Maximilian Totenbildnis
Unter dem Schutz der „Schwarzen Mander“

Der Kaiser als Büsser

Am 12. Januar 2019 jährt sich zum 500. Mal der Todestag von Kaiser Maximilian I. Der beugte schon zu Lebzeiten dem Vergessen vor. Text: Esther Pirchner
Titelbild: Tiroler Landesmuseen, Alexander Haiden

Der Tod, ein ständiger Begleiter

„Am Leib und Gesund ganz baufällig“ – so schildert eine zeitgenössische Quelle Kaiser Maximilian I. (1459–1519) vier Monate vor seinem Tod. Dabei hatte sich der Habsburger lange Zeit bester Gesundheit erfreut, hielt sich mit Sport, Jagd und Turnieren fit und interessierte sich für Medizin, wie Sabine Weiss in „Maximilian I. Habsburgs faszinierender Kaiser“ schreibt. Selbstverständlich beschäftigte er berühmte Leibärzte, glaubte aber dennoch – wie im autobiografischen Werk „Weißkunig“ nachzulesen ist – selbst am besten zu wissen, wie er sich im Falle einer Erkrankung kurieren konnte. Mit dem Tod sahen er und seine Familie sich trotzdem oft konfrontiert: Seine erste Frau Maria von Burgund stürzte im Alter von 25 Jahren 1482 so unglücklich vom Pferd, dass sie ihren Verletzungen erlag, sein Sohn Philipp I. starb 1506 als 28-Jähriger am Fieber, seine Tochter Margarethe war 1504 mit 24 Jahren bereits zwei Mal verwitwet. In langwierigen Kriegen muss der Tod wohl auch ein ständiger Begleiter des Kaisers gewesen sein, der als „letzter Ritter“ selbst auf den Schlachtfeldern kämpfte. Kein Wunder, dass er, der nicht von einem Ort aus regierte, sondern in seinem Reich ständig von einem Ort zum anderen reiste, lange Zeit einen Sarg für sich mitführte …

Steuben Juana la Loca

Das tragische Schicksal von Maximilians I. Sohn Philipp, der mit 28 Jahren starb, und dessen Witwe Johanna, genannt die Wahnsinnige, beschäftigte Künstler jahrhundertelang. 1836 malte Carl von Steuben „Juana la Loca“.
Foto: Wikimedia Commons

Wider das Vergessen

Zuvor traf er aber ganz andere Vorkehrungen für den Fall seines Todes. Maximilian war ein Meister der PR in eigener Sache – ein echter Humanist, der nicht nur im Jenseits bedankt sein, sondern Spuren auf der Welt hinterlassen wollte. Kunst und Wissenschaft stellte er in seinen Dienst und präsentierte sich als edler Ritter und weiser Herrscher über ein Reich, das er durch geschickte Heiratspolitik beständig zu vergrößern wusste. Zahlreiche Bauwerke, Denkmäler, Gemälde und Bücher sind erhalten und erinnern an ihn. Wen wundert es da, dass er auch über den Tod hinaus vorsorgte und sich seine Begräbnisstätte, seine Beerdigung und das „gedächtnus“ der Nachwelt genau ausmalte?

wann ain mensch stirbt, so volgen Ime nichts nach dann seine werckh. […] Wer Ime in seinem leben kain gedachtnus macht der hat nach seinem todt kain gedächtnus und desselben menschen wird mit dem glockendon vergessen.

Kaiser Maximilian I., Der Weiß Kunig, hg. nach dem Manuskript, 1775

Innsbruck, nicht Falkenstein

Dem Bemühen Maximilians I., nicht „mit dem glockendon vergessen“ zu werden, verdankt Innsbruck eine seiner wertvollsten Sehenswürdigkeiten: das Grabmal in der Innsbrucker Hofkirche, die nach den überlebensgroßen Bronzestatuen auch Schwarzmanderkirche genannt wird. Dabei hatte Maximilian I. als Aufstellungsort wohl eigentlich den Falkenstein über dem Wolfgangsee vorgesehen, was der Salzburger Erzbischof, der sich um seine Besitztümer sorgte, ihm jedoch 1518 erfolgreich ausreden konnte.

Maria von Burgund

Maximilian ließ auch seine beiden Frauen vielfach verewigen: Maria von Burgund, hier in einem Bildnis von Michael Pacher, starb schon mit 25 Jahren bei einem Reitunfall.

Bianca Maria Sforza

Seine zweite Frau Bianca Maria Sforza heiratete Maximilian wegen ihrer Mitgift. Zu ihrem Begräbnis reiste er nicht an.
Bild: Ambrogio de Predis 

