„Tirol bietet, was man in London nicht findet“ - Gelebte Kultur - Geschichten - kultur.tirol
Kerem Hasan 1, Foto: shootandstyle.com
Chefdirigent Kerem Hasan im Interview

„Tirol bietet, was man in London nicht findet“

Seit 2019 ist Kerem Hasan Chefdirigent des TSOI. Wir trafen den jungen Briten zum Gespräch über Musik, Ausblicke und die Leichtigkeit inmitten hoher Berge. Interview: Fabienne Kröll, Klaus Brunner
Fotos: shootandstyle.com

Sie waren 2017 erstmals als Gastdirigent in Innsbruck. Was hat Ihnen an der Stadt besonders gefallen?

Die historische Altstadt mit ihren pittoresken Häusern, die Natur und die damit verbundene Ruhe – so eine Kombination ist in London nur schwer zu finden. Die Stadt hat allein schon wegen ihrer Lage inmitten der Berge eine einzigartige Atmosphäre, und das begeisterungsfähige Publikum und die nette Kollegenschaft im Tiroler Landestheater machen Innsbruck zu einem ganz besonderen Ort für mich. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich hierher komme.

Im Vergleich zu Ihrer Heimatstadt London ist in Innsbruck – bis auf die Berge – alles eine ziemliche Nummer kleiner …

Das stimmt, aber Tirol vereint die reiche Historie und Tradition des Landes mit einem zukunftsgerichteten und zeitgemäßen Blick – eine tolle Kombination! Innsbruck verfügt über eine großartige Musikkultur. Es ist mir eine Ehre, mit den hochmotivierten und äußerst talentierten Musikern des Tiroler Symphonieorchesters arbeiten zu dürfen.

Kerem Hasan

Biografisches
Kerem Hassan, Foto: shootandstyle.com

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Mit noch nicht einmal dreißig Jahren gilt Kerem Hasan zu Recht als Wunderkind am Dirigentenpult. Der Brite mit zypriotischen Wurzeln hat 2017 den Nestlé und Salzburg Festival Young Conductors Award gewonnen, war Finalist bei der Donatella Flick Conducting Competition in London und sorgte als Associate Conductor der Welsh National Opera für Aufsehen in der Musikwelt. Seit September 2019 ist Kerem Hasan Chefdirigent des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, wo er zwar keine Revolution plant, aber doch viel Neues vorhat.

www.tsoi.at

Die Bandbreite des Orchesters reicht von klassischer Musik bis hin zu Neuer und experimenteller Musik. Ist Tirol für Sie ein gutes „Dach“, unter dem sich Tradition und Moderne verbinden können?

Auf jeden Fall! Ich erachte die permanente Erweiterung eines Repertoires als elementare Aufgabe eines Orchesters. Denn eine gewisse Bandbreite und Vielfalt sorgt nicht nur für Abwechslung bei den Musikern selbst, sondern auch dafür, dass wir unserem Publikum für jeden Geschmack etwas bieten. Das TSOI hat zugleich beim Interpretieren von bekannten, klassischen Werken seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Als ich 2017 zum ersten Mal Mozart mit dem TSOI und Saleem Ashkar als Solist am Klavier dirigierte, war ich sehr überrascht von der Leichtigkeit, mit der das Orchester das Klavierkonzert performte. Eine noch nie zuvor gehörte, spielerisch-leichte Interpretation von Mozart – fantastisch!

Eine noch nie zuvor gehörte, spielerisch-leichte Interpretation von Mozart – fantastisch!

Chefdirigent Kerem Hasan über das Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck

Die „Heimstätte“ des TSOI ist das Haus der Musik, das als Kulisse für das Shooting der aktuellen Kollektion Tirol diente. Was verbindet für Sie Mode und Musik?

Für mich sind beides – Mode und Musik – sich permanent verändernde, starke Ausdrucksformen und elementare Bestandteile einer Kultur!

Sie wurden 2017 bei den Salzburger Festspielen als bester Nachwuchsdirigent ausgezeichnet – den Vorsitz der Jury hatte Dennis Russel Davies. Wussten Sie, dass er vor 15 Jahren das von Philipp Glass komponierte „Tirol Concerto“ uraufgeführt hat? 

Nein, das war mir nicht bekannt! Aber Dennis Russel Davies ist ein fantastischer Dirigent, der bereits mit vielen zeitgenössischen Komponisten gearbeitet hat. Darum überrascht mich die Kooperation mit Philipp Glass nicht. Dass dieser eigens ein „Tirol Concerto“ komponiert hat, finde ich beachtlich – das steht jetzt ganz oben auf meiner Playlist.

Haus der Musik, Foto: Günther Egger

Haus der Musik
Foto: Günther Egger

Das „Tirol Concerto“ war viele Jahre die Musik zu einem Tirol-Film mit fantastischen Naturaufnahmen. Gehen Sie selbst auch gerne in die Natur und auf die Berge?

Meine erste Fahrt auf die Nordkette ist mir noch in lebendiger Erinnerung – es war an einem eiskalten Dezembertag und ich konnte es nicht glauben, in welch kurzer Zeit man vom Stadtzentrum hinauf in hochalpine Umgebung gelangt. Das Panorama erschien mir wie gemalt, und ich bin mehr als dankbar, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, regelmäßig in diese wunderbare Natur eintauchen zu können.

TSOI, Foto: Thomas Schrott

„Wie gemalt“: Bergpanorama mit Symphonieorchester
Foto: Thomas Schrott

Und welche Pläne haben Sie für das Tiroler Symphonieorchester?

Ich habe in meiner Zeit hier schon bisher versucht, ganz unterschiedliche Programme zu finden, mit verschiedenem Repertoire, mit verschiedenen Solisten und Dirigenten. Das ist auch der Plan für die Zukunft: Neues zu finden.

Vielen Dank für das Gespräch.

aktualisiert am: 30.10.2020

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck

Chefdirigent Kerem Hasan
Haus der Musik, Foto: Shoot and Style

Haus der Musik, Foto: Shoot and Style

Haus der Musik
Rennweg 2
6020 Innsbruck
Tel. +43.512.52074-172

Kartenbüro des Tiroler Landestheaters
Tel. +43.512.52074-4
kassa@landestheater.at

www.tsoi.at
Haus der Musik

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