Klettergarten Falkenstein in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter
Klettergarten Falkenstein in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

Klettern lernen: Leitfaden für den sicheren Einstieg in den Felssport

Klettern ist eine vergleichsweise junge Sportart, aber sie liegt schwer im Trend. Am schönsten ist sie in der freien Natur, an echtem Fels. Die Bergwelt Tirols ist wie geschaffen dafür. Anfänger merken schnell: Felsklettern vermittelt ein großes Gefühl von Freiheit.

Haben Sie schon immer davon geträumt, eine senkrechte Felswand mit den eigenen Händen und Füßen zu überwinden? Also etwas zu erreichen, was auf den ersten Blick unmöglich scheint? Oder wird Ihnen mulmig bei der Vorstellung, hoch über einem Abgrund im Seil zu hängen? Sie werden es vielleicht kaum glauben, aber es gibt viele Menschen, die ausgerechnet beim Klettern ihre Höhenangst überwinden. Die Sportart trainiert Körper, Psyche und Willen gleichermaßen. Für Anfänger bieten 15 Kletterregionen – vereint im „Climbers Paradise Tirol“ – perfekte Bedingungen. Auf zahlreichen leichten und zugleich landschaftlich wunderschönen Kletterrouten können Sie ihre ersten Schritte am Fels üben und sich mit Gleichgesinnten austauschen.

Der folgende Leitfaden erklärt Ihnen, wie Sie das Klettern bei einem Urlaub in Tirol lernen. Einen Kletterkurs, den Sie in jedem Fall belegen sollten, ersetzt er allerdings nicht.

Schritt 1 · Die richtige Vorbereitung


Kletterkurs im Klettergarten Falkenstein in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

In allen größeren Städten gibt es mittlerweile Kletterhallen und Hochseilgärten. Sportklettern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem starken Trend entwickelt. Haben Sie das Klettern an einer künstlichen Kletter- oder Boulderwand vielleicht auch schon in einem Kurs gelernt? Hervorragend! Dann sind Sie bereits gut vorbereitet auf den Einstieg ins Felsklettern. Wenn nicht: auch kein Problem. Klettern will zwar gelernt sein, eine komplizierte Wissenschaft ist es allerdings nicht.

Ohne Vorkenntnisse haben Sie zwei Möglichkeiten: Der sicherste und ratsamste Weg führt über Kurse in einer Kletterhalle, wo Sie mindestens die notwendigen Grundtechniken, Bewegungsabläufe und Materialien kennenlernen. Hier üben Sie das Klettern unter Laborbedingungen, gewinnen aber schon das notwendige Körpergefühl und Selbstvertrauen. Der zweite Weg führt direkt zum Naturfelsen, entweder, weil Sie das Glück haben, einen erfahrenen Kletterer persönlich zu kennen, oder weil Sie sich für einen Anfängerkurs mit einem Profi entscheiden. Felsklettern ohne fachkundige Einführung ist allerdings absolut tabu. Für eine autodidaktische Herangehensweise birgt diese Sportart zu große Risiken. Selbst erfahrene Hallenkletterer sollten sich klar machen: Der Vorstieg in freier Wildbahn ist eine größere Herausforderung mit höheren Verletzungsrisiken als in der Halle mit ihren kurzen Hakenabständen und klaren Routenverläufen.

Schritt 2 · Das passende Klettergebiet mit einfachen Routen finden


Klettergarten Falkenstein in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

Für den Anfang gilt: Kleine Brötchen backen. Wer keine Felserfahrung hat, sollte grundsätzlich mit leichten Einseillängen-Routen (3. bis 4. Schwierigkeitsgrad) beginnen. In den meisten der Tiroler Top-Kletterregionen mit allein rund 4.400 Sportkletterrouten gibt es neben anspruchsvolleren auch anfängergerechte und familienfreundliche Routen. Wenn Sie sich das erste Mal an den Fels wagen, sollten Sie eine kurze Route wählen, mit möglichst positiv geneigter Wand, also ohne überhängende Felsen, und mit guter Sicherung. Fangen Sie mit kleinen Wänden an. Einige sind nur rund acht Meter hoch – perfekt für Einsteiger. Die Hakenabstände sollten gering sein, etwa 1,5 bis drei Meter. Das verringert vor allem die Sturzhöhe. Selbst zu sichernde Routen sollten Sie am Anfang meiden. Achten Sie darauf, eine ausgewiesene Kletterroute zu nutzen. Klettern ist vor allem aus Naturschutz- und Sicherheitsgründen nicht überall erlaubt. Bevor es los geht, sollten Sie sich über die Wettervorhersage und die Verhältnisse vor Ort informieren.

