Dabei repräsentiert der Bloch symbolisch einen Pflug, der die Erde für die Aussaat aufbricht und so den Sieg des Frühlings über den Winter einläutet. Was heute ein begeisterndes Schauspiel ist, wurzelt tief in vorchristlichen Fruchtbarkeitsritualen. Seit 2011 ist dieser Einsatz sogar offiziell immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Alle vier Jahre wird die Tradition in Fiss mit vollem Körpereinsatz lebendig.
Hinter den kunstvoll geschnitzten Larven – wie die Holzmasken bei uns heißen – verbergen sich Rollen, die seit Generationen überliefert sind. Es ist ein Spiel zwischen den Jahreszeiten, bei dem es schon mal etwas rauer zugehen kann.
Ein besonderes Merkmal in Fiss ist die Wahl einer Leitfigur: Für jedes Blochziehen bestimmt der Fasnachtsausschuss eine andere Maske, die als Hauptrolle das Fest prägt. Als zentrale Figur gibt sie dem bunten Treiben ein Gesicht und führt den gewaltigen Zug an.
Neben diesen Hauptrollen bevölkern unzählige Gestalten des Dorflebens die Straßen – vom Bauernpaar über den Wanderkrämer bis hin zu den Musikanten.
Der Weg durch das Dorf ist eine einzige, symbolische Kraftprobe. Die einen ziehen für den kommenden Frühling, während Teufel und Hexen alles daransetzen, ein Weiterkommen zu verhindern. Es ist ein fesselndes Hin und Her, das schließlich am Dorfplatz seinen Höhepunkt findet. Dort wird die mächtige Zirbe am Ende des Tages versteigert. Das sorgt für spannende Bietergefechte und einen willkommenen Erlös, der der Dorfgemeinschaft zugutekommt.
Damit der Brauch lebendig bleibt, findet alle vier Jahre (um zwei Jahre versetzt zum "großen" Blochziehen) das Kinderblochziehen statt. Hier übernehmen die jüngsten Fisser die Hauptrolle: Ganz nach dem Vorbild der Erwachsenen wird ein eigener „Bloch“ durch den Ort gezogen, und die Kinder verkörpern mit Stolz die verschiedenen Rollen vom Schwoaftuifl bis zum Schallner. So wird schon früh klar: Auch beim Nachwuchs kommt der Frühling nicht ganz ohne Muskelkraft ins Dorf.