Blog
Kategorien
Kaspressknödel, © Tirol Werbung / Rodler Ilvy
Essen & Trinken
ROLF Spectacles, © Tirol Werbung / Hörterer Lisa
Unternehmen
Sepp Kahn, Almliterat, © Bert Heinzelmeier
Menschen
Bergisel, © Tirol Werbung / Schreyer David
Architektur
Imster Schemenlaufen, © Tirol Werbung / Aichner Bernhard
Kulturleben
Swarovski Kristallwelten, © Tirol Werbung / Moore Casey
Empfehlungen
Tee, © Tirol Werbung / Haindl Ramon
Wohlfühlen
Frühling in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung / Webhofer Mario
Natur
Kinder am Fluss, © Tirol Werbung / Herbig Hans
Familie
Olperer Hütte, © Tirol Werbung / Schwarz Jens
Krimskrams
Great Trail , © Tirol Werbung / Neusser Peter
Sport
meinTirol Magazin - Ausgabe #2 Winter 2021
Magazin
Jagdhausalmen im Osttiroler Defereggental. Foto: Tirol Werbung.
Serien
Esther

Burgruine Thaur: Wie man eine Burg ausgräbt

Aktualisiert am 04.11.2021 in Kulturleben, Fotos: Target Group, Axel Springer

Blick nach Westen Richtung Torturm.
Blick nach Westen Richtung Torturm.

Jahrhundertelang war die Burgruine Thaur unter Dickicht und Wald verborgen. Dann holte der Verein Chronos Thaur sie wieder ans Licht – und legte damit den Grundstein für das Museum „rundum thaur“.

Versteckt unter wucherndem Grün

Ein markanter Mauerbogen, eine hohe Wand und reichlich Wald bis zum Romediuskirchl – mehr war von der Burgruine Thaur bis knapp nach der Jahrtausendwende nicht zu sehen. Erst 2003 legte der Verein Chronos Thaur zwischen Gestrüpp und alten Absperrungen die ersten Teile der hoch über dem Inntal gelegenen Thaurer Burg frei – und dann Sommer für Sommer ein weiteres Stück. Dazu waren nicht nur etliche Helfer:innen nötig, es brauchte auch viel historisches Wissen und Fingerspitzengefühl. Beides brachten Künstler Franz Brunner und Gemeinderat Joe Bertsch mit ein. Zwölf Sommer lang trug die Gruppe Pflanzen und Erde ab und sicherte das Vorhandene. In Absprache mit dem Landeskonservator nahmen sie auch Ergänzungen vor, wobei ein Rücksprung der Mauern um 5 cm oder eine Linie aus Dachziegeln Neues vom Alten trennt.

Blick von der Vorburg aus.
Blick von der Vorburg aus.

Um Altes von Neuem zu unterscheiden, wurden feine Linien aus Ziegeln eingefügt oder die Mauern um 5 cm zurückversetzt.
Um Altes von Neuem zu unterscheiden, wurden feine Linien aus Ziegeln eingefügt oder die Mauern um 5 cm zurückversetzt.

Die wiederentdeckte Burg

Dann war die Ruine wieder in vollem Umfang sichtbar, ein erstaunlich großes Areal, das nun vom Mauerbogen bis zum Romediuskirchl reicht. Schon auf den ersten Blick ist es beeindruckend, noch mehr, wenn einem Joe Bertsch das weniger Offensichtliche bei einem Rundgang erklärt: Er weist auf Bögen hin, die nicht wieder aufgebaut und deren Steine danebengelegt wurden, zeigt, welche Ziegel einem Frosttest besonders gut standhielten, und erzählt von der schwierigen Suche nach passenden Steinen. Denn die Originalsteine wurden über die Jahrhunderte davongetragen, in neuen Häusern verbaut und verschwanden unter Putz.

Die Barbakane stammt aus einer Zeit, als Mauern verputzt wurden und daher weniger schön gemauert wurden als in früheren Jahrhunderten.
Die Barbakane stammt aus einer Zeit, als Mauern verputzt wurden und daher weniger schön gemauert wurden als in früheren Jahrhunderten.

