Blog
Kategorien
Kaspressknödel, © Tirol Werbung / Rodler Ilvy
Essen & Trinken
ROLF Spectacles, © Tirol Werbung / Hörterer Lisa
Unternehmen
Sepp Kahn, Almliterat, © Bert Heinzelmeier
Menschen
Bergisel, © Tirol Werbung / Schreyer David
Architektur
Imster Schemenlaufen, © Tirol Werbung / Aichner Bernhard
Kulturleben
Swarovski Kristallwelten, © Tirol Werbung / Moore Casey
Empfehlungen
Tee, © Tirol Werbung / Haindl Ramon
Wohlfühlen
Frühling in Matrei in Osttirol, © Tirol Werbung / Webhofer Mario
Natur
Kinder am Fluss, © Tirol Werbung / Herbig Hans
Familie
Olperer Hütte, © Tirol Werbung / Schwarz Jens
Krimskrams
Great Trail , © Tirol Werbung / Neusser Peter
Sport
Neue Wege
Magazin
Jagdhausalmen im Osttiroler Defereggental. Foto: Tirol Werbung.
Serien

Franz Puckl – die Koasalauf-Legende

08.02.2019 in Menschen

Franz Puckls Fotoalbum. Foto: Axel Springer
Franz Puckls Fotoalbum. Foto: Axel Springer

Der 83-jährige Franz Puckl aus Going nimmt heuer zum 47. Mal am Koasalauf teil. Noch nie fand der Bewerb ohne ihn statt. Bei seinen Vorbereitungen erzählt Puckl, wie man so lange fit bleibt, wie man Langlaufskier lieber nicht behandeln sollte und was ihn der Sport gelehrt hat.

„Ein Freund von mir sagt, dass jeder Pokal eine Erinnerung ist“, meint Franz Puckl, als er zuhause stolz seine Langlauftrophäen präsentiert, die neben Lauf-, Fußballtrophäen und zahlreichen Auszeichnungen stehen: „Je älter man wird, desto wichtiger wird es, sich zu erinnern.“ In der Schreibmaschine klemmt ein angeschriebenes Blatt Papier, an den Wänden hängen Auszeichnungen, Medaillen und bunte und schwarzweiße Fotos. „Ich habe sehr viel zu tun“, erklärt er fast nebenbei: „Zum Teil habe ich als Pensionistenobmann heute mehr Arbeit als früher, als ich noch berufstätig war“, scherzt er. Puckl war Angestellter in einem Kitzbüheler Sportgeschäft – auf diese Weise verband er Beruf und Leidenschaft.

Unzählige Sport-Trophäen zieren Puckls Haus. Foto: Axel SpringerUnzählige Sport-Trophäen zieren Puckls Haus. Foto: Axel Springer

Mit dem Sport in die Welt hinaus

Stolz holt Franz Puckl eine Fotoschachtel hervor und zeigt auf Bilder, auf denen er mit vielen anderen Läufern eine Straße entlangrennt, während ihnen von der Seite aus Menschentrauben zujubeln. Seine Liebe zum Sport habe mit Fußball begonnen, sagt er und zeigt auf alte Mannschaftsfotos, auf denen er zu sehen ist. Bis zu seinem 36. Lebensjahr hat ihn der Ballsport nicht losgelassen und als er einsehen musste, dass es genug war, begann er mit dem Laufen. „Das war in Berlin“, erkennt Puckl entzückt auf einem Foto die deutsche Hauptstadt. „Da liegt Schnee neben der Laufbahn“, deutet Puckl nochmals aufs Foto. Auf einem anderen Bild rennt er über eine grüne Wiese. „Das war in der Schweiz“, erinnert sich Puckl, legt das Foto weg, deckt ein neues auf: „Und das in San Francisco!“ Mit dem Laufen bereiste der Tiroler die Welt.

