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Endstation Sehnsucht – Leben im Talschluss

12.01.2021 in Menschen

Abgelegener geht es in Tirol kaum. Vent liegt am Ende des Venter Tales, ein Seitental des Ötztals.
Abgelegener geht es in Tirol kaum. Vent liegt am Ende des Venter Tales, ein Seitental des Ötztals.

In Tirol gibt es mehr als ein Dutzend Talschlussgemeinden. Kleine Dörfer, die sich tief im Gebirge verstecken und oft einen ursprünglichen Charakter bewahrt haben. Wie lebt es sich dort? Wir haben sieben Menschen getroffen, die am Ende einer Talstraße wohnen (und keiner von ihnen wollte mit Stadtbewohnern tauschen).

FOTOS: BERT HEINZLMEIER

Sophie-Scheiber

Vent

Vent | 1.895 Meter | 138 Einwohner

Sophie Scheiber, 27, (Hütten-)Wirtin

„Im Winter gibt es hier mehr Touristen als Einwohner. Das ist gut für unser Tal, aber natürlich freut es mich, wenn ich eine Venterin mit Babybäuchlein sehe. Dann weißt du, dass es weitergeht mit dem Dorf. Derzeit ist unsere Schule geschlossen. Ich lebe gerne in Vent. Es passiert nicht viel, aber dafür kennt jeder jeden. Gestern war ich wieder oben auf dem Wilden Mannle. Auf 3.020 Metern. Da sitze ich dann in aller Ruhe beim Gipfelkreuz und staune einfach mal nur eine Stunde lang. Im Sommer betreue ich als Wirtin das Hochjochhospiz auf 2.413 Metern und das Brandenburger Haus auf 3.277 Metern. Und auch im Winter gehe ich alle zwei, drei Wochen hinauf, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.“

Vent

Auf 1.900 Metern Seehöhe gelegen, ist Vent im Naturpark Ötztal ein richtiges Bergsteigerdorf. Felsig ragen die Hänge ringsum auf, die Baumgrenze ist hier nicht mehr weit.

Dominik-Burgstaller

Aschau

Aschau bei Brandenberg | 850 Meter | 365 Einwohner

Dominik Burgstaller, 14, mit seinen Brüdern Manuel, 11, und Jakob, 9, alle Schüler

„Wahrscheinlich übernehme ich den Hof mal vom Papa. Von uns drei Buben hab ich halt am meisten Lust drauf. Landmaschinenmechaniker würde ich gern mal werden. Ich arbeite jetzt schon gerne im Stall mit. Besonders in den Ferien. Wir haben 10 Milchkühe und 15 Stück Jungvieh. Ich versorge gern auch die Kälber. Meine Lieblingskuh ist die Gräfin. Die hat so eine schöne Farbe. Der Hof gehört unserer Familie schon seit dem 16. Jahrhundert. Meine Schule liegt in Brandenberg, zehn Kilometer entfernt – von meinem Fenster aus kann ich den Ort sehen. Unsere Mama bringt uns zur Haltestelle, und dann dauert es eine halbe Stunde mit dem Bus. Wir müssen schon um 6 Uhr aufstehen. Die Kinder aus Brandenberg können natürlich etwas länger schlafen. Mich stört nicht, dass wir keine direkten Nachbarn haben. Deshalb können wir auch mal laut sein. Fad ist uns nie.“

Brandenberg

Die Gemeinde Brandenberg liegt im Tiroler Unterinntal auf einem sonnigen Hochplateau. Sie ist Heimat von etwas mehr als 1.500 Einwohnern und umgeben von einer wildromantischen Landschaft, die es sich lohnt, von nahem zu betrachten.