Schritt 3 · Erste Schritte mit dem Kletterlehrer


Kletterkurs im Klettergarten Falkenstein in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

Jedem Anfänger ist ein Einsteigerkurs oder Privattraining mit einem erfahrenen Kletterlehrer unbedingt anzuraten. In Tirol können Sie in fast allen Regionen Kletterkurse belegen und direkten Kontakt zu einem der zahlreichen Bergführer und Kletterlehrer (www.bergfuehrer.at) aufnehmen. Zu den Anbietern der Kurse zählen auch der Österreichische Alpenverein (OeAV) und der Deutsche Alpenverein (DAV). Alternativ können Sie Kletter-Camps besuchen, die im Sommer regelmäßig in den Tiroler Kletterregionen angeboten werden. Bei der Initiative SAAC (snow & alpine awareness camps) sind sie sogar kostenlos. Allerdings ist die Teilnahme an Vorkenntnisse geknüpft.

Üblicherweise beginnt man mit einem Toprope-Kurs. Dort lernen Sie Sicherungstechniken für Routen, die bereits für's Klettern präpariert sind, also ein Sicherungsseil in der oberen Umlenkung haben (toprope = Seil von oben). Haben Sie auf dieser Ebene genügend Praxis, gehen Sie mit dem Vorstiegs-Kurs einen Schritt weiter. Dieser vermittelt Ihnen Techniken wie Klettern und Sichern im Vorstieg, das Klippen des Seils, die notwendigen Knoten, das Finden von Ruhepunkten, Vorstiegstaktik und die richtige Sturztechnik. Sparen Sie nicht bei den Anfängerkursen. Wer ohne Vorkenntnisse klettern geht, begibt sich in Lebensgefahr.

Schritt 4 · Die Grundkenntnisse erlernen


Klettergarten Falkenstein in Osttirol, Klettern in Tirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

Wie bei jeder Sportart gilt es, die Muskeln aufzuwärmen, bevor sie beansprucht werden. Bei einigen Klettergebieten passiert das ganz automatisch, weil ein Zustieg zum Fuß des Felsens erforderlich ist. Ist das nicht der Fall, können Sie zum Beispiel ein kurzes Kletterseil für eine Runde Seilspringen umfunktionieren. Sehr wichtig ist auch das Dehnen der Hände. Deren Sehnen und Muskulatur sind die starken Belastungen beim Klettern nicht gewohnt.

Sie klettern niemals allein, sondern in einer sogenannten Seilschaft, einem Team, das in der Regel aus zwei Personen besteht. Der eine klettert, der andere sichert ihn gegen Absturz. Trainiert wird dabei also auch gegenseitiges Vertrauen. Die Teammitglieder kommunizieren über einfache Kommandos, die jeder beherrschen muss. Zu den wichtigsten Grundregeln des Kletterns – die Sie optimalerweise bereits kennen oder vor dem Start durch den Kletterlehrer vermittelt bekommen – gehört das Prinzip: Technik geht vor Kraft. Denn mit der richtigen, effektiven Technik sparen Sie eine Menge Energie. Dazu gehört, die Kraft aus den Beinen kommen zu lassen statt aus den Armen. Mit den Händen greifen Sie in den Fels, vor allem um Ihr Gleichgewicht zu halten. Ihren Körperschwerpunkt halten Sie so nah am Fels wie möglich, Bauch und Hüfte drücken Sie also an die Wand. Mit dem Innenteil der Schuhspitze treten Sie an geeigneten Stellen in den Fels.

Beim Greifen sollten Sie zielgenau und zugleich so viel wie möglich mit hängenden Fingern arbeiten. Das mag sich am Anfang anfühlen, als wären Sie kurz vorm Abrutschen. Allerdings sparen Sie so Kraft in den Händen. Und das Gewicht soll ohnehin auf den Füßen bleiben. Aus gleichem Grund bleiben auch die Arme so viel wie möglich lang ausgestreckt.

