Graf Ulrich Goëss-Enzenberg
Graf Ulrich Goëss-Enzenberg

#13 Wie ist es, ein Graf zu sein? Schlossbesitzer Ulrich Goëss-Enzenberg zu Gast beim “K”

Tratzberg gilt als eines der schönsten Renaissance-Schlösser des Landes. Ulrich Goëss-Enzenberg versteht sich als Beschützer der alten Gemäuer und hat das Anwesen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wir sprechen mit ihm über das Leben des Adels, spukende Vorfahren und geheime Wege durchs Inntal.

Ulrich Goëss-Enzenberg lebt seit 30 Jahren mit seiner Familie auf Schloss Tratzberg bei Jenbach. Er versteht sich als Beschützer der alten Gemäuer und hat das Anwesen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wir sprechen mit dem Grafen über das Leben des Adels, spukende Vorfahren und geheime Wege durchs Inntal.

 

Shownotes

Was machen ein Wiener, ein Bayer und ein Südtiroler in einem Tiroler Schloss? Was wie die Einleitung für einen platten Witz klingt, ist Realität auf Schloss Tratzberg, wo ein internationales Team aus renommierten Restauratoren die kunstvollen Bemalungen des Innenhofs wieder instand setzte. „Wir restaurieren seit 1832, das sind bald 200 Jahre“, erzählt uns Ulrich Goëss-Enzenberg, Besitzer der weithin sichtbaren Trutzburg im Unterinntal, der sich aber eher als Beschützer denn als Eigentümer versteht.

Wer Schloss sagt, hört meistens nicht nur Gespenster, dicke Mauern und unbequeme Betten sondern eben auch Könige, Grafen und Ritter. Nur wurde das Adelsprädikat in Österreich durch den Beschluss des „Habsburgergesetzes“ und des „Adelsaufhebungsgesetzes“ abgeschafft. Wir wollen wissen, wie es ist - in Zeiten, in denen Serien mit adeligen Protagonisten wie “Bridgerton” oder “The Crown” einen Boom erfahren - einem Adelsgeschlecht anzugehören, den Titel aber nicht mehr führen zu dürfen. „Es gibt Leute, die interessieren sich sehr und welche, die das komplett ablehnen. In Tirol ist das nicht so ein Problem, die Bauern und Jäger nennen mich trotzdem Graf und duzen mich“, erzählt Ulrich Goëss-Enzenberg.

Für das im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Schloss finden sich zahlreiche Vorbesitzer mit Rang und Namen: Maximilian I (Kaiser), die Gebrüder Tänzl (Freiherren und Silberbergwerksbesitzer), Georg Ilsung (Ritter und Reichspfennigmeister), Jakob III. Fugger (Freiherr und Kaufmann), die Tannenbergs (Grafen): sie alle haben dem Schloss ihre Handschrift verliehen, Stuben gestaltet, Stammbäume hinterlassen. Und sie alle haben das Erbe ihrer Vorgänger so sehr respektiert, dass Schloss Tratzberg heute eines der letzten Schlösser ist, in dem die Epochen wie in einer Zeit-Kapsel konserviert wirken. „Was Tratzberg ausmacht ist, dass es vollkommen eingerichtet ist mit den Originalmöbeln aus der Renaissance“, weiß der Schlossherr zu berichten.

Das hat auch damit zu tun, dass die Gemäuer beinahe 100 Jahre lang unbewohnt waren. „Diesem Zustand ist es zu verdanken, dass man damals nicht alle Holzdecken rausgerissen hat und das Ganze barockisiert hat. Ich würde sagen, Schloss Tratzberg hat diese Zeit verschlafen – wie in einem Dornröschenschlaf“, sagt Ulrich Goëss-Enzenberg. Im Podcast unterhalten wir uns außerdem über berühmte Besucher, wir erfahren, wie unermesslich reich Jakob Fugger war und wann sich zuletzt Habsburger im Habsburger-Saal einfanden – und warum.

Bald sind auch die letzten Renovierungsarbeiten abgeschlossen: das Dach ist nach 30 Jahren Arbeit neu gedeckt und strahlt als das “Goldene Dachl vom Tratzberg” auf Tirol herab, die

Fresken im Innenhof sind so gut wie neu und die alten Gemäuer sind für die Zukunft gerüstet. Der Innovationskraft des Hausherren ist es auch zu verdanken, dass eine Führung durch Schloss Tratzberg durch spannende Audiotouren ergänzt wird und eine Besichtigung auch virtuell möglich ist – so kann man beispielsweise einige der vielen Geheimgänge ganz exklusiv auf dem Computer oder Smartphone besichtigen. „Wir sind der Öffentlichkeit auch schuldig, dass sie die Chance hat, das anzusehen.“ Man darf also gespannt sein, was den modernen Schlossbesitzern mit Respekt vor alten Dingen noch so alles einfällt, um das Anwesen vielen Besuchern zugänglich zu machen.

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