Nur einen (Bettel-)Wurf von Innsbruck entfernt kannst du mit durch das wilde Karwendel kraxeln, während die Stadt von unten zuschaut. Ob die Erstbegeher um Schutz bei der Hütte oder Hilfe bei schwierigen Kletterstellen gebettelt haben, können wir heute nicht mehr sagen. Selten jedenfalls lugt ein so gigantischer Berg direkt in die Stadt hinab ‒ und zeigt uns, wie nah diese beiden gegensätzlichen Welten beieinander liegen.
Zweitägige, sehr anspruchsvolle Karwendel-Tour für fitte Bergsteigende auf den markanten Großen Bettelwurf. Der erste Tag ist eine ausgesetzte Kraxelei über Geröll, steile Latschenhänge und zunehmend felsige Passagen, dabei erleichtern Stahlseile und Drahtseile die Schlüsselstellen in steilen Rinnen und am Grat, ohne den ernsthaften Charakter zu entschärfen – Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und sehr gute Kondition sind zwingend. Belohnt wird die Mühe mit einem gigantischen Gipfelblick hoch über dem Bettelwurfkar und später einer zünftigen Einkehr an der Hütte. Übernachtung auf der Bettelwurfhütte. Der Rückweg am zweiten Tag bleibt abwechslungsreich und aussichtsreich, führt über das Lafatscher Joch, den blumenreichen Issanger und die Zunterköpfe Rücken zurück zum Ausgangspunkt. Kurze seilversicherte Stellen am Grat erfordern weiterhin Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Tag 1 (schwarze Tour [schwierig])
Strecke: 7,0 km
Dauer: 6:45 Std.
Ziel: Bettelwurfhütte
Die Tour erfordert Schwindelfreiheit und Trittsicherheit! Von der Bushaltestelle gehen wir kurz die Straße zurück und biegen dann rechterhand Richtung Halltal ab. Nach rund 200 Metern erscheint der Parkplatz am Halltal-Eingang, der auch einen Spielplatz für Kinder und Informationstafeln zur Geschichte des Salzbergbaus und des Alpinismus bietet. Wir folgen der Halltalstraße bis zum Trinkwasserstollen, wo wir den Bach überqueren und den Steig Nr. 222 einschlagen, zunächst über Geröll, dann steil durch Latschen, teilweise mit Stahlseilen versichert, bis zur Bettelwurfhütte (2077 m). Sie wurde vom Innsbrucker Alpinpionier Julius Pock und der Bergsteigergesellschaft Wilde Bande von 1891 bis 1893 errichtet. Hier können wir rasten und unser Übernachtungsgepäck deponieren, um mit leichterem Gepäck den ausgesetzten Weg zum Gipfel zu nehmen. Über einen Gratrücken geht es danach weiter steil bergauf. Der Steig wird anspruchsvoller und man geht teilweise ausgesetzt entlang des Gratrückens oberhalb des Bettelwurfkars. Weiter folgt man nun dem ausreichend drahtseilversicherten Steig entlang einer Rinne bis zum Gipfel des Großen Bettelwurf (2726 m), den wir nach 5:30 h erreichen. Zurück zur Hütte geht es auf derselben Route, eine zünftige Einkehr und ein weiter Blick lohnen für die Mühen.
Tag 2 [rote Tour [mittel])
Strecke: 11 km
Dauer: 5:00 Std.
Von der Hütte aus können wir einen Großteil des heutigen Routenverlaufs überblicken: die zwei vom Gletscher abgerundeten Gipfel direkt im Süden auf der anderen Halltal- Seite werden wir in einem großen Bogen von Westen kommend überschreiten, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Zunächst folgen wir dem Wanderweg 222 weiter nach Westen zum Lafatscher Joch, welches wir nach einigem Bergauf und Bergab erreichen. Von diesem breiten Rücken steigen wir nun linkerhand zum Issanger (1626 m) bzw. Richtung St. Magdalena ab. Der Issanger, eine ehemalige Futterfläche für die Zug- und Nutztiere des Bergbaus, ist in seiner Schönheit kaum zu überbieten und Schauplatz alljährlicher Pflegeaktionen der Freiwilligen vom Team Karwendel. Damit die artenreichen Blumenwiesen nicht mit Latschen verbuschen, müssen sie regelmäßig gemäht werden. Nach einer kleinen Pause folgen wir kurz der Forststraße bergauf auf das Issjöchl, wo sie einen scharfen Rechtsknick macht. Vor der nächsten Linkskurve zweigt unser Steig Richtung Törl und Thaurer Alm auf der rechten Seite ab, um dann oberhalb der Forststraße nach Süden über die Schotterflächen anzusteigen. Am Törl weht uns der Wind des Inntals entgegen: Plötzlich weitet sich der Blick bis über Innsbruck hinaus. Anstatt nun zur Thaurer Alm abzusteigen (auch eine Möglichkeit, dann weiter wie bei Tour 6), erklimmen wir bei trockenen Verhältnissen links über einen kleinen Steig den mit Latschen überwachsenen Thaurer Zunterkopf (1918 m), um auf dem Grat, vorbei an einer kurzen seilversicherten Stelle, den Haller Zunterkopf (1966 m) zu erklimmen. Der aussichtsreiche Gipfel zwischen dem majestätischen Bettelwurf und dem Inntal lädt zur Jause ein, während wir die Tour noch einmal Revue passieren lassen. Abschließend folgen wir dem schmalen Weg über noch eine seilversicherte Stelle im Fels. Auf dem breiten Rücken geht es nun sanft bergab zum Hochmahdkopf (1738 m) und anschließend steil hinab über den Heuberg bis zum Parkplatz Halltal Eingang und zur Bushaltestelle.