Zeena Parkins
Klangspuren Schwaz, 6.–22.9.2019

Klangspuren: Was ist neu?

Mit Reinhard Kager als neuem künstlerischem Leiter öffnen sich die Klangspuren Schwaz 2019 in Richtung Improvisation. Titelfoto: Glenn DiCrocco

Der vierte Mann

Die Klangspuren Schwaz sind seit ihren Anfängen auf zeitgenössische Musik ausgerichtet, wobei jeder ihrer künstlerischen Leiter bisher andere Schwerpunkte setzte. Nach Gründer Thomas Larcher, der inzwischen dem kleinen, exquisiten Kammermusikfestival der Swarovski Kristallwelten Wattens „Musik im Riesen“ Profil verleiht, Peter Paul Kainrath, künstlerischer Leiter von Transart in Bozen, und Matthias Osterwold, der 2019 in Richtung Ruhrtriennale abwanderte, übernahm Musikjournalist Reinhard Kager die Agenden und beschreitet neue Wege mit einer Improvisationsschiene.

Full Blast

Full Blast um Peter Brötzmann (Mitte) sind sonst in Tirol eher bei der Muku St. Johann und artacts beheimatet.

Reminiszenzen an utopische Zeiten

Eines vorweg: Kein Klangspurenfan muss fürchten, auf die gewohnte Programmauswahl aus der Sparte Neue Musik verzichten zu müssen. Die IEMA, die Internationale Ensemble Modern Akademie, besteht ebenso weiter wie Konzerte mit KomponistInnen wie Olga Neuwirth, Elisabeth Schimana oder dem diesjährigen Hauptkomponisten Mark Andre. Auch Pilgerwanderungen wird es wieder geben. Doch unter dem Motto „Risse“, mit dem Kager sein Erstlingsprogramm überschrieben hat, hat auch noch eine ganze neue Klangspuren-Sparte Platz, die Improvisation. Damit knüpft Kager an eine lange Tradition in Tirol an, die vom Innsbrucker Utopia der 1990er-Jahre über das Festival artacts in St. Johann bis zum Kulturlabor Stromboli mit den Konzerten der Agentur Saudade reicht.

Ingrid Laubrock

Ingrid Laubrock, ein Viertel des neu formierten Double Duo Quartet.
Foto: Caroline Mardok

Zeena Parkins als Headliner

Zum einen drückt sich das im Engagement der zweiten künstlerischen Hauptfigur des Festivals aus: Zeena Parkins, US-amerikanische Avantgarde-Harfenistin, ist bei den Klangspuren 2019 am 5. September mit den IEMA Improvisers – auch diese ein Neuzugang im Programm – zu hören, außerdem in ihrer bekannten Rolle als Solistin und im Zusammenspiel mit anderen Improvisatoren. Parkins kennt man aus der New Yorker Szene rund um John Zorn, Fred Frith oder Tom Cora, aber auch Björk und Yoko Ono banden sie in Projekte ein, sie machte Musik für Tanz- und Filmprojekte. Die Harfe bleibt dabei selten „nur“ Harfe, sondern wird mit Spangen, Filz und anderen Materialien präpariert oder auf ungewöhnliche Weise gespielt. Hier findet sich wieder eine Nähe zur zeitgenössischen klassischen Musik, in der Präparierungen von Klavier und anderen Instrumenten keine Seltenheit sind. So passt es gut ins Bild, dass sie am 21. September den dritten von drei Abenden beim Klangspuren-Improvisationsschwerpunkt bestreitet – zuerst mit der Komposition Captiva und einer Soloimprovisation, dann im sogenannten Double Duo Quartet mit William Winant (Precussion), Ingrid Laubrock (Sopran- und Tenorsaxophon) und Tom Rainey (Schlagzeug und Percussion).

Viel Musik auf Tirols weiter Flur

Die anderen beiden Improvisationsabende lassen hoffen, dass das Festival artacts und die Musik Kultur St. Johann, die dieses veranstaltet, nicht mehr allein auf weiter Tiroler Flur sind, wenn es darum geht, die virtuosen freien Geister zu Auftritten einzuladen.

Am 19. September 2019 treten zuerst Hoverload – Katharina Klement (Klavier und Elektronik) und Martin Siewert (Gitarre, Steel-Gitarre und Elektronik) auf, anschließend das Regenorchester XII, in dem Franz Hautzinger (Trompete), Otomo Yoshihide (Gitarre, Turntables und Elektronik), Christian Fennesz (Gitarre und Elektronik), Luc Ex (E-Bass) und Tony Buck (Schlagzeug) miteinander auftreten. 

Siewert

Katharina Klement, Martin Siewert
Foto: Rania Moslam

Peter Brötzmann und Full Blast

Am 20. September 2019 ist schließlich nach einem weiteren Auftritt von Otomo Yoshihide u. a. mit Martin Brandlmayr, dem Schlagzeuger von Elektroguzzi einer der ganz großen alten Improvisatoren zu Gast: Saxophonist Peter Brötzmann, der im Trio Full Blast mit Marino Pliakas (E-Bass) und Michael Wertmüller (Schlagzeug) auftritt. Insgesamt ist damit ein Anfang gemacht, um die Improvisation als zweites Standbein der Klangspuren Schwaz neben der komponierten Neuen Musik zu etablieren.

Klangspuren Schwaz, Improvisation

6.–22.9.2019, mit Zeena Parkins (Harfe)
Zeena Parkins

Zeena Parkins

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Andreas-Hofer-Str. 10
6130 Schwaz
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Tel. 0043524273582
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www.klangspuren.at
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