Langwierige Entstehung

Die ersten Entwürfe und Umsetzungen der ursprünglich geplanten vierzig und später verwirklichten 28 Statuen – allesamt Familienmitglieder Maximilians oder tatsächliche und legendäre Vorgänger – entstanden bereits 1502. Neben diesen großen Figuren sollte es 128 kleinere Kaiser- und Heiligenfiguren geben, von denen schließlich 23 gegossen wurden. Unter anderem arbeiteten international so bedeutende Künstler wie der Münchner Maler Gilg Sesselschreiber oder die Nürnberger Rotschmiede (Gießer) Stefan Godl und Peter Vischer d. Ä. an dem Monument. Die Fertigstellung des Grabmals erlebte der Kaiser, obwohl er erst 17 Jahre nach dem Beginn der Arbeiten starb, jedoch nicht mehr. Erst seinem Enkel Ferdinand I. und seinem Urenkel Ferdinand II. gelang 1584 die Vollendung der Gedenkstätte und die Errichtung der eigens dafür geplanten Hofkirche in Innsbruck. Wer heute durch diesen prächtigen Kirchenraum schreitet, wird feststellen, dass Ferdinand I. nicht nur Maximilians I. Pläne für die Figuren möglichst getreu verwirklichen ließ, sondern auch ein Hochgrab aus Marmor in Auftrag gab, das mit 24 Reliefs von Bernhard und Arnold Abel zu Maximilians I. Taten geschmückt und auf dem der Kaiser kniend in Bronze dargestellt ist – eine Figur, die übrigens erst 1582 fertiggestellt wurde.

Maximilian Grabmal Haiden
Maximilian Bronzestatue
Maximilian Grabmal Vorhofer

28 „Schwarze Mander“ und Frauen geben dem Kaiser das letzte Geleit. Als eine der letzten Statuen wurde 1582, 63 Jahre nach Maximilians I. Tod, die Statue auf dem leeren Grab fertiggestellt, die den Kaiser als gottesfürchtigen Mann, kniend im ewigen Gebet zeigt.
Fotos: Tiroler Landesmuseen, Alexander Haiden/Hofkirche Innsbruck/Christian Vorhofer

Drastische Behandlung

Ganz im Gegensatz zum Prunk des geplanten Grabmals wollte Maximilian I. selbst als einfacher Büßer vor den Herrn treten. Testamentarisch verfügte er die Errichtung von Spitälern – wie Armen- und Pflegeheime in der damaligen Zeit genannt wurden – in mehreren Städten des Reiches, mitsamt Regeln für Kleidung und Ernährung. Messen zu seinem Gedenken sollten dort gelesen und Statuen des Kaisers aufgestellt werden. Auch Kirchenbauten verfügte er und wie mit seinem Leichnam umgegangen werden sollte. Anstatt ihn einzubalsamieren, sollte er mit Kalk und Asche bestreut werden, ihm die Haare abgeschnitten, die Zähne ausgebrochen und der tote Körper gegeißelt werden – eine wahrhaft drastische Behandlung, um das Seelenheil Maximilians I. zu sichern.

Totenbildnis Maximilian I.

Ein unbekannter Künstler malte den Kaiser auf dem Totenbett. Maximilian I. hatte verfügt, dass man seinem Leichnam die Haare scheren sollte, die Zähne ausbrechen und ihn geißeln sollte.
Foto (Detail): Wikipedia

Das Kenotaph, ein leeres Grabmal

Dass man diesen Wünschen des Kaisers nachkam, als er am 12. Januar 1519 an den Folgen von Schlaganfällen und gezeichnet von der Syphilis in Wels starb, zeigt die Darstellung des Leichnams durch einen unbekannten Künstler. Beerdigt wurde er auf eigenen Wunsch in Wiener Neustadt, nachdem er zuerst in Wels, dann in Wien aufgebahrt gewesen war. Für das monumentale Grabmal war dort kein geeigneter Platz zu finden, weshalb es in Innsbruck aufgestellt wurde. So ist heute Maximilians I. Grabstätte in Innsbruck ein Kenotaph, ein leeres Grabmal, aber immerhin beschützt von den Statuen und bestaunt von zahllosen Besuchern, die das „gedächtnus“ des Kaisers aufrechterhalten.

Tipps zum Lesen und Hören

Sabine Weiss Maximilian I.

Sabine Weiss
Maximilian I. Habsburgs faszinierender Kaiser
Innsbruck 2018
400 Seiten
294 farb. und 14 sw. Abb.
€ 39,95

Zum Lesen
Die Historikerin Sabine Weiss, eine der Koryphäen der österreichischen Geschichte, hat die umfangreichste Publikation zum Maximilianjahr 2019 vorgelegt. Akribische Recherche und eine reiche Bebilderung machen „Maximilian I. Habsburgs faszinierender Kaiser“ zu einer unschätzbaren Quelle rund um den Kaiser und seine Zeit.

Zum Hören
Im Rahmen des Maximilian-Jahres 2019 findet am 500. Todestag des Kaisers in der Innsbrucker Hofkirche ein Gedächtnisgottesdienst mit Musikbegleitung statt. Wenn am 12. Januar 2019, 10 Uhr, die Messe für ihn gelesen wird, hätte das dem Kaiser wohl gefallen: Er hatte in seinem Testament verfügt, dass an bestimmten Orten in den Hochämtern seiner gedacht werden sollte.

Max 500

Tiroler im Herzen – Europäer im Geiste
Hofkirche

Innsbrucker Hofkirche mit Grabmal Maximilians I.
Foto: Tiroler Landesmuseen, Alexander Haiden

Zahlreiche Konzerte, Führungen, Ausstellungen; Theaterstücke und viele andere Veranstaltungen finden im Gedenkjahr 2019 zum 500. Todestag des Habsburgerkaisers Maximilian I. in ganz Tirol statt.
Das genaue Programm mit allen Terminen und ausführlichen Beschreibungen der einzelnen Events findet sich auf der Website von Max 500. 

www.maximilan2019.tirol
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