Der Torbogen wurde zwar nicht rekonstruiert, die gefundenen Steine aber neben dem Osttor hingelegt.
Der Torbogen wurde zwar nicht rekonstruiert, die gefundenen Steine aber neben dem Osttor hingelegt.

Funde über Funde

Auf dem Burghügel und in der Umgebung fanden sich beim Graben aber nicht nur die Reste der Burg, sondern auch zahlreiche Hinterlassenschaften früherer Gesellschaften. Tonscherben und Metallobjekte, Schmuck und Pfeilspitzen aus vorhistorischer Zeit gehören dazu, Funde aus der Zeit der Römer und der Völkerwanderung. Unerwartet war die Entdeckung einer spätantiken Höhensiedlung, die anhand von Mauerwerk, einer Goldmünze sowie Skeletten und dem dazugehörigen Friedhof in das 4. bis 8. Jahrhundert datiert werden konnte. So fügte sich Stück um Stück zum Bild dieses über die Epochen hinweg immer wieder besiedelten Ortes.

Was mag das sein? Oft setzte angesichts des Gefundenen das große Rätselraten ein.
Was mag das sein? Oft setzte angesichts des Gefundenen das große Rätselraten ein.

Keramik und Metall: Scherben, Schlüssel und Schloss sind nur einige Fundstücke aus Burg und Umgebung
Keramik und Metall: Scherben, Schlüssel und Schloss sind nur einige Fundstücke aus Burg und Umgebung

Ein Museum muss her!

Der Reichtum an Fundstücken verlangte geradezu danach, dass vor Ort ein Museum eingerichtet wurde. Entstanden ist es 2018, als an der Stelle eines abgebrannten Bauernhofs der Romediwirt gebaut und im oberen Stock Platz für eine kulturelle Nutzung geschaffen wurde. Im „rundum thaur“ und in der Burgruine selbst kann man seither live und mittels Locandy-App nun tief in die Geschichte eintauchen und anhand der Exponate eine Vorstellung davon gewinnen, wie die Menschen in früheren Jahrhunderten gelebt haben. Dazu kam 2019 das künstlerische Ausgrabungsprojekt LVISE des Wiener Künstlers Reinhard Prohaska, das dem Museum im Jahr darauf den Museumspreis des Landes Tirol bescherte.

Knappe Kunibert geleitet mittels App durch die Burganlage.
Knappe Kunibert geleitet mittels App durch die Burganlage.

Nicht nur deshalb haben sich Romediwirt, rundum thaur und die Burg selbst zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Kinder berichten ihren Eltern, was sie bei Führungen gelernt haben, durstige Wanderer lassen sich im Gastgarten nieder und finden anschließend Zeit, die Ausstellungsräume zu besichtigen, andere suchen sich ihren persönlichen Platz auf der Burg, um auszuruhen und den Blick ins Tal schweifen zu lassen. So ist aus einem verwunschenen wieder ein lebendiger Ort geworden, den es zu besuchen lohnt.

In Vitrinen im Ausstellungsraum liegen Schmuck und Glasobjekte, Werkzeuge und – als besonders auffallendes Exponat – eine Brigantine, ein leichtes Panzerhemd aus Leder und Metall.
In Vitrinen im Ausstellungsraum liegen Schmuck und Glasobjekte, Werkzeuge und – als besonders auffallendes Exponat – eine Brigantine, ein leichtes Panzerhemd aus Leder und Metall.

Gefäß mit Kreuzschraffur im "rundum thaur".
Gefäß mit Kreuzschraffur im "rundum thaur".

Wie es weitergeht …

Auch Joe Bertsch und Franz Brunner kommen immer wieder hier herauf an den Ort, an dem sie zwölf Sommer lang gegraben, geforscht und gebaut haben. Trotzdem ist die Zeit nicht nur eine Erinnerung, sondern war auch der Ausgangspunkt für etwas Neues: Joe Bertsch fasst sein Wissen um die Burg in wissenschaftliche Artikel, Franz Brunner ist als Spezialist für die Rekonstruktion von Steinen regelmäßig an Ausgrabungsstätten wie Aguntum und dem Magdalensberg beschäftigt. So bringen sie auch heute noch Geschichte ans Licht.

