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Tirolerisch für Anfänger

Aktualisiert am 16.03.2021 in Kulturleben

Kaisergebirge bei Ellmau/Going, Wilder Kaiser zur Regalm, Adlerweg Etappe 01

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass wir Tiroler ein hinterlistiges Bergvolk wären, das sich jodelnd verständigt. Nun ja, hinterlistig glaub ich nicht, vielleicht manchmal etwas stur, dafür umso liebenswerter, wenn man uns erst einmal kennt. Und auch wenn es für den einen oder andern nicht so klingen mag, unterhalten wir uns sehr wohl auf Deutsch miteinander, mehr oder weniger abgewandelt natürlich.

Wenn du zum ersten Mal nach Tirol kommst, ein paar dieser Tiroler Dialektwörter kennst und vielleicht sogar richtig aussprechen kannst, erleichtert das nicht nur die Kommunikation, sondern macht so manch stures Tiroler Herz butterweich. Die Unterschiede der verschiedenen Dialekte in den einzelnen Regionen und Tälern sind recht groß. Ich habe daher Wörter genommen, die in ganz Tirol verstanden werden.

Begrüßung auf Tirolerisch

In Tirol ist man generell schnell per „du“, besonders oberhalb einer Seehöhe von 1.000 Metern.

Grias-di, Griaß-enk, Griaß-eich = Grüße dich, Grüße euch

Pfiat-di, Pfiat-enk, Pfiat-eich = Auf Wiedersehen

Hier werden wir immer internationaler. Auch „Hallo“ und „Hi“ zur Begrüßung werden immer mehr verwendet. Auch „Servus“ hört man hin und wieder. „Ciao“ und das im Stillen verpönte „Tschüss“ kommen häufig in städtischen Gebieten vor. In Geschäften und Restaurants in der Stadt wird man meist in der Höflichkeitsform angesprochen.

Grüß Gott = Guten Tag

Wiederschaun, Pfiat-Gott = Auf Wiedersehen

Wegerklärung auf Tirolerisch

Ich gebe zu, als Ungeübter erfordert das sicherlich einiges an Konzentration, um nicht die Orientierung zu verlieren, die man ja bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gefunden hat.

aui, auffi = hinauf
umi = hinüber
außi = hinaus
oi, ochi = hinunter
arschlings = rückwärts
grodaus = gerade aus
entn = drüben
Bichl = Hügel. Kann für einen Flachländer bereits so hoch wie ein Berg aussehen, deshalb manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar, welchen Weg man nun nehmen soll. Denn Berge sind ja praktisch überall.

Bezeichnungen und Eigenschaften

Schmotzgoggl = äußerst liebevoller Ausdruck für ein zauberhaftes Mädchen. Dieser Ausdruck hat die Wurzeln im Tiroler Brixental.
Bissgurn = Bösartige Frau, immer und überall. Ein Wesenszug sozusagen.
Loamsieder = Zeitgenossen, vor denen man sich hüten sollte. Die sind sowas von langsam und langweilig. Gähn!
Lota, Weibetz = Mann, Frau. Sollte man wissen, denn es könnte auf WC-Türen in traditionsbewussten Almhütten stehen.
Lugntschippl = Person, der man einfach nicht glauben kann, weil sie immer und überall die Unwahrheit spricht. Zumindest geht man von vorhinein davon aus, weil sie schon mehrmals der Lüge überführt wurde. Oder ihre Geschichten einfach unglaubhaft klingen.
Dozn = sehr klein geratener Mensch. Auch „Greggeler“ .
Lulatsch = das Gegenteil von Dozn, ein sehr großer, meist dünner Mensch (Mann)
Fackalar = nicht nur ein Mensch, der unschön anzusehen ist, weil er äußerst ungepflegt ist. Ein Mensch mit dieser Bezeichnung erzählt auch gerne schmutzige Witze, die so weit unter der Gürtellinie zu Hause sind, dass sie nur Ekel anstatt Gelächter ernten.
Sektnschlägl = ein unfreundlicher Mensch, der mit sich selbst und der Welt unzufrieden ist. „Mulat“ und „sektisch“ bezeichnen das gleiche als Eigenschaftswörter.
wompat = Zustand vorwiegend männlicher Mitmenschen, die meist aufgrund überhöhten Bierkonsums einen beträchtlichen Bauchansatz bekommen haben. Ein solcher Bauchumfang wird auch gern als „Ponzn“ bezeichnet, was wörtlich übersetzt „Fass“ bedeutet.
schmattig = wenn jemand viel Geld hat. Sehr viel Geld. Diese Tatsache zieht manchmal auch Spekulationen mit sich, wie das Geld verdient wurde.
potschad =Wort für „ungeschickt“. Ein „Potschgoggl“ ist ein potschader Mensch, also ein Elefant im Porzellanladen. Hat aber nichts mit der Körperfülle zu tun.
Zoggla = jemand, der nicht darauf achtet, ob seine Garderobe sitzt und deshalb oft „schlampert“ (schlampig) daher kommt. Ein Zoggla eben.
Zornpingl = ein jähzorniger Geselle, mit dem im Allgemeinen nicht gut Kirschen essen ist. Und schon gar nicht Pferde stehlen.