Gerd-Kipper

Gramais

Gramais | 1.328 Meter | 40 Einwohner

Gerd Kipping, 75, Rentner

„Ich war mit meiner Familie 1955 zum ersten Mal Gast in diesem Haus. Als Hamburger Alpenvereinsmitglieder haben wir viele Sommerwochen in Gramais beim Bergsteigen verbracht. Anfangs dauerte die Anreise drei Tage. Von Altona im Liegewagen. Ja, und später habe ich eine Gramaiserin geheiratet und mit ihr 38 Jahre in Bregenz gelebt. Meine orthopädische Schuhmacherei dort führt inzwischen unser Sohn, und ich bin Rentner hier in der kleinsten Gemeinde Österreichs. Zu tun gibt es trotzdem immer etwas. Wir haben Bioschafe, Wald und die Ferienwohnungen in Irmis Elternhaus, das aus dem Jahr 1740 stammt. In unserer Gemeinde leben momentan nur noch 40 Menschen. Das ist natürlich eine Herausforderung – jeder im Dorf muss deshalb mehrere Aufgaben übernehmen. Ich bin zum Beispiel Leiter der Bergwacht und kümmere mich um das Heimatmuseum. Den lokalen Dialekt spreche ich bis heute nicht, aber ich bin voll integriert.“

Gramais

Die Gemeinde Gramais im Lechtal trägt den einmaligen Titel: kleinste Gemeinde Österreichs. Die Einwohner von Gramais nennen ihre Heimat auch gerne die Perle des Lechtals.

Monika-Eisnecker

Hinterhornbach

Hinterhornbach | 1.101 Meter | 95 Einwohner

Monika, 34 Jahre, Servicekraft, und Nicole Eisnecker, 59, Köchin und Wirtin

„Derzeit haben wir 14 Kinder im Ort. Das Baby, das in zwei Wochen kommen wird, zählen wir schon jetzt mit. Die Einwohnerzahl ist ziemlich stabil. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Straße zu uns gut ausgebaut ist und das Leben hier etwas einfacher als in vielen anderen Talschlussgemeinden. Hier kann man beides haben, Ruhe und eine gute Anbindung. Einen brandneuen Bauhof gibt es, gute Straßenbeleuchtung und eine neue Kläranlage. Wir möchten jedenfalls mit niemandem tauschen. Zum Einkaufen fahren wir schon gern mal nach Reutte, aber nachher schnell wieder hier rauf. Dort unten herrscht so eine Hektik. Brutal. Früher war mal eine Passstraße nach Oberstdorf geplant. Gott sei Dank ist das nie zustande gekommen.“

Hinterhornbach

Die Lage im Hornbachtal, einem Seitental des Lechtals, inmitten unberührter Landschaften und majestätischen Bergen macht Hinterhornbach zu einem besonderen Naturjuwel.

Chrissi-Engels

Navis

Navis | 1.485 Meter | 1978 Einwohner

Chrissi Engels, 37 Jahre, und Waldemar Chmelewskij, 39, mit Rosalie, Betreiber der Hubird-Lodge

„Eigentlich stammen wir aus Köln. In Tirol sind wir wegen unserer Leidenschaft für das Snowboarden gelandet. Jahrelang haben wir eine Pension im Zillertal betrieben. Da ist es uns aber irgendwann zu hektisch geworden. Dann entdeckten wir das heruntergekommene Gasthaus hier oben – und haben das Gebäude komplett umgekrempelt. Bis zu 21 Gäste können heute bei uns wohnen, es kommen Yogagruppen, Geburtstagsgesellschaften, Künstler und Firmen. In Navis ticken die Uhren langsamer. Es geht entspannt zu. Gleichzeitig sind die Menschen hier oben sehr agil und lebendig. Man findet schnell Unterstützung, beispielsweise als wir anfangs Hilfe brauchten beim Gepäcktransport. Chrissie unterrichtet zweimal die Woche Yoga für die Bäuerinnen, und die Locals sind happy, dass was los ist. Die Grünhöfe hier am Talschluss sind eine ganz eigene Gemeinschaft. In der Vorweihnachtszeit organisiert jedes Jahr ein anderer Hof ein Adventsfest mit Glühwein und Kinderpunsch. Isoliert fühlen wir uns nicht. Manchmal verlassen wir das Tal, um uns neue Impulse zu holen und kreativ zu bleiben.“

Navis

Eine Gemeinde, die ein ganzes Tal umfasst: Navis beziehungsweise das Navistal ist ein 10 Kilometer langes, östliches Seitental des Wipptales.

