„Manchmal sind Wanderer da, die kommen auf dem neuen Wanderweg vorbei. Das ist ganz spannend. Die Leute teilen sich meistens in zwei bis drei Gruppen. Die ersten brauche ich kaum beachten, die erschrecken, wenn ich sie grüße. Die wollen die Schnellsten bleiben.

Die zweite Gruppe ist interessanter, da sind Leute dabei, die schauen auch links und rechts. Wenn ich gerade da bin und sie grüße, merke ich gleich, wenn sie reden wollen. Viele sind interessiert, die wollen schauen, was ich mache. Ich bin ja auch in dem Folder ein bisschen erwähnt, da steht, dass ich schreibe, sie haben mich als ‚Almliterat’ bezeichnet. Wenn die Leute dann die alte Hütte und das Feuer sehen, höre ich oft: Das brennt ja ab! Aber da hat es jetzt 200 Jahre an nichts gefehlt, es wird schon nicht genau jetzt anfangen, oder? Wenn sie jetzt noch den ganzen Käse sehen, heißt es: Mensch, Sie haben so viel Käse! Und wir haben keinen. ‚Du’ heißt das, sag ich dann. Ja, so ist es, die einen haben viel, die anderen haben nichts.

Ich lebe hier oben einfach, aber nicht schlecht. Und ich bin zufrieden. So wie ich arbeite, das gibt’s eh kaum mehr. Oft werde ich gefragt: ‚Sepp, die alte Hütte, warum reißt du die nicht ab? Bau was Neues und bekomm auch noch einen Haufen Förderung.‘ Nein. Ich finde, das sollen andere machen. Ich bewahre das Alte.“

 

Sepp Kahn, Almliterat

 

Seit 28 Jahren bewirtschaftet Sepp Kahn jeden Sommer die Untere Lärchenbergalm. Ab und zu – wenn „die richtige Gruppe beieinander ist“ – liest Kahn, der nicht nur Senner, sondern auch Schriftsteller ist, seinen Gästen auch aus seinen Büchern vor. Seinen Käse tauscht er übrigens, wenn er reif ist, auch gegen Geld.

 
Westendorf
Untere Lärchenbergalm in den Kitzbüheler Alpen, © Tirol Werbung/Lisa Hörterer
Sepp Kahn, Almliterat, © Tirol Werbung/Lisa Hörterer
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