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20 Fakten über die Bergisel Sprungschanze

Etwas erhöht und weithin sichtbar, steht die Bergisel-Schanze nur wenige Minuten vom Stadtzentrum Innsbrucks entfernt. Das bautechnische Meisterwerk wurde von der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid entworfen und ist eine der wichtigsten Stationen des FIS-Skisprungweltcups.

1. Skisprungsport an einem historischen Ort

Bevor der Bergisel für seine Sprungschanze berühmt wurde, war er vor allem als Schauplatz historischer Schlachten bekannt. Im Jahr 1809 kämpften Tiroler Streitkräfte unter der Führung von Andreas Hofer insgesamt viermal gegen Napoleons Truppen. Ein Denkmal erinnert noch heute an den sogenannten „Tiroler Volksaufstand“. Ausgrabungen belegen außerdem, dass der Bergisel schon in der Jungsteinzeit ein Brandopferplatz war. 

Andreas Hofer Statue

2. Die Anfänge des Skisprungs in Tirol

Insgesamt 67 Skisprungschanzen gibt bzw. gab es in Tirol, die meisten wurden zwischen der Jahrhundertwende und den 1930er Jahren gebaut. Allein im heutigen Innsbruck gab es fünf Schanzen: auf der Hungerburg, in Amras, Igls, beim Husslhof (Wiltenberg) und am Bergisel. Heute wird tirolweit noch auf 9 Schanzen aktiv gesprungen, wobei die Toni-Seelos-Olympiaschanze in Seefeld und die Bergiselschanze in Innsbruck am bekanntesten sind. 

3. Die Anfänge des Skisprungs auf der Bergiselschanze

Bereits im Jänner 1927 fand das erste Springen am Bergisel vor 5.000 Zuschauer:innen statt, damals noch auf einer Naturschanze. Der Schanzenrekord lag bei 47 Metern. Nur ein Jahr später wurde bereits ein Anlaufturm errichtet, um Sprünge auf 70 Meter zu ermöglichen. An der Schanze wurde laufend gearbeitet, der Schanzenrekord lag zuletzt bei 75 Metern, die Zuschauerzahl bei 20.000. Diese positive Entwicklung fand jedoch 1941 ein jähes Ende, als der Anlaufturm während eines Besuchs zweier Jugendfußballmannschaften zusammenbrach. Die Bergiselschanze musste abgerissen werden und wurde erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1949 wieder aufgebaut. 

4. Der Bergisel ist olympisch

Bereits dreimal kam die Sportstätte schon zum olympischen Einsatz: Bei den Winterspielen in den Jahren 1964, 1976 und bei den Olympischen Jugendspielen im Jahr 2012. Alle Veranstaltungen wurden im Bergisel-Stadion eröffnet. 

5. Drei Feuer am Bergisel

Eine Eröffnungsfeier von Olympischen Spielen ohne das Olympische Feuer? Undenkbar! Und weil Innsbruck die Spiele gleich dreimal ausrichtete, stehen am Bergisel auch ebensoviele Feuerschalen. 1964 wurde das Feuer übrigens erstmals wieder im griechischen Olympia mit einem Hohlspiegel entzündet und nach Innsbruck gebracht. 2026 brannte es zuletzt anlässlich des 50jährigen Jubiläums der XII. Winterspiele. 

Eröffnungsfeier der olympischen Winterspiele am Bergisel

6. Die Vierschanzentournee am Bergisel

Die Bergiselschanze war von Anfang an Austragungsstätte der Vierschanzentournee. Vereinbart wurde dies während eines Nachtspringens auf der Innsbrucker Seegrube 1952. Seit 1953 findet die Veranstaltung auch am Bergisel statt – nur zweimal musste das Springen abgesagt werden. 2008 und 2022 nämlich war der bekannte Innsbrucker Föhn zu stark, um die Sicherheit der Sportler garantieren zu können. 

Es scheint, als springt der Skispringer direkt in die Stadt

7. Der Baustellen-Wettbewerb

Da die Schanze für die IX. Olympischen Spiele 1964 modernisiert wurde und die Arbeiten auch im Winter andauerten, wurde die Vierschanzentournee 1961 am Bergisel kurzerhand auf der Baustelle ausgetragen. Einmalig in der Geschichte des Wettbewerbs! Nur 2002 passierte ähnliches, als das Springen auf der noch nicht offiziell eröffneten neuen Bergiselschanze stattfand. 

8. Internationale Wettbewerbe am Bergisel

Neben den Olympischen Spielen wurden am Bergisel – zusammen mit Seefeld – drei Nordische Weltmeisterschaften ausgetragen: 1933, 1985 und 2019. Zahlreiche Skisprung Continental Cups und Skisprung Grand Prix machten am Bergisel ebenso Halt, wie der Air & Style, der hier zwischen 1994 und 2015 insgesamt zwölfmal stattfand. 2026 fand letzterer seine Fortführung übrigens unter dem Namen Airdrenaline. 

9. Sommerliche Sportveranstaltungen am Bergisel

Der Bergisel ist so wandelbar wie ein Chamäleon, wenn es zur Nutzung der Schanze kommt. 2004 wurde im Auslauf der Schanzenanlage eine Tennisarena errichtet, auf dem der Fed Cup ausgetragen wurde. Im Sommer 2008 verwandelte sich die Sprungstätte im Rahmen der Fußball-Europameisterschaft kurzerhand in eine Public-Viewing-Arena. Und in den Jahren 2022 und 2025 fand dort das Event „Red Bull 400“ statt, wo tausende Teilnehmer bei den härtesten 400 Meter der Welt an ihre Grenzen gingen, um die legendäre Skisprungschanze von unten nach oben zu bezwingen. 

10. Auch als Veranstaltungsstätte vielfältig

Der Bergisel hat schon zahlreiche Prominenz gesehen – so etwa Miles Davis, Udo Lindenberg, Steve Coleman, Paco de Lucis und John McLaughlin während des „Utopia Festivals“ 1987 oder H-Blockx, Clawfinger, Massive Attack, Ugly Kid Joe und Cypress Hill im Rahmen des Air&Style, um nur wenige zu nennen. 1988 feierte außerdem Papst Johannes Paul II. im Bergiselstadion eine Messe mit zahlreichen Gläubigen – man spricht von 38.000 bis 60.000 Besucher:innen. 

11. Eine neue Schanze für den Bergisel

1999 kündigte der Internationale Skiverband an, der mittlerweile in die Jahre gekommenen Bergiselschanze die Sprungtauglichkeit zu entziehen. Noch im gleichen Jahr schrieb die Stadt Innsbruck einen Internationalen Wettbewerb für den Bau einer neuen Schanze aus. Der Zuschlag ging Zaha Hadid. 

12. Die Königin der Kurven

Die 2016 verstorbene irakisch-britische Architektin Zaha Hadid war vor allem für ihre präzisen, futuristischen Skizzen und die kurvigen Linien ihrer Gebäude bekannt. Als erste Frau erhielt sie 2004 die bedeutendste Ehrung in der Architektur, den Pritzker-Architekturpreis. Die Herausforderung der Bergisel-Schanze, so Zaha Hadid, habe darin gelegen, ein ursprünglich fremdes Element (Café und Aussichtsterrasse) in eine vorgegebene Formel (die Sprungschanze) zu integrieren. Und, kleiner Spoiler, die Mühe hat sich gelohnt: 2002 wurde die Skisprungschanze mit dem Österreichischen Staatspreis für Architektur ausgezeichnet. 

verschneite Bergiselschanze aus der Vogelperspektive fotografiert

13. Neustart mit großem Knall

Bevor die eigentlichen Bauarbeiten beginnen konnte, musste erst die ausgediente Bergiselschanze weg. Im März 2001 kam es zur spektakulären Sprengung des alten Schanzenturms, welche sich durch die umliegende Brennerautobahn und die Schienenanlagen als nicht ganz unkompliziertes Vorhaben herausstellte. 

