Hsu“
Kunstraum Innsbruck
„Found Paradise“
Galerie im Andechshof, Innsbruck
„Kunst im Studio – Ina Hsu“
ORF Landesstudio Tirol, Innsbruck
„… oh rainbow“
Sonderschau Junge Kunst, ART Innsbruck
„Beloved Beast“
UNO St. Claude Gallery, New Orleans (USA)
„In the Back of Beyond“
Galerie Goldener Engl, Hall in Tirol
„Voyage à contre-courant“
Parallel Vienna, Wien

www.ina-hsu.com
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