Blick in die Geschichte: Historische Abbildung der Burg Thaur
Blick in die Geschichte: Historische Abbildung der Burg Thaur

Burgruine Thaur und rundum thaur

ganzjährig geöffnet

oberhalb von Thaur
6065 Thaur
rundum thaur, tägl. 9–17 Uhr
Eintritt frei

www.ruinethaur.at

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  - aber vor allem begeistert - mit Musik und Kultur.

Esther
Letzte Artikel von Esther Pirchner
Bernadette Abendstein und Hakon Hirzenberger bringen die große Theaterwelt ins Zillertal
, © Bert Heinzlmeier
Aktualisiert vor 12 Tagen in Kulturleben
So ein Theater! 7 kleine, aber feine Bühnen in Tirol
3 Min Lesezeit
Titelfoto
Aktualisiert am 10.11.2021 in Kulturleben
Lesetipps in 7 Kapiteln: Bücher aus und über Tirol
4 Min Lesezeit
Ina Hsu, Foto: Petra Rautenstrauch
Aktualisiert am 27.08.2021 in Kulturleben
Ina Hsu - Die Tiroler Malerin im Porträt
3 Min Lesezeit
Ingenieur und Komponist Robert Henke hat die Musik-Software "Ableton Live" miterfunden und beschäftigt sich mit Rhythmen, Licht und bewegten Installationen.
, © Heart of Noise
Aktualisiert am 25.08.2021 in Kulturleben
DJs, VJs und die Avantgarde: Heart of Noise
2 Min Lesezeit
Leokino-Leinwand
Aktualisiert am 11.08.2021 in Kulturleben
Kino ist ein unschlagbares Produkt
3 Min Lesezeit
Rebekka Ruetz, Foto: Gerhard Berger
Aktualisiert am 26.07.2021 in Kulturleben
Rebekka Ruetz im Interview: Die Modemacherin
6 Min Lesezeit
„Focus on the good“: Was Tina Hötzendorfer selbst gelingt, gibt sie auch an andere weiter.
Aktualisiert am 18.07.2021 in Kulturleben
Tina Hötzendorfer: Mit feinem Strich und Inspiration
4 Min Lesezeit
75 Plätze bietet das Kellertheater.
Aktualisiert am 17.07.2021 in Kulturleben
Kleine Bühne, großes Theater
3 Min Lesezeit
Defregger Portraits, Foto: Wolfgang Lackner
Aktualisiert am 12.02.2021 in Kulturleben
Defregger, der Unbekannte
3 Min Lesezeit
Wunder Markovics Epo Film
Aktualisiert am 05.01.2021 in Kulturleben
Das Wunder von Wörgl
3 Min Lesezeit
Der Tiroler Karl-Heinz Schütz ist Soloflötist bei den Wiener Philharmonikern.
, © Claudia Prieler
Aktualisiert am 31.12.2020 in Kulturleben
Musik für Millionen zum Jahreswechsel
5 Min Lesezeit
Nach einem zeitgenössischen Porträt entstand dieser Stich. Foto: Wikimedia Commons, Schlesier
Aktualisiert am 10.09.2020 in Kulturleben
Barbara Hundegger: Wort-Landschaften
5 Min Lesezeit
Maximilian I Landsknechte
Aktualisiert am 08.07.2020 in Kulturleben
Dauerausstellung: Maximilian1 - Aufbruch in die Neuzeit
3 Min Lesezeit
Weihnachten in Tirol
Aktualisiert am 30.04.2018 in Kulturleben
Weihnachten in Tirol
4 Min Lesezeit
Alle Artikel von Esther Pirchner
Keine Kommentare verfügbar
Kommentar verfassen

Einfach weiterlesen

nach oben

Wenn Sie uns Ihre Email-Adresse verraten...

...verraten wir Ihnen im wöchentlichen Newsletter die besten Urlaubstipps aus Tirol!