Ludwig-Berger

Hinterbichl

Hinterbichl | 1.329 Meter | 124 Einwohner

Ludwig Berger, 89, Rentner

„Einmal, im Krieg, bin ich mit meinem Onkel nach Lienz gegangen, um ein Rind zu versteigern. 45 Kilometer zu Fuß. Zwölf Stunden. In der Stadt war dann Fliegeralarm, die Viehhändler sind geflohen, und wir mussten den Stier billig an einen Metzger verkaufen. Das waren andere Zeiten. Beim Mittagstisch saßen alle um die große Suppenschüssel. Zwölf Kinder, die Eltern und Großeltern, eine Magd und der Knecht. Wir haben hart gearbeitet. Zur Schule waren es vier Kilometer, und jeden Morgen um 6 Uhr mussten wir vorher zur Messe in die Kirche. Der Vater hat später den Besitz aufgeteilt: Mein älterer Bruder bekam die Landwirtschaft, ich den Gastbetrieb. Schon als Kind arbeitete ich mit meiner Mutter in der Küche. Es gab hier große Feldmessen, bei denen die Wiener Sängerknaben gesungen haben. Das Essen dafür haben wir gekocht: 300 Portionen Gulasch, Schweinsbraten und Schnitzel. Später war ich im Service und Ausschank. Noch immer stehe ich täglich um 4.30 Uhr auf und baue das Frühstücksbuffet auf. 50 Jahre lang war ich in der Bergrettung aktiv. Mit Fackeln haben wir die Gletscherspalten abgesucht. Heute hab ich vier künstliche Gelenke, aber mit denen bin ich auf allen Erdteilen unterwegs gewesen. Ich habe nämlich auf meine alten Tage das Reisen jenseits des Tales für mich entdeckt.“

Hinterbichl (Prägraten)

Eingebettet in das machtvolle, vergletscherte Massiv des Großvenediger im Norden und der Lasörlinggruppe im Süden liegt das Bergdorf Prägraten im Osttiroler Virgental.

Anna-Huber

Innervillgraten

Innervillgraten | 1.402 Meter | 925 Einwohner

Anna Huber, 36, Glasbläserin

„Meine Mutter war Hüttenwirtin auf 2.400 Metern, mein Vater hat als Schnitzer gearbeitet. Ich bin in einer Werkstatt groß geworden und wollte immer etwas lernen, das nicht jeder kann. Mit 17 bin ich deshalb nach Kramsach gegangen in die einzige Glasblasschule Österreichs. Nach der Ausbildung bot mir mein Vater an, dass ich hier meine eigene Glasbläserei aufbauen kann. Mir waren die Freunde, die Familie und die Heimat immer schon wichtig. Bereut hab ich den Schritt zurück nie. Ich musiziere viel, spiele Kontrabass und singe in der Band Lacoustic. Früher war das sicher ein eingeschränktes Leben hinten im Tal. Heute brauchst du nur ins Internet zu gehen, und die Welt steht dir offen. Ich hab einen tollen Mann kennengelernt und ihn ins Tal reingeholt. Der spielt auch in unserer Band.“

Innervillgraten

Bergsteigerdorf für Ruhesuchende: Ursprünglich, idyllisch und fern der Hektik dieser Welt liegt es da, das kleine Bergsteigerdorf Innervillgraten in Osttirol.

Je öfter Gero Günther nach Tirol fährt, desto mehr ziehen  ihn das Bundesland und seine illustren Bewohner in seinen Bann. Dabei schaut sich der Journalist und Autor genauso gern in Buchhandlungen, Cafés und Ateliers um wie in einsamen Seitentälern, auf Almweiden oder in Kuhställen.

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