TIPP:  Video-Tutorials mit Kletter-Weltmeisterin Angy Eiter

Das beste Training für's Klettern ist: regelmäßiges Klettern! So verbessern Sie Technik, Motorik und Kraft am besten. Achten Sie darauf, unterschiedliche Routen zu klettern. Hilfreich ist auch, die Kraft der Finger zu trainieren, zum Beispiel mit Thera-Bändern oder an einem Griffbrett.

Schritt 5 · Spezielle Techniken am Fels


Kletterkurs im Klettergarten Falkenstein in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

Um Routen am Naturfelsen meistern zu können, sind Basis-Kletterkenntnisse eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Ihr Kletterlehrer wird Sie deshalb auch in die Sicherungstechnik im Vorstieg, den Standplatzbau, das Sturztraining und den Einsatz von mobilen Sicherungsgeräten wie Klemmkeilen und Friends einführen. Klemmkeile zum Beispiel werden zur Zwischensicherung oder beim Standplatzbau in Felsspalten befestigt. Für den Fall, dass es am Ende der Route keine fixe Umlenkung gibt, lernen Sie das Umbauen, um von Ihrem Partner wieder abgelassen zu werden.

Da die Hakenabstände am Fels oft deutlich größer sind als in der Halle, müssen Sie üben, Ihre eigenen Fähigkeiten gut einzuschätzen und taktisch klug vorzugehen. Wo kann ich Rastpunkte einplanen? Welche Abschnitte könnten Schwierigkeiten bereiten? Um Griffe und Tritte richtig zu positionieren, lernen Sie, den „Fels zu lesen“, wie Kletterer sagen. Das klappt vielleicht nicht gleich am ersten Tag. Aber mit der Zeit werden Sie die Textur des Gesteins immer besser verstehen.

Das Wichtigste, bevor es los geht, ist das Anseilen und der Partnercheck. Wer schon Klettererfahrung in der Halle hat, kennt das. Stimmt der Anseilknoten? Sind die Sicherungsgeräte vorhanden? Ist das Seilende abgeknotet? Erst wenn alles überprüft ist, beginnt der Kletterspaß.

Schritt 6 · Die notwendige Ausrüstung


Equipment zum Klettern, © Tirol Werbung/Robert Pupeter

Nummer 1 auf der Equipmentliste sind die Kletterschuhe, Slicks genannt. Sie sind sehr eng geschnitten und haben eine Gummisohle. Anfängern sei empfohlen, sich für eine komfortable Variante zu entscheiden, die sowohl in der Halle als auch am Felsen genutzt werden kann. Die Basis der eigentlichen Kletterausrüstung ist der Klettergurt, ein Hüftgurt, an dem das Sicherungsseil und sämtliches Material befestigt wird. Dann kommen die Expressen, die jeweils aus zwei Karabinern bestehen, die mit einer Bandschlinge verbunden sind. Etwa 10 Stück empfehlen Experten für den Anfang. Auch einige Schraubkarabiner sollten Sie besitzen. Das Sicherungsseil sollte 50 bis 70 Meter lang sein. Der OeAV empfiehlt beim Partnersichern halbautomatische Sicherungsgeräte.

Ganz wichtig ist der Schutzhelm, insbesondere bei Routen mit erhöhtem Steinschlagrisiko. Einige erfahrene Kletterer verzichten zwar gern auf den Helm, empfehlenswert ist das allerdings nicht. Am Hüftgurt trägt man zudem einen Beutel mit Chalk- oder Magnesiumpulver, das gegen feuchte Hände und erhöhte Reibung eingesetzt wird. Auch ein Rucksack und natürlich ein Erste-Hilfe-Set werden benötigt.

Was ggf. noch zur Ausrüstung gehört, erfahren Sie im Fachhandel. Grundsätzlich sollte beim Klettern gelten, dass die besten Sicherungsgeräte gerade gut genug sind. Experten raten zudem, immer nur die eigene Ausrüstung zu verwenden. Nur so können Sie ihr Alter und ihren Zustand gut beurteilen.

 

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