Wenn jemand Langlaufskier leihen wollte, haben wir einfach behauptet, dass wir keine haben

Langlauf-Muffel

Als passionierter Skifahrer, musste er im Winter sportlich auch nicht kürzertreten. Er bediente zahlreiche Kunden im Sportgeschäft und war auch selber gerne auf der Piste. Für fast jeden Sport konnte sich der Verkäufer begeistern, nur bei einem war er unerbittlich: „Wenn im Jänner die Hauptsaison vorbei war, schloss der Chef mittags das Geschäft und ging mit Freunden Langlaufen – das konnte ich nicht verstehen“, erinnert sich Puckl, und erzählt von Späßen, die sie sich mit Touristen im Sportgeschäft hin und wieder erlaubt haben: „Wenn jemand Langlaufskier leihen wollte, haben wir einfach behauptet, dass wir keine haben“, lacht der Skifachmann: „Natürlich ‚suchten‘ wir dann und konnten im ‚letzten Eck‘ noch welche finden und die Touristen beruhigen.“ Langlaufen war einfach keine Sportart, die im alpinen Raum für Begeisterung sorgte. „Nur wenige stolzierten über die Loipen“, erinnert sich Puckl: „Heute ist das ganz anders.“

Franz Puckl hat noch keinen Koasalauf ausgelassen. Foto: Axel SpringerFranz Puckl hat noch keinen Koasalauf ausgelassen. Foto: Axel Springer

Die Stunde null

Wieso er eines Tages dennoch die Langlaufskier schulterte und sich zusammen mit seinem Chef und dessen Freunden auf den Weg machte, weiß er heute nicht mehr. Womöglich war es ein Wink des Schicksals. Wunderschönes Wetter soll an jenem Montag geherrscht haben, als Puckl auf finnischen Skiern den drei Freunden hinterhertrabte und immer wieder beobachtete, wie sie nach vorne glitten. „An diesem ersten Tag musste ich alles von Grund auf lernen und fiel erstmal 200 Meter zurück“, erinnert sich Puckl. Schon beim zweiten Mal stand er seinen Sportsfreunden in nichts nach: „Zwar war ich letzter, doch hielt ich die ganze Stunde lang das Tempo“, meint er stolz. Und schon beim dritten Mal zog er das Feld hinter sich her, wie er sagt. Sein Chef und dessen Freunde waren sichtlich beeindruckt. Sie waren froh, jemanden für das Langlaufen begeistert zu haben.

Der erste Koasalauf

Dann erzählte der Chef von einem neuen Langlaufevent, dem sogenannten Koasalauf, der am Sonntag stattfinde. Der solle ganze 72 Kilometer lang sein: Ob sie da denn nicht teilnehmen wollten? Die Strecke schreckte aber alle ab. Bisher seien sie höchstens zwölf Kilometer langgelaufen und jetzt so eine lange Strecke? Er beruhigte sie aber: Man könne auch „nur“ von Kitzbühel nach Kössen laufen, das wären 42 Kilometer. Die 30 weiteren nach St. Johann dürfe man sich sparen. Das Wetter war schön, das Langlaufen machte Spaß und aus der Stimmung heraus entschieden sie sich, das Abenteuer zu wagen und beim ersten Koasalauf der Geschichte, im Jahr 1973, mitzumachen.

Franz Puckl beim Koasalauf 1973. Foto: W. Angerer, Kitzbühel2Franz Puckl beim Koasalauf 1973. Foto: W. Angerer, Kitzbühel2

Klister, Wachs und ein Arzt

Schon am Samstag schlug das Wetter völlig um: Es begann zu schneien, zwischendurch gab es auch Regen und Wind. Vom schönen Wetter der vergangenen Woche war nichts mehr zu sehen. Unter diesen Bedingungen war noch niemand von ihnen langgelaufen. Was sollten sie nun machen? Wie waren die Skier zu behandeln? Ein Arzt aus Kitzbühel war der einzige, von dem sie glaubten, Hilfe bekommen zu können. Sie erklärten ihm, dass sie bisher die Skier geteert hatten und Klister sei auch drauf. Der Arzt überlegte kurz und sagte dann, dass sie den Klister mit Wachs abdecken sollten, das würde bei diesen Wetterbedingungen helfen. Außerdem sollen sie sich leicht anziehen, da man bei der Bewegung sowieso schwitzen würde.

Mit letzter Kraft

„Mit dem Trockenwachs zogen wir den Klister nur in die Länge und als wir starten wollten, merkten wir, dass auf unseren Skiern ein undefinierter Matsch klebte und sie gar nicht rutschen wollten“, erinnert sich Puckl und lacht über ihre Misere. Sie versuchten ihre Skier vor dem Rennen an einem Zaun abzuschaben, mussten aber bald feststellen, dass das nur wenig brachte. „Alle zogen an uns vorbei und wir stampften angestrengt hinterher“, sagt Puckl. Als die Sportler etliche Stunden später in Kössen ankamen, war fast niemand mehr an der Labestation: „Wir gehörten zur letzten Gruppe, und so wollte ich das nicht auf mir sitzen lassen.“ Ohne lange zu rasten, machte sich Puckl auf den Weg nach St. Johann. Seine Freunde versuchten ihn noch davon abzuhalten, doch er ließ sich nicht beirren. Mit vollem Einsatz zog er seine schwerfälligen Skier die Berge hoch und schob sich, unter Aufbietung seiner letzten Kräfte, mit den Stöcken die Strecke entlang. Schritt für Schritt näherte er sich seinem Ziel und konnte nach mehr als zehn Stunden mehr als nur stolz auf sich sein.

Heutzutage lassen sie mich früher starten, weil ich der Puckl Franz bin.

Franz Puckl bei den Vorbereitungen zum Koasalauf 2019. Foto: Axel SpringerFranz Puckl bei den Vorbereitungen zum Koasalauf 2019. Foto: Axel Springer

Ins Langlaufen verliebt

Der Sport habe ihn vor allem eins gelehrt: Solange es geht, solle man dabei sein und erst am Ende dem Schmerz nachgeben. Nach diesem ersten Koasalauf im Jahr 1973 war Franz Puckl endgültig ins Langlaufen verliebt und reiste von nun an auch im Winter um die Welt. Schon zwei Jahre später nahm Puckl am legendären Wasalauf in Schweden teil. Seit seinem ersten Antreten beim Koasalauf in St. Johann in Tirol fand der Bewerb kein einziges Mal ohne seine Beteiligung statt. „Heutzutage lassen sie mich früher starten, weil ich der Puckl Franz bin. Die wollen nicht im Ziel auf mich warten“, scherzt der Pensionist.

Text: Haris Kovacevic

Dieser Beitrag wurde von einem Gastautor geschrieben. Nähere Infos zur Person findest du im Beitrag.

Letzte Artikel von Gastautor
Aktualisiert am 12.05.2021 in Familie
Familienglück am Berg?
8 Min Lesezeit
Josef Tipotsch kocht im Hotel Jäger in Tux.
Aktualisiert am 17.03.2021 in Magazin
Kochende Leidenschaft
10 Min Lesezeit
Aktualisiert am 24.02.2021 in Magazin
Fliegen oder liegen?
14 Min Lesezeit
Fiss-Ladis, Bertas Kinderland
Aktualisiert am 24.02.2021 in Familie
Skiurlaub mit Kindern – alles was ihr wissen müsst
7 Min Lesezeit
Urlaub auf dem Bauernhof in Osttirol
Aktualisiert am 24.02.2021 in Familie
Urlaub auf dem Bauernhof in Osttirol
7 Min Lesezeit
Aktualisiert am 02.12.2020 in Magazin
Alles klar?
12 Min Lesezeit
Mit dem Rad von Wien nach Tirol
Aktualisiert am 30.11.2020 in Sport
Mit Rad und Pack – einmal von Wien nach Tirol
6 Min Lesezeit
U-Bahn-Station in Serfaus. Foto: Andreas Kirschner
Aktualisiert am 14.10.2020 in Empfehlungen
Einsteigen, umsteigen, aufsteigen
7 Min Lesezeit
Es muss nicht immer Asphalt sein: Radfahren am Reither Kogel im Alpbachtal.
, © Tirol Werbung, Georg Marshall
Aktualisiert am 25.09.2020 in Empfehlungen
Sharing is Caring
7 Min Lesezeit
Aktualisiert am 15.07.2020 in Magazin
Tour de Tirol
8 Min Lesezeit
Aktualisiert am 31.03.2020 in Magazin
Mehr Bio geht nicht: Wildfleisch aus Tirol
4 Min Lesezeit
Das Tiroler Meer: Mit dem Gravelbike am Achensee.
Aktualisiert am 30.03.2020 in Magazin
Gravelbike-Routen in Tirol
5 Min Lesezeit
Ob Bergführer Horst Fankhauser heute nochmal mit dem alten Equipment einen Berg besteigen würde? – „Ohne Weiteres!“
Aktualisiert am 16.03.2020 in Menschen
Lernen von früher
7 Min Lesezeit
Aktualisiert am 17.11.2019 in Magazin
Das Wir-Hotel
4 Min Lesezeit
Alle Jahre wieder Titelbild
Aktualisiert am 05.11.2019 in Magazin
Alle Jahre wieder
3 Min Lesezeit
gastfreundschaft
Aktualisiert am 28.10.2019 in Magazin
Echte Gastfreundschaft
7 Min Lesezeit
grüne kunst
Aktualisiert am 13.05.2019 in Magazin
Grüne Kunst
4 Min Lesezeit
zurück in die zukunft
Aktualisiert am 13.05.2019 in Magazin
Zurück in die Zukunft
6 Min Lesezeit
grenze_1
Aktualisiert am 06.05.2019 in Sport
Cross Alps: Zwei Studenten treten in die Pedale
7 Min Lesezeit
winterfest
Aktualisiert am 09.11.2018 in Magazin
Winterfest
7 Min Lesezeit
um himmels willen
Aktualisiert am 16.10.2018 in Magazin
Um Himmels willen!
15 Min Lesezeit
Das Deckblatt des Erstdrucks der Noten des Liedes der Geschwister Strasser –„treu diesen trefflichen Natursängern nachgeschrieben“.
Aktualisiert am 16.10.2018 in Magazin
Der Anfang vom Lied
5 Min Lesezeit
Aktualisiert am 16.10.2018 in Magazin
Ich übermale Problemzonen
6 Min Lesezeit
Graukäsesuppe lässt sich mit Radieschenscheiben und geriebenem Roggenbrot schön garnieren.
Aktualisiert am 16.10.2018 in Magazin
An Guadn! Suppenrezepte aus Tirol
5 Min Lesezeit
Ort: Neustift, Stubai Tirol | © TVB Stubai Tirol/Andre Schönherr
Aktualisiert am 24.07.2018 in Empfehlungen
WildeWasserWeg Stubai
2 Min Lesezeit
Nauders Ortsansicht
Aktualisiert am 13.07.2018 in Empfehlungen
Ein Tag auf den historischen Pfaden in Nauders
3 Min Lesezeit
Tipps für den Skiurlaub in Ischgl, Foto: Tourismusverband Ischgl
Aktualisiert am 05.07.2018 in Empfehlungen
7 Tipps für den perfekten Skiurlaub in Ischgl
4 Min Lesezeit
Blick von der Salvenkapelle auf die Berge
Aktualisiert am 05.07.2018 in Sport
Wiedergefundenes Pistenglück: Zurück auf die Ski in Tirol
5 Min Lesezeit
Wandern mit Hund in Tirol
Aktualisiert am 12.06.2018 in Sport
Verhaltenstipps für das Wandern mit Hund
3 Min Lesezeit
vignette2012
Aktualisiert am 18.04.2018 in Krimskrams
Vignette ab Grenze Kiefersfelden bis Kufstein?
2 Min Lesezeit
strukturtalent
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Strukturtalent
8 Min Lesezeit
deixl eini
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Deixl eini!
9 Min Lesezeit
Wasser ist nicht gleich Wasser hat unsere Autorin gelernt.
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Aus sicherer Quelle
11 Min Lesezeit
Erich Gatt hat auf der Zeischalm eine kunstvolle Welt aus Steinen erschaffen.
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Alter Meister
11 Min Lesezeit
Im Innsbrucker Spielraum FabLab lernen die Besucher, industrielle Maschinen für eigene Zwecke zu nutzen.
Aktualisiert am 09.03.2018 in Magazin
Mit Hand und Fuß
6 Min Lesezeit
SPECTRE-in-Tirol_02-©-2015-Sony-Pictures-Releasing-GmbH-1024×682
Aktualisiert am 14.11.2017 in Krimskrams
Filmland Tirol: Wir sind James Bond, wir sind Film
4 Min Lesezeit
Heute in Magazin
Mann oder Mäusschen?
11 Min Lesezeit
27.05.2021 in Magazin
Der Inn des Lebens
2 Min Lesezeit
Alle Artikel von Gastautor
Keine Kommentare verfügbar
Kommentar verfassen

Einfach weiterlesen

nach oben
Wenn Sie uns Ihre Email-Adresse verraten...

...verraten wir Ihnen im wöchentlichen Newsletter die besten Urlaubstipps aus Tirol!