Theuerdank
Wei sraum. Designforum: 25.9.–31.10.2019

Schriftbild: Theuerdank

Für sein Buch „Theuerdank“ ließ Maximilian I. eine Schrift entwickeln –daran knüpft die Schau „Breaking Types“ im Innsbrucker Wei sraum bis 31.10.2019 an. Fotos: Thomas Mühlberger

Von einer Schrift und ihrer Wirkung

Zwei große Lettern begrüßen Besucher des Wei sraum. Designforum Tirol schon vor dem Eingang zum Stöcklgebäude in der Innsbrucker Andreas-Hofer-Straße: ein kleines und ein großes A, begleitet von zwei Tafeln, die ersten beiden „Stationen der Schriftgeschichte“ auf einem Weg von den römischen Großbuchstaben bis hin zu den Schrifttypen des digitalen Zeitalters. Überhaupt lenkt die Ausstellung „Breaking Types. Medienkaiser Maximilian und die Schrift“ den Blick auf ein wesentliches, aber oft übersehenes Element der Kommunikation: die Schrift und ihre Gestaltung. Sie geht davon aus, dass Kaiser Maximilian I. (1459–1519) sich stets der neuesten Mittel der Kommunikation und Werbung bediente. Er verfasste mehrere Bücher, wobei nur eines noch zu Lebzeiten erschien. Das Versepos „Theuerdank“, die heroisch überhöhte Brautfahrt von Maximilians I. Alter Ego Theuerdank, ist nicht nur wegen der prächtigen Bilder eindrucksvoll, sondern auch wegen der eigens dafür entworfenen gebrochenen Schrift, die denselben Namen erhielt und die bis heute in vielfältiger Form nachwirkt.

breaking types

Beispiele für zeitgenössische Verwendungen von Frakturschriften

Spuren in die Jetztzeit

Die an Maximilians I. literarischem Werk in vielfältiger Weise beteiligten Personen – jene, die Texte und Bilder erstellten, die Schrift „Theuerdank“ entwarfen, das Buch gestalteten und druckten – erhalten also nicht von ungefähr eine zentrale Rolle in der Ausstellung „Breaking Types“, die noch bis 31. Oktober 2019 geöffnet ist. Sie werden als Künstler vorgestellt und in den Kontext ihrer Zeit gerückt. Die geistige Welt des 15. und 16. Jahrhunderts, in der ein solches Werk entstehen konnte, ihre Protagonisten und wissenschaftlichen Errungenschaften erhalten breiten Raum. Zugleich verfolgt die Ausstellung jene Spuren, die die Schrift und ihre vielfältigen Variationen bis in die heutige Zeit hinterlassen haben. Auf einem Tisch im Hauptraum zeugen die unterschiedlichsten Beispiele – Zeitungen, Bücher, Schallplattencover etc. – davon, in welch großer Bandbreite diese Schriften bis heute in Verwendung sind. Sie lenkt den Blick auch auf andere „alte“ Schriften und fordert dazu auf, sie auf Lesbarkeit zu überprüfen. Doch es geht um weit mehr als um Lesbarkeit …

Es gibt keine andere visuelle Ressource, die von so vielen Menschen konsumiert und benutzt wird und doch so fremd ist.

Jürgen Siebert, die unbekannte Geliebte

„Typisch deutsches“ Design?

Das Zitat von Jürgen Siebert empfängt Besucher im Foyer des Wei sraum über einer Wand mit markanten Beispielen für die Verwendung von Schrift als hervorstechendes Merkmal. Es verweist darauf, dass Schrift zwar oft „übersehen“ wird, aber trotzdem eine bedeutende Rolle spielt bei der Vermittlung von Inhalten und Werten. Wie die politische Bedeutung der Schrift in „Breaking Types“ herausgearbeitet ist, zählt zu den interessantesten Aspekten der Ausstellung. Für Maximilian I. war die Frakturschrift Teil eines umfassenden Medienauftritts – heute würde man wohl von Corporate Design sprechen – und damit ein Mittel zur Macht. Später diente sie der Reformation, um nicht nur sprachlich mit der Luther-Übersetzung der Bibel, sondern auch formal einen Gegenpol zur lateinischen Bibel zu setzen. Sie war Ausdruck des deutschen Widerstands gegen Napoleon und der deutschen Einigung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erhielt so die Aura eines „typisch deutschen“ Designs. Dass sie schließlich im Nationalsozialismus für etliche Jahre Amtsschrift war, verschaffte ihr einen schlechten Ruf, der viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch anhielt. Erst mit der Zeit konnte sie dieses Image ablegen und wird nun wieder selbstverständlicher verwendet – wie sehr, das zeigen Beispiele wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Le Monde oder die Tiroler Tageszeitung. Sie bedienen sich in ihren Zeitungsköpfen verschiedener Frakturschriften und belegen so, die große Bandbreite, die diese Schriften haben.

Breaking Types. Medienkaiser Maximilian und die Schrift

25. September – 31. Oktober 2019

Öffnungszeiten:
Di 14–20 Uhr, Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr

Begleitveranstaltungen:
Di. 01.10. Typoabend: Passt wie angegossen – Custom Fonts
Mi 9.10. Typowalk durch Innsbruck: Schriftgeschichte, leicht gekürzt
Fr. 11.10. Workshop: Experiment Fraktur
Mi. 16.10. GrafiKIDS-Workshop: Der Kaiser hat gesprayt!

Wei sraum. Designforum Tirol
Andreas-Hofer-Straße 27A
6020 Innsbruck
Tel. 0043 664 1864755
info@weissraum.at

www.weissraum.at
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