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Von versteinerten Riesen, Königen und Ungeheuern. Tiroler Sagen erzählen.

Aktualisiert am 16.04.2019 in Kulturleben

Der Hintersteinersee von der Steiner Hochalm aus gesehen.
Foto: Tirol Werbung/Michael Rathmayr
Der Hintersteinersee von der Steiner Hochalm aus gesehen. Foto: Tirol Werbung/Michael Rathmayr

Tiroler Sagen sind alte Geschichten über wundersame Ereignisse und ungewöhnliche Begegnungen in Tirol, übertragen von Generation zu Generation. Die Geschichten sollen sich genauso zugetragen haben. Ob ein wahrer Kern dabei ist oder nicht, kann keiner wissen. Manche Zeugnisse aus dieser Zeit sprechen dafür. Ein paar meiner Lieblingssagen möchte ich euch hier vorstellen.

Frau Hitt

Diesen Gipfel auf der Nordkette kennt jeder, ist er doch ein Innsbrucker Wahrzeichen. Glaubt man der gleichnamigen Sage, handelt es sich um eine versteinerte Frau auf ihrem Pferd. Die Riesenkönigin soll vor vielen Jahren über das Land geherrscht haben, kaltherzig und selbstverliebt gewesen sein. Es gibt verschiedene Versionen, warum die Unglückliche zum Felsen wurde. Am weitesten verbreitet ist die Annahme, dass sie einer Bettlerin anstelle von Brot ein Stück Stein zum Essen gegeben haben soll. Der Fluch der Bettlerin als Reaktion auf ihre Tat soll die Königin samt Pferd auf ewige Zeiten in einen Stein verwandelt haben.

Ein Gipfel oder eine Riesenkönigin auf ihrem Pferd? Foto: www.almenrausch.atEin Gipfel oder eine Riesenkönigin auf ihrem Pferd? Foto: www.almenrausch.at

Riese Serles

Vor langer Zeit soll es den Riesen Serles im Stubaital gegeben haben. Seine Leidenschaft war das Jagen, allerdings auf eine sehr grausame Art. Er hatte Hunde, die nicht nur Wild, sondern auch wehrlose Schafe rissen. Eines Tages erschoss ein junger Schafhirte einen der Hunde des Riesenkönigs, nachdem dieser ein trächtiges Schaf getötet hatte. Der enorme Zorn des Riesens war dem Hirten somit gewiss. Er hetzte die Hunde auf den wehrlosen Hirten, die ihn ebenso zerfleischten wie seine Schafe. Das blieb nicht ohne Folgen, ein gewaltiges Unwetter zog ins Land, welches stundenlang wütete. Als die Sonne sich wieder zeigte, war aus dem Riesen und seinem Gefolge ein Berg geworden. Man sieht König Serles in der Mitte, zu seiner Rechten seine Frau und zu seiner Linken seinen Berater. In Nächten großen Niederschlags soll bis heute das Heulen und Kläffen von Hunden zu hören sein.

Ein Berg oder der Riesenkönig Serles mit seinem Gefolge? Foto: Tirol Werbung/Bernhard AichnerEin Berg oder der Riesenkönig Serles mit seinem Gefolge? Foto: Tirol Werbung/Bernhard Aichner

Der Achensee

Eine reiche Ortschaft soll dort gestanden haben, wo heute der Achensee liegt. Die Bewohner sollen stolz und ohne Mitleid für arme Menschen gewesen sein. Als eines Tages ein fremder, uralter Mann von Haus zu Haus ging, um Essen und eine Unterkunft zu erbeten, wurde er verspottet und verjagt. Der Alte ging bergwärts Richtung Oberautal bis zur Höhe des Fonsjochs und verfluchte das Dorf. Gewaltige Regenschauer und Sturzbäche ließen das Dorf in den Fluten für immer versinken. Der Alte legte sich zum Schlafen nieder, wo er heute noch schlafen soll. Jedes Frühjahr streckt und reckt er sich im Schlaf, was manchmal Lawinen verursachen soll. Sonntagskinder reines Herzens sollen an klaren Tagen die Kirchturmspitze des versunkenen Dorfes im See erkennen.