Kinder

Popele = Baby
Poppenwagen = Kinderwagen
„in die Heia gehen“ = schlafen gehen, auch „heielen“ für schlafen.
Springgingerl = liebevolle Bezeichnungl für ein lebhaftes Kind, das praktisch nicht stillsitzen kann, sondern am liebsten ständig herumspringt.
Derwischaletz, Fangalex = beliebtes Fangenspiel der Kinder, ohne viel Aufwand und eigentlich überall machbar.
Versteckalex = Such mich!  In Einkaufszentren bringen gelangweilte Kinder ihre Mütter damit dazu, den Einkauf abzubrechen.
Purzigagele = Vorwärtsrolle mit dem ganzen Körper. Die Bezeichnung ist bekannt aus dem Tiroler Kinderlied: „Die Buabelen, die Madelen, die machen Purzigagelen…“ Kommt von „purzeln“ = fallen, rollen. Aufgrund der notwendigen Gelenkigkeit und den benötigten Übermutes vorwiegend von Kindern gemacht.
Gummihupfen = ein früher sehr beliebtes Spiel, ein großes Gummiband zwischen zwei Kindern diente als Grenze über die ein drittes Kind in einer gewissen Reihenfolge springen musste.
Templhupfen = ein Spiel auf dem Asphalt mit Feldern, die mit Straßenkreiden aufgemalt werden, wird euch heute noch gerne gespielt.
Floschn drahnen = Flaschendrehen. Für schon etwas größere Kinder.

Kulinarik auf Tirolerisch

Obwohl schon lange internationale Speisen fast überall in Tirol angeboten werden, sollte man die Tiroler Hausmannskost einmal probiert haben.

Kasspatzln = typisch, kleine Teigklösschen mit würzigem Käse und gerösteten Zwiebeln

Greaschtl, Gröstl = ebenfalls typisch, geröstete Kartoffel mit Zwiebel und Selchfleischstücken

Kaspressknedl = sehr schmackhaft, zusammengepresste Brotklöße mit Zwiebel und Käse, in der Pfanne kurz abgebraten, in kräftiger Fleischsuppe oder mit Sauerkraut serviert

Fleischkas = Leberkäse
Graukas = magerer Rohkäse, der entweder topfig oder speckig ist – obwohl eine echte Spezialität, nicht jedermanns Sache! Man liebt ihn oder mag ihn gar nicht.
Schwammerlen = Pilze, meist sind Pfifferlinge damit gemeint, sogenannte „Eierschwammerln“

Muas = Brei
Goggelen = Eier
Weggn = Brot
Oranschn = Apfelsine
Melanzani = Auberginen
Marün = Aprikosen
Verlängata = nichts Unmoralisches, sondern nur eine Tasse Kaffee, dem Filterkaffee ähnlich

Dschugglad = Schokolade
Scharmiezl = Papiertüte. Umweltfreundlich, da aus Papier. Das „Sackl“, eine Tüte, kann genauso gut aus Plastik sein. Es lebe der Scharmiezl!
Zol’n bitte! = Die Rechnung bitte!
Hots gschmeckt? = War das Essen zur Zufriedenheit?
Mogsch a Schnapsal? = Gemeint ist ein echter Selberbrennta, ein selbstgebrannter Schnaps höchster Güte. Meistens jedenfalls. Dieses freundliche Angebot sollte man annehmen. Extrem völkerverbindend.

botzn = kleckern, Botzerei = Kleckerei am Tisch
tzutzln = saugen, beispielsweise am Strohhalm

Flirten und Feiern auf Tirolerisch

Besonders bei volkstümlichen Tanz-Festen, sogenannten Zeltfesten, gut zu wissen. Denn hier wird höchst selten Hochdeutsch gesprochen. Eigentlich nie.

Fesches Madl, Diandl = hübsche Frau, hübsches Mädchen
Fescher Bua = schöner Mann
A Schnitzel = äußerst schöner Mann
Wia hoaschn du? = Verrätst du mir deinen Namen?
Mogsch wos trinkn? = Was darf ich dir zu Trinken bestellen?
Woher kimmschn du? = Du bist nicht von hier?
Mogsch di herhockn? = Bei mir ist noch ein Platz frei.
Du gfolsch ma! = Du gefällst mir.
gschdiascht = Universalwort der Tiroler Unterländer für alles, was schön ist. Ein „Diandl“, eine (junge) Frau, ist eigentlich immer „gschdiascht“. Genauso wie Kinder, Tierbabys usw.
I mog di = Ich mag dich. Manchmal auch „Ich liebe dich“.
A Hetz machen = Spaß haben
hetzig = lustig
losnen = zuhören
trotschn = quatschen
terisch = schwerhörig. Beispiel: „I wear terisch“ – Ich verstehe kein Wort (kommt vor, wenn die (Blas-)Musik die Unterhaltung übertönt)
tamisch sein = durch den Wind sein, auch für „schwindlig“ (kann bei heftigen Umdrehungen beim Tiroler Polka-Tanzen vorkommen)
rauschig sein = leicht alkoholisiert sein, mit einem Damenschwips vergleichbar
Fetzn = ein anständiger Alkoholrausch (in Ötztal auch „Dullar“ genannt), kann aber auch die schlechteste Note in der Schule sein
Weiss-Sauer, Rot-Sauer = Weissweinschorle, Rotweinschorle
Kracherl = dem „Almdudler“ ähnlich, beides ist süße, alkoholfreie Kräuterlimonade
Zschigg = Zigaretten (Achtung: In den Tiroler Lokalen herrscht Rauchverbot, auch bei den Zeltfesten im Innenbereich)
Fotzhobl = anderes Wort für Mundharmonika, wörtlich übersetzt mit „Gesichtshobel“.
Rotzbremsen = ein nicht sehr appetitliches Wort für den „Schnauzer“, einen Oberlippenbart.
strawanzen = viel unterwegs sein, ohne bestimmtes Ziel. Auch „lanschn

Warnung! Fallen folgende Wörter bei ernstem Gesicht, dann war man(n) vielleicht etwas zu stürmisch beim Flirten und sollte lieber das Weite suchen: „Watschn“ oder „Fotzn“ sind Ausdrücke für „Ohrfeige“. „I schmier da oane“ ist ebenfalls als indiskutable Ablehnung zu verstehen und hat absolut nichts mit dem Bestreichen eines Butterbrotes zu tun… Zum Glück sind die Tiroler Madln generell freundlich, gesellig und wenn man sich normal benimmt, hat man nichts zu befürchten.

Kleine Unpässlichkeiten auf Tirolerisch

Für die kleinen Notfälle ist es besonders wichtig, wenn man sofort weiß, um was es geht.
Keine Angst, das funktioniert selbstverständlich auch auf hochdeutsch.
Trotzdem vielleicht interessant, wie wir Einheimischen so manches betiteln.

Dokta = Arzt
Apoteggn = Apotheke
Binggl = Beule
Buggl = Rücken
Wea = Schmerzen
Mir isch letz = ich verspüre Übelkeit
Speiberei = äußerst unangenehme Magengrippe
Schnaggler = Schluckauf
Haxn = Beine
Zeachn = Zehen
Goschn = Gesicht
Zennt = Zähne
Gnagg = Nacken
Kearlecka = Fieberblase, kann schon mal auftreten – vorwiegend nach heißen Küssen (mit Fremden) oder weitaus weniger romantisch – wenn man sich vor etwas ziemlich ekelt.
magiern = eine Krankheit vortäuschen
Heisl = Toilette, keine Tiroler Hütte!
Plumpsklo = Der Vorgänger vom Heisl. Das heißt, ohne Wasserspülung. Meist mit dekorativen ausgeschnittenem Herz an der Holztür. Gibt es kaum mehr, höchstens bei einigen alten Berghütten.
gschleinen = beeilen (vielleicht in Zusammenhang mit dem „Heisl“ interessant)
gneatig, oalig = Wer es gneatig hat, hat es eilig. Und ist nur noch oalig (eilig) unterwegs. Etwas stressig.

Naturerlebnis auf Tirolerisch

Unterwegs in der Natur können einem diese Begriffe immer wieder unterkommen.

Tschurtschn = (Tannen)Zapfen
Viecher = Tiere
Murmele = Murmeltier

Goas = Ziege
Antn = Enten
Bam = Baum

Kuselen, Notsch, Fok, Foknstoll =Kühe, Ferkel, Sau, Schweinestall. Ganz simpel.
Oachkatzlschwoaf = Schweif des Eichhorns (Beliebter Test, um nicht zu sagen Spiel, von uns Einheimischen. Wer als Nicht-Tiroler dieses Wort akzent- und fehlerfrei aussprechen kann, dem ist unsere tiefste Anerkennung gewiss.)

Andere typische Wörter und Sätze

Immer gut zu wissen, um Verständnis-Problemen vorzubeugen.

„Isch des bärig!“ = Hat weder etwas mit Bären noch mit Beeren zu tun. Es ist ein Ausdruck der Begeisterung, international bekannt durch den Tiroler Schlagerstar und Hausfrauenliebling Hansi Hinterseer  und bedeutet „Das ist ja toll!“. Es haben sich auch schon fremde Wörter wie „geil“ und „cool“ etabliert, die Tiroler Jugend verstärkt diese Ausdrücke oft noch mit „volle“, z.B. „volle cool“
gfierig = sagt der Tiroler immer dann, wenn etwas leicht von der Hand geht. Praktisch wie von selbst.
„Mei schian!“ = Wie schön ist das denn!
„Na schiach!“ = Ausruf, wenn etwas als besonders hässlich oder grausig wahrgenommen wird. Auch „zach“ für „arg“
ge! = „Das glaub ich nicht“ Steigerungsform, mit bedauernder Betonung: „ma ge hey!“
ge? = am Ende einer Behauptung und bedeutet: „stimmt’s?“
ha? = „wie bitte, hab dich nicht verstanden“?
a = auch
amol = einmal,
decht, dechtasch = doch
eh = sowieso, ja sicher
epper = jemand
es = ihr
lei = nur
woi = doch
nimma = nicht mehr
nocha, nochand = später, nachher
olm = immer, stets
ondersch = anders
Hardigatti = Ausruf der Ungeduld, wenn etwas überhaupt nicht gelingen will. Auch „Harrgottzeitn
zach = nicht nur „zäh“ im eigentlichen Sinn, sondern immer dann in Anwendung, wenn der Tiroler  beim „Tratschen“ (auch „Fratscheln“) die tragische Aussagekraft von Sensationsneuigkeiten verstärken will. Sehr beliebt und oft eingesetzt.
tschelwenggat = Was so bezeichnet wird, ist schief. Und zwar ziemlich. Richtig windschief. Verzogen.
zizzalalweis = in kleinen Stücken, langsam voranschreitend.
Radlbeg, Radlbeck = Bezeichnung für Scheibtruhe, ein Gefährt mit einem Rad in der Mitte, das mit Muskelkraft bewegt wird, nützlich für den Transport von Schutt, Erde etc. Sehr praktisch beim Hausbau oder für die Gartenarbeit.

Und hier noch ein Wort, das einen Kreativpunkt verdient hat:

Kuchakaschtla = Was wie mexikanisches Ungeziefer klingt, ist ganz einfach das Oberländer Wort für „Küchenkasten“ Die „Kredenz“ (Stubaital) ist eine Kombination aus Küchenkasten und Regal.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Üben!
Lernen kann es übrigens (fast) jeder, wie dieses Video beweist:

 

 

Mit ihrem Blick für Details erkundet Christina Schwemberger Land, Stadt und Leute und bringt die Eigenheiten der Tiroler mit einem Augenzwinkern auf den Punkt.

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