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Plakate aus 70 Jahren Werbegeschichte: 10 wegweisende Werbeplakate für Tirol

01.03.2021 in Kulturleben

Peter Manninger, Tyrol, um 1990, 100 x 70 cm

Wie bringt man ein 3D-Land auf ein 2D-Plakat? Um eine Antwort waren Tiroler GestalterInnen und KünstlerInnen nie verlegen. Wir haben in den Archiven der Tirol Werbung gestöbert und zeigen euch zehn Plakat-Ikonen aus den letzten 70 Jahren.

Titelbild: Peter Manninger, Tyrol, um 1990, 100 x 70 cm, Tirol Werbung

Die TirolerInnen wussten schon immer, was ihr Land so besonders macht und warum man es besuchen soll. Es ist einfach wunderschön hier. Damit das auch alle anderen so sehen, setzten Grafiker und Künstler Menschen, Berge, Himmel und Tirol-Schriftzug immer wieder neu in Szene. Wie unterschiedlich diese Blicke sein können, zeigen wir euch anhand von Tirol-Plakaten aus 70 Jahren Design-Geschichte.

1. Winter, Sonne und eine Sportsfrau

Arthur Zelger, Tyrol, 1949, Plakat 61 x 91,7 cm, Tirol Werbung
Arthur Zelger, Tyrol, 1949, Plakat 61 x 91,7 cm, Tirol Werbung

Eine Frau beim Skifahren – und dann noch mit gelber Hose und braungebrannt! Das war 1949 ziemlich revolutionär. Die Vorlage: eine Schwarz-Weiß-Fotografie. Das Model: Martha Schöpf. Die gefiel dem Plakatgestalter Arthur Zelger so gut, dass er sie später heiratete.

2. Unendlicher Schneespaß

Maria Rehm, „Tyrol (Blauer Typoschatten mit Skifahrern)“, um 1950, Plakat, 59,7 x 84,4 cm, Tirol Werbung
Maria Rehm, „Tyrol (Blauer Typoschatten mit Skifahrern)“, um 1950, Plakat, 59,7 x 84,4 cm, Tirol Werbung

Tracht und Trachtenhüte als Skikleidung? Das war auch in Tirol unüblich. Und natürlich standen mitten auf der Piste auch keine schattenwerfenden Tyrol-Buchstaben à la Hollywood herum. Mit den verschneiten Hängen, den traditionellen Häusern und den zart angedeuteten Wedelspuren vermittelte Maria Rehm ca. fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg aber etwas anderes: unberührte Landschaft, pures Skivergnügen und Menschen, die Wert auf Tradition legen.

3. Natur pur!

Arthur Zelger, Seefeld, um 1960, 62,38 x 93,78 cm, Tirol Werbung
Arthur Zelger, Seefeld, um 1960, 62,38 x 93,78 cm, Tirol Werbung

Für einen Ort zu werben, fast ohne ihn zu zeigen – auch das braucht Mut. Wie aber hätte Arthur Zelger besser darstellen können, wie naturnah ein Urlaub in Seefeld ist, als mit den zarten Pechnelken, dem singenden Rotkehlchen und dem schneeweiß-schwarz-gefleckten Birkenstamm?

4. Tirol als Drive-in

Unbekannter Gestalter, Fotoplakat Tirol (Parkplatz Skigebiet), um 1965, Plakat, 47,4 x 77,3 cm
Tirol Werbung
Unbekannter Gestalter, Fotoplakat Tirol (Parkplatz Skigebiet), um 1965, Plakat, 47,4 x 77,3 cm Tirol Werbung

Unbekannter Gestalter, Fotoplakat Tirol (Europabrücke), um 1965, Plakat, 47,4 x 77,3 cm
Tirol Werbung
Unbekannter Gestalter, Fotoplakat Tirol (Europabrücke), um 1965, Plakat, 47,4 x 77,3 cm Tirol Werbung

Nie waren Fortschritt, Bauen und Verkehr moderner als in den 1960er-Jahren – und nie gab es in Tirol ein stärkeres Symbol dafür als die neu errichtete Autobahn und die Erschließung der Bergwelt. Stolz zeigte Tirol, welche spektakulären technischen Leistungen man erbringen konnte und wie schön die Landschaft war, die nun rasant vorüberzog. 

5. Berge, Wasser, Abendhimmel

Arthur Zelger, Tirol, 1973, Plakatentwurf, kein Auflagendruck, 61 x 88 cm
Arthur Zelger, Tirol, 1973, Plakatentwurf, kein Auflagendruck, 61 x 88 cm

Noch einmal Arthur Zelger: Von 1969 stammt dieser Entwurf für ein Werbeplakat. Die hohe schwarze Wand, die weißen Bergspitzen und das Wasser, das in die Tiefe stürzt, bilden Tirol als wilde, unberührte Natur ab. Den Werbern war diese Idee dann doch zu radikal. Weder im Zillertal, für das er zuerst entstand, noch in Tirol wurde das Plakat in größerer Auflage produziert. Der Schriftzug verweist aber immerhin darauf, dass Arthur Zelger nicht nur das berühmte Tirol-Logo gestaltete, sondern viele verschiedene Varianten dazu entwarf.