Wer kann die Kirchenspitze erkennen? Foto: Tirol Werbung/Lisa HörtererWer kann die Kirchenspitze erkennen? Foto: Tirol Werbung/Lisa Hörterer

Kaiser Max

Kaiser Maximlian I. war ein begeisterter Jäger und fröhnte seiner Leidenschaft besonders gerne in den Tiroler Wäldern. Bei der Martinswand in Zirl soll er eine Gemse in felsiges Gelände verfolgt haben, bis er weder vor noch zurück konnte. Da erschien ihm plötzlich ein Engel in Gestalt eines Bauern und geleitete ihm den Weg aus dieser prekären Lage und somit in sicheres Gebiet. Als er sich bedanken wollte, war der Bursche verschwunden. Heute erinnert ein Kreuz in der Kaiser-Max-Grotte an diese besondere Rettung.

Heute für jeden leicht zu erreichen und auch wieder zu verlassen: die Kaiser-Max-Grotte in Zirl. Foto: www.almenrausch.atHeute für jeden leicht zu erreichen und auch wieder zu verlassen: die Kaiser-Max-Grotte in Zirl. Foto: www.almenrausch.at

Berglsteinersee

Vor langer Zeit stand in der Nähe des Berglsteinersees zwischen Kramsach und Breitenbach am Inn das Schloss Guckenbühl. Die Tochter des Schlossherrens, wohl behütet und sehr geliebt von ihrem Vater, verliebte sich eines Tages in einen jungen Jäger aus einem ärmlichen Elternhaus. Da der Jäger die Liebe des Mädchens ebenso sehr erwiderte, hielt dieser beim Schlossherren um die Hand seiner Tochter an. Dieser war erzürnt über die Dreistigkeit des Burschen, in seiner Lage seine geliebte Tochter heiraten zu wollen! Er jagte ihn nicht nur fort, sondern hetzte auch noch seine Hunde auf ihn. Um sich vor den scharfen Hunden zu retten, sprang der junge Jäger in den Berglsteinersee, wo er sich unglücklicherweise an einem Stein stieß und ertrank. Die Tochter des Schlossherren war von diesem Tag an nur mehr traurig. Als sie eines Tages das Gesicht ihres Liebsten auf der Wasseroberfläche des Berglsteinersees spiegeln sah, ging sie zu ihm ins Wasser. Die zwei Felsbrocken, die aus dem Wasser ragen, soll eine Versteinerung der Liebenden sein.

Zwei Liebende auf ewig vereint oder nur zwei Felsbrocken? Foto: Tirol WerbungZwei Liebende auf ewig vereint oder nur zwei Felsbrocken? Foto: Tirol Werbung

Der Riese Haymon

Er war ein Einwanderer aus der Schweiz und lebte im Inntal. Eines Tages tötete der Riese Haymon in einem Zweikampf den Riesen Tyrsus, was ihm sofort danach sehr leid tat. Zur Sühne wollte er ein Kloster am Eingang der Sillschlucht erbauen. Mit zunächst wenig Erfolg, denn sein Bau wurde abends nach getaner Arbeit von einem mächtigen Drachen, der in der Sillschlucht lebte, immer wieder zerstört. Haymon besiegte den Drachen in einem furchtbaren Kampf und schnitt dem Untier die Zunge heraus. Haymon beendete den Bau des Klosters und lebte dort bis zu seinem Tod gottgefällig. Seine Gebeine samt Drachenzunge sollen unter dem Hochaltar der Stiftskirche begraben sein. Links vom Eingang der Stiftskirche Wilten steht die Statue des Riesen Haymons, rechts die von Tyrsus.

Das Stift Wilten in Innsbruck, wirklich vom Riesen Haymon erbaut? Foto: Tirol Werbung/Bernhard AichnerDas Stift Wilten in Innsbruck, wirklich vom Riesen Haymon erbaut? Foto: Tirol Werbung/Bernhard Aichner

 

Quellen:
Daten zur europäischen Ethnologie/Volkskunde: www.sagen.at 
„Die schönsten Sagen aus Tirol“ von Wolfgang Morscher, Berit Mrugalska.
Ein Interview mit Wolfgang Morscher zum spannenden Thema der Sagen findet ihr auf der Kultur Tirol Seite: Buchstäblich Tirol

 

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

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