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Fronleichnams-Prozessionen: Mit dem lieben Gott auf dem Weg durchs Dorf

Aktualisiert am 10.07.2018 in Kulturleben

Fronleichnam Prozession Going am Wilden Kaiser_ (c) Tirol Werbung_Ludwig Mallaun

Dass an Fronleichnam, am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, eine Prozession stattfindet, gehört in jedem Tiroler Dorf dazu. Dass aber der Mond etwas damit zu tun haben soll, dürfte vielen neu sein. Überhaupt hat dieser christliche Feiertag etwas Geheimnisvolles an sich. Denn eigentlich weiß sogar im katholisch geprägten Tirol kaum jemand, was an Fronleichnam gefeiert wird.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen

Kennt ihr dieses Bild? In einer Tiroler Dorfstraße oder auf einem Feldweg kommt euch ein Zug von Menschen entgegen: Der Erste ganz vorne trägt ein Kreuz, dann kommen die Ministranten in ihren weißen und roten Gewändern, dahinter eine Gruppe von Buben in Anzügen und Mädchen in weißen Kleidern oder in weißen Kutten und als nächstes der Pfarrer, der die Monstranz trägt, beschirmt von einem Baldachin. Schließlich folgen die Schützen, die Musikkapelle, Männer und Frauen, die Heiligenfiguren oder große, prächtige Fahnen tragen, und noch mehr Leute aus dem Ort – bis nach und nach das ganze Dorf an euch vorübergezogen ist.

Wenn ihr neugierig geworden seit, schließt ihr euch dieser Prozession vielleicht an, macht mit der Menge an den vier Altären, die am Weg aufgestellt sind, halt, bewundert dort den Blumenschmuck und gelangt schließlich wieder zurück zur Kirche, wo der Umgang begonnen hatte. Aber selbst wenn ihr den ganzen Weg mitgegangen seid, wisst ihr wahrscheinlich immer noch nicht, warum die Prozession überhaupt stattgefunden hat.

Prozession in Alpbach vor der Postalm.Prozession in Alpbach vor der Postalm.

Ein Fleck auf dem Mond

Wie gesagt, damit seid ihr nicht allein, auch viele Tiroler müssten nachlesen, warum es Fronleichnam überhaupt gibt. Die Antwort ist aber ganz einfach: Das Fest hat im Kirchenkalender einfach gefehlt, wie die Ordensfrau Juliane aus Lüttich 1209 in einem Traum erkannte: Auf einer hellen Mondscheibe – dem Kirchenjahr – sah sie einen dunklen Fleck – das fehlende Fest. Gefeiert werden sollte das Sakrament der Eucharistie, der Umstand also, dass seit dem letzten Abendmahl Jesu’ Leib und Blut in Brot und Wein gegenwärtig sind. Bis Papst Urban IV. das Fest einführte, dauerte es 55 Jahre, die Prozessionen gibt es seit dem Konzil von Trient 1551.

Mit der Monstranz im Sattel

Eine Zeitlang, vor allem im Barock, waren die Fronleichnamsprozessionen sehr prächtig, die Kirchen zeigten nicht nur die Monstranz mit dem „Allerheiligsten“ – dem Leib Christi –, sondern auch andere prunkvolle Gegenstände. Sogar theatralische Szenen gehörten dazu. Heute geht es weniger imposant zu, aber eine Besonderheit gibt es zu Fronleichnam in Tirol doch, den Brixentaler Antlassritt. Statt zu Fuß absolvieren die Brixentaler ihre Prozession hoch zu Ross von der Kirche in Brixen im Thale bis zur sogenannten Schwedenkapelle und wieder zurück. Wenn ihr euch zu Mittag bei der Kirche einfindet, könnt ihr die Reiter in den traditionellen Trachten und mit den Fahnen auf den mit Blumen geschmückten Pferden sehen, bevor sie aufbrechen. Sogar der Dekan mit der Monstranz reitet mit und segnet die Zuseher. Das malerische Schauspiel ist also nicht nur schön anzusehen, sondern soll allen, die dabei sind, den göttlichen Beistand sichern.

Auf unserer Website findet ihr weitere Infos zum Brauchtum in Tirol.

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  - aber vor allem begeistert - mit Musik und Kultur.

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