Bürger Schippel - Geschichten - kultur.tirol
Bürger Schippel
Haller Gassenspiele 2019

Bürger Schippel

Wie aus Schippel ein Bürger wird, zeigen die Haller Gassenspiele vom 28. Juni bis 26. Juli 2019 im Hof der Burg Hasegg. Fotos: Haller Gassenspiele

„Das Leben hat kein Geländer!“

Nein, leicht macht man es sich bei den Haller Gassenspielen nicht. Die Theatertruppe findet immer wieder herausragende Stoffe, die Gesellschaftskritik, Sprachwitz, fein geschliffenes Wort und Satire miteinander verbinden und zugleich großes Theater sind: „Der Finanzprüfer“ nach Nikolai Gogol gehört ebenso dazu wie Dario Fos „Bezahlt wird nicht“ oder „Der tollste Tag“ von Peter Turrini. Zugleich stellen solche Stücke aber hohe Anforderungen an Regie, Spieler und das ganze Team – die aber, das sei gleich zu Beginn gesagt, immer bravourös gemeistert werden. Bei „Bürger Schippel“, Carl Sternheims unterhaltsam-böser Abrechnung mit dem wilhelminischen Bürgertum und seinem Standesdünkel, verhält es sich nicht anders: Im Hof der Burg Hasegg steigert sich das hoch dramatische, verwickelte Werk über knapp zwei Stunden zum entlarvenden Finale. Aus dem unehelich geborenen Kneipensänger Schippel wird – nach Demütigungen und Umwegen, Zufällen und Irrungen – ein geachteter Bürger. Dazwischen stehen ein Todesfall, allerlei Liebeshändel, ein Sängerstreit, ein Duell – und eine ganze Reihe von klugen, pointierten, scharfzüngigen Sätzen wie „Das Leben hat kein Geländer!“ oder „Nur keine Rücksichten, will man zu echter Verständigung kommen.“

Bürger Schippel Kindler
Bürger Schippel Garderobe
Bürger Schippel Regie

Probenarbeit mit Leidenschaft und großem Spaß: Haller Gassenspiele bei der Vorbereitung zu „Bürger Schippel“ 

Standfest auf wackeligem Grund

Das Ganze findet auf einer kreisrunden, kippbaren Bühne mit wenigen flexiblen Bühnenelementen und noch weniger Requisiten statt – je nach Fährnissen der Helden ist sie mal schiefe Ebene, mal Abgrund, mal fester Boden, mal Liebesnest. So wackelig mitunter der Untergrund, so sicher bewegt sich das bewährte Ensemble unter der Leitung von Alexander Sackl durch das verwinkelte Textgebäude – allen voran Wolfgang Klingler, Maximilian Kindler und Wolfgang Viertl als ehrbare Bürger Hicketier, Wolke und Kley und Christina Matuella als Hicketiers Schwester Thekla. Leidenschaftlich werden hier Snobismus und revolutionäres Aufbegehren, Rachsucht und Engstirnigkeit, Ehrgefühl und Aufmüpfigkeit zelebriert. Man sieht und staunt! Ein besonderes Schaustück ist, wie Matuella als kokette Thekla und Marcus Freiler als liebestoller Fürst einander umgarnen. Das hat etwas vom berühmten Veroneser Liebespaar – und ist doch so doppelbödig und leichthändig, dass man mