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Reini Scherer: Ein Visionär, der Spuren hinterlässt

Aktualisiert am 07.09.2022 in Sport

Geht es um den Klettersport in Tirol, führt kaum ein Weg an Reini Scherer vorbei. Der Kletterpionier ist weitum bekannt als Trainerpapst und Geschäftsmann mit Weitblick. Ein gemeinsamer Tag am Fels zeigt: Dieser Mann hat viele Gesichter.


Was schreibt man über jemanden, der sich weltweit einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat? Beginnt man mit den Superlativen, etwa damit, dass er als Trainer 13 WM-Titel gewonnen hat? Damit, dass er eine der modernsten Kletterhallen der Welt führt? Beim Familienvater? Oder aber man beginnt die Geschichte beim Menschen selbst: Reinhold Scherer, 56 Jahre aus Obsteig bei Mieming. 

Der Erfolgstrainer

Wir treffen Reini in Silz. Schon von weitem erkennt man ihn an seiner großgewachsenen und schlaksigen Statur. Stets ein Lächeln im Gesicht. Die Haut von der Sonne gegerbt. Vielleicht ist sie auch gezeichnet von den vielen Abenteuern, den Höhen, den Tiefen. Er nimmt uns mit zu einem seiner neuen „Platzl“. So bezeichnet Reini Scherer jene Orte, an denen er unzählige Stunden verbringt, um neue Kletterrouten in den Fels zu bauen. So auch vergangenen Winter. „Für mich ist das fast wie eine Droge“, gesteht der 56-Jährige. „Ich werde unruhig, wenn ich kein neues Platzl schaffen kann. Ich brauche immer ein Projekt, an dem ich eine Zeitlang arbeite. Die Arbeitsstunden darf ich gar nicht zählen. Aber darum geht es nicht.“ 


Wir folgen Reini auf einem schmalen Pfad. Es geht steil bergauf durch unwegsames Gelände. Sinnbildlich für den Lebensweg des Kletterpioniers. Was vor mehr als 30 Jahren als Sportstudent mit einem Kletterkurs für Kinder beginnt, endet 2021 mit der ersten olympischen Medaille durch Jakob Schubert, der Bronze im Kombi-Bewerb holt. Dazwischen liegen 13 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften. Im Laufe seiner Jahre als Trainer entdeckt er Klettertalente wie Angy Eiter, Anna Stöhr oder David Lama und führt sie an die Weltspitze. So viel zum Trainergesicht des Reinhold Scherer.

Der Kletterpionier

Aber er wäre eben nicht dieser Mann, würde er sich mit nur einer Facette zufriedengeben. Bereits als junger Bursch begleitet Reini seinen Vater bei Bergrettungsübungen und kommt dadurch mit den Herausforderungen in der freien Natur in Berührung. Als Jugendlicher besucht der gebürtige Osttiroler das Franziskanergymnasium in Hall und verbringt seine Wochenenden zunehmend kletternd im Halltal. „Damals vor 35 Jahren haben sie uns als Spinner bezeichnet. Viele glaubten, das sei zu gefährlich. Es hat kaum Bohrhaken oder Sportkletterrouten gegeben.“ Heute ist das anders. Tirol hat sich in den vergangenen Jahren zu einem kleinen, aber feinen Kletter-Mekka entwickelt. Mittlerweile finden sich hierzulande mehr als 130 Sportklettergärten, rund 600 Mehrseillängentouren und 151 Eiskletterrouten. Vergangenen Winter sind wieder ein paar Sportkletterrouten dazu gekommen, dank Reini. 

Der Weg führt uns hinauf zu eben diesem Felsen, zu seinem „Platzl“. Reini kennt diesen Weg. Er hat ihn selbst angelegt, genauso wie die neuen Routen im Fels. „Mittlerweile habe ich knapp 1.500 Seillängen eingebohrt. Ich führe genau Buch.“ Akribisch und ausdauernd, so könnte man den Reini also auch beschreiben. Fokussiert aber immer mit Weitblick. Mittlerweile sind wir oben angekommen. Von dort hat man einen wunderbaren Blick über das Inntal. „Im Winter hat dieser Platz einen besonderen Charme. Wenn die Sonne tief steht und sich der Fels orange färbt, das Dorf im Tal von der Wintersonne sanft erwärmt wird, dahinter die Berge, das ist für mich Tirol.“ 

Vom Spinner zum Ruhesuchenden

Unser Fotograf nutzt diesen Platz für ein paar Portraitaufnahmen. „Und jetzt ein verschmitztes Lächeln bitte“, bekommt Reini ein paar Anweisungen. Er ist es gewohnt, dass die Kameras auf ihn gerichtet sind. Jeder Klick ein neues Foto, ein anderer Reini. Auch so zeigen sich die vielen Gesichter des Reini S. Diesmal rein optisch und ganz plakativ. Aber zurück zu jenem Reini, der es nach wie vor liebt, selbst am Fels zu klettern. „Klettern ist ein zentraler Bestandteil in meinem Leben. Früher war ich bestrebt schwer zu klettern. Ich wollte zu den Besten gehören. Heute ist das anders. Das Extreme brauche ich nicht mehr, mir geht es vielmehr darum, coole Plätze zu entdecken und das Alleinsein zu genießen. Ich liebe es, wenn ich hier an mein Platzl komme und die Gedanken schweifen lassen kann. Das ist der Ausgleich für meinen Job, wo ich oft mit tausenden von Menschen zu tun habe.“ 

Der Geschäftsmann

Und damit wären wir bei einer neuen Facette, einem weiteren Gesicht von Reini. Als Geschäftsführer des Kletterzentrums Innsbruck führt er eine der weltweit modernsten Kletterhallen. Mit mehr als 500 Sportkletterrouten und 200 Bouldermöglichkeiten findet dort nicht nur der Spitzensport eine neue Trainingsstätte der Superlative, auch Hobbysportler kommen mit zunehmender Begeisterung ins KI. Vielleicht liegt es am Gespür für Trends oder einfach an der Hartnäckigkeit und Ausdauer die Reini im Zuge dieses Projekts beweist. Fest steht, Klettern boomt. „Im Gegensatz zu früher, als wir eine Handvoll Kletterer waren und als Spinner bezeichnet wurden, ist das Klettern heute gesellschaftsfähig. Das gehört zu unserem Lebensstil mittlerweile einfach dazu.“ Sein Erfolgsrezept? „Ich bin kein Multitasking-Typ. Ich setze mir einfach immer wieder neue Projekte, die ich dann mit aller Energie und Kraft akribisch bis zum Schluss verfolge.“ 

Bleibt zuletzt die Frage, welches Gesicht dem Reini am besten steht? Das des Erfolgstrainers, des Geschäftsmannes oder doch jenes Gesicht des Draufgängers, mit zunehmender Sympathie für das Ruhige? Für ihn selbst ist es die Summe seiner zahlreichen Gesichter, die das Gesamtbild ausmachen. Alle Facetten brauchen einander, um eben der Reini zu sein: Trainer, Geschäftsmann, Kletterpionier, Visionär, Familienvater und noch so vieles mehr. Für kurze Zeit genießen wir die Stille. Spätestens jetzt wissen wir, warum das hier sein Lieblingsplatzl ist. In Reini‘s Gesicht zeichnet sich ein Schmunzeln ab. Sein Blick schweift nach unten. Was er wohl gerade denkt? An ein neues Projekt, ein neues Platzl oder genießt er einfach nur den Moment der Ruhe? 

 

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