Noch einmal Arthur Zelger: Von 1969 stammt dieser Entwurf für ein Werbeplakat. Die hohe schwarze Wand, die weißen Bergspitzen und das Wasser, das in die Tiefe stürzt, bilden Tirol als wilde, unberührte Natur ab. Den Werbern war diese Idee dann doch zu radikal. Weder im Zillertal, für das er zuerst entstand, noch in Tirol wurde das Plakat in größerer Auflage produziert. Der Schriftzug verweist aber immerhin darauf, dass Arthur Zelger nicht nur das berühmte Tirol-Logo gestaltete, sondern viele verschiedene Varianten dazu entwarf.

6. Die Frau im Blütennetz

Chryseldis, Frau im Netz, 1989, Plakat, 67,5 x 94,1 cm, Tirol Werbung
Chryseldis, Frau im Netz, 1989, Plakat, 67,5 x 94,1 cm, Tirol Werbung

Wie schon nach dem Krieg ging man in Tirol auch 1988 neue Wege der Werbung. Es war die Zeit der „Piefke-Saga“, in der man sich im eigenen Land kritisch mit dem Tourismus auseinandersetzte. Künstler wie Anton Christian setzten den Mythos Tirol wirkungsvoll in Szene. Im Plakat der Tiroler Malerin Chryseldis Hofer-Mitterer sitzen die Berge als schmückender und zugleich beschwerender Aufputz auf dem Kopf einer nackten Frau im Blütennetz.  

7. Wer braucht schon einen Cola-Trinker?

Kurt Markus, Athlet, 1992, Plakat, 67,3 × 94,4 cm, Tirol Werbung
Kurt Markus, Athlet, 1992, Plakat, 67,3 × 94,4 cm, Tirol Werbung

Legendär sind die Motive, die in der Ära von Andreas Braun, Geschäftsführer der Tirol Werbung von 1989 bis 1995, und kreativen Mitarbeiterinnen wie Carla Rumler, jetzt Creative Director der Swarovski Kristallwelten, und Ulla Fürlinger entstanden. Die Schwarz-Weiß-Ästhetik von „Starkes Land“ und die dargestellten Szenerien ließen nostalgische Gefühle aufkommen. In lebhafter Erinnerung blieb vielen der Athlet mit nacktem Oberkörper und Gletscherbrille (übrigens ein paar Jahre, bevor ein berühmtes Erfrischungsgetränk Männer ohne Leiberl in Szene setzte). 

8. Weiße Weihnacht in Tirol

Werner Pawlok, Tyrol, um 1990, 100 x 70 cm
Werner Pawlok, Tyrol, um 1990, 100 x 70 cm

Noch vor dem Mann im Schwarz-Weiß-Foto entstand das Motiv mit (Groß-)Vater, Kind und Baum im Schneetreiben, umrahmt wie von einem Passepartout und mit einem nostalgischen Tirol-Schriftzug versehen. Gerade um die Weihnachtzeit ist es bis heute gefragt, leider aber schon lange vergriffen.

9. Vier Quadrate von Peter Warum

Peter Warum, [2P–CN] Kreislauf der Quadrate, 2001, Plakat, 85,4 x 86,8 cm, Tirol Werbung
Peter Warum, [2P–CN] Kreislauf der Quadrate, 2001, Plakat, 85,4 x 86,8 cm, Tirol Werbung

Und noch ein Künstlerentwurf: In Peter Warums Werken spielen Zahlen eine zentrale Rolle, so auch im 2001 entstandenen Plakatmotiv „[2P–CN] Kreislauf der Quadrate“. Der Titel bezieht sich darauf, dass in zwei Pixel (2P) am Bildschirm keine Farbe (CN) eingetragen werden konnte. Im Internet gerieten die Farbflächen, die sich aus den übereinandergelegten und gedrehten Buchstaben T I R O L ableiten, tatsächlich in Bewegung, und das an einem besonderen Ort: Sie bildeten das Intro, als kultur.tirol.at zum allerersten Mal online ging.

10. Tierisch, tierisch!

Bert Heinzlmeier, Hinterkaiserhof, 2019, Tirol Werbung
Bert Heinzlmeier, Hinterkaiserhof, 2019, Tirol Werbung

Griaß di, Ziege! Wer so freundlich dreinschaut, dem verzeiht man auch, dass ausnahmsweise keine Landschaft im Bild ist. Die Ziege im Stall gehört zu den aktuellen Sujets der Tirol Werbung und zieht gerne Blicke auf sich. Dabei hat sie eine eher unrühmliche Aufgabe: Wenn ein Link auf der Seite tirol.at ins Leere geht, erscheint die Fehlermeldung 404 mit besagter Geiß. Höchste Zeit, die unbedankte Heldin mal vor den Vorhang zu holen! 

TIPP

Die Angaben zu den Plakaten entstammen dem – leider vergriffenen – Ausstellungskatalog über den Gestalter Arthur Zelger:

Ikonen und Eintagsfliegen
von Anita Kern und Kurt Höretzeder
Innsbruck 2014

Restexemplare sind im aut. architektur und tirol erhältlich.

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