Sprengung der alten Bergiselschanze
Die alte Schanze wird mit einem Kran abgetragen

14. Nachtschichten für die Bergisel-Schanze

Kaum war die „alte“ Schanze entsorgt, konnte mit dem Bau der neuen Sprunganlage begonnen werden. Der Plan: Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Vierschanzentournee sollte das Tournee-Springen auf der neuen Anlage stattfinden. Es wurde Tag und Nacht gearbeitet, um das heute beinahe utopisch anmutende Ziel zu ermöglichen. 10 Monate nach Baubeginn konnte das Springen tatsächlich stattfinden. 

15. Und der Premierensieg geht an:

Den Premierensieg schnappte sich der Deutsche Sven Hannawald, der im weiteren Verlauf der Vierschanzen-Tournee sogar als erster Skispringer der Geschichte alle vier Springen gewinnen konnte. Der gebürtige Schwarzwälder siegte mit Weiten von 134,5 und 128 Metern. Seine Worte zum Sprung: „Es ist einfach ein schönes Gefühl. Das ist Genießen pur.“ 

16. Schanzenrekorde und der lange Weg zum Heimsieg

Den Schanzenrekord bei den Skispringern hält im Winter der österreichische Skispringer Michael Hayböck (2015) mit 138 Metern. Im Sommer gilt es Adam Malysz (2004) mit 136 Metern zu toppen. Den Schanzenrekord der Damen hält Sara Takanashi mit ebenfalls 136 Metern. 

Den ersten österreichischen Heimsieg holte sich Wolfgang Loitzl erst sieben Jahre nach dem ersten Skispringen am neuen Bergisel. Damit war endlich der Bann gebrochen und auch in den darauffolgenden vier Jahren triumphierten mit Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler gleich drei weitere ÖSV-Adler in Innsbruck. 

Jährlich reisen bis zu 22.500 Fans zum Tourneespringen an den Bergisel, verwandeln das Stadion in einen regelrechten „Hexenkessel“ und sorgen für eine im Skisprungweltcup einzigartige Atmosphäre. 

Thomas Morgenstern lächelt in die Kamera vom Zitterbalken aus

17. Premiere zur 75. Vierschanzentournee

Bei der Vierschanzentournee 2026/2027 gingen erstmals auch Frauen an den Start. Um das Springen auch bei Dunkelheit zu ermöglichen, mussten im Herbst 2026 sieben Flutlichtmasten installiert werden. 

18. Sportstätte und Ausflugsziel

Ein Bild von der dritten Schlacht am Bergisel kann man sich beim Riesenrundgemälde im Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum machen. Neben weiteren Ausstellungen gibt es dort auch einen Rundweg, der um die Bergiselschanze herumführt und unterwegs das eine oder andere Panorama öffnet. 

Fun Fact am Rande: Das Riesenrundgemälde befand sich früher in der Rotunde bei der alten Hungerburgbahn aus dem Jahr 1906. Nach etwa hundert Jahren wurde eine neue Hungerburgbahn weiter westlich errichtet und zwar von keiner Geringeren als Zaha Hadid. 

19. Auch ohne Schweiß einen Preis

455 Stufen führen vom Eingang des Stadions bis zum Schanzenkopf. Die Strecke lässt sich aber auch mit dem Schrägaufzug und dem Turmlift bewältigen. Dauert dann nur 2 Minuten. 

20. Zittern, Schauen und Genießen

Die Vorstellung, ganz oben am Schanzenturm zu stehen, ist für Nicht-Skispringer:innen vielleicht weniger genussvoll – der Absprungbalken heißt ja auch nicht umsonst Zitterbalken. Wer sich traut, kann hier im Sommer aber sogar kurz probesitzen. Wer lieber nur genießt, setzt sich ins Panoramarestaurant „Bergisel Sky“ und erfreut sich von dort der Aussicht. Noch weiter oben am 50 Meter hohen Turm bietet eine Plattform außerdem einen 360° Rundblick auf die Stadt und die umliegende Bergkulisse. 

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