Die 3-tägige Tour führt uns rund um die "Eiger Nordwand" Tirols und erlaubt einen Blick sowohl auf ihre abweisende wie auch auf ihre freundliche Seite. Wenn alle Faktoren passen, dann genießt man auf der Rundwanderung ein außergewöhnliches Bergerlebnis im Atem der 3.000er.
Nach einer geruhsamen Nacht sind wir für die heutige fordernde Tagestour gerüstet. Bevor wir unser kuscheliges Quartier verlassen, werfen wir noch einen Blick auf die schöne Kletterlinie der berühmten Fußstein-Nordkante. Dieses alpine Abenteuer muten wir uns heute jedoch nicht zu, sondern schlendern stattdessen entspannt auf dem breiten Weg, der mit großzügig angelegten Serpentinen glänzt, durch einen lichten Zirbenwald Richtung Talboden. Vorbei an der Talstation der Materialseilbahn, der Alteralm und der Flittneralm erreichen wir die Touristenrast (1.245 m) im Valsertal. Nach einer Stärkung gehen wir kurz talauswärts und biegen bei nächster Gelegenheit in eine breite Straße nach links auf den Geistbeckweg ab. Wir folgen der leicht ansteigenden Fahrstraße vorbei am Parkplatz Nockeralm, die kurz darauf steiler werdend in eine Schotterstraße übergeht, bis diese links abzweigt und wir dem Wanderweg weiter gerade folgen. Merklich steiler winden wir uns durch den Wald hinauf und fragen uns, wie es hier wohl weiter gehen mag? Wir queren auf einem liebevoll in Stand gehaltenen Weg mehrere felsige Bachgräben, wobei die ausgesetzten Stellen gut abgesichert sind. Erstaunlicherweise ließ sich das als unüberwindbare Barriere anmutende Hindernis doch leichter bezwingen und wir sind heilfroh, wenn wir das Grabengewirr endlich überwunden haben. Ein markantes Latschenfeld führt uns zu einem gelben Wegweiser und unsere Stimmung hebt sich, wenn wir den beindruckenden Kessel der Zeischalpe betreten. Die Bewirtschaftung der Alm ist aufwendig und mit großen Widrigkeiten für Mensch und Tier verbunden. Umrahmt von einer wilden Felskulisse, schmiegt sich die Zeischalm als Bastion gegen die schroffen Wände in das Kar und bietet uns bis zum Erreichen unseres heutigen Etappenziels die letzte Möglichkeit, unsere Trinkwasserreserven aufzufüllen. Wir lassen die Alm links liegen und folgen dem nicht immer gut ersichtlichen und allmählich nach Westen drehenden Wipptaler Höhenweg durch das Stierkar geradewegs auf den langen, sperrenden Felsriegel zu. Mit jedem Schritt, mit dem wir der " Langen Wand" näherkommen, wird der weitere Wegverlauf offensichtlicher. Ein freches Grasband, das den Felspanzer entzweit, dient uns als Weg. Über die gut mit Seilen versicherte Stelle helfen uns Leitern problemlos hinweg.
Wir betreten einen breiten Rücken, der uns mit einem tollen Blick auf ein wildes Hochkar und die Saxalmwand empfängt. Wir folgen dem Weg und gelangen unschwierig auf das Sumpfschartl (2.666 m). Betulich führt uns der jenseitige Pfad in 1,5 Std. durch ein verspieltes Gelände auf die Landshuter Europahütte (2.693 m). Wer noch Muße besitzt, sollte den in knapp einer Stunde zu erreichenden Kraxentrager besteigen, der mit 2.999 m knapp an der 3000er-Marke vorbeischrammt, aber seinen großen Nachbarn in nichts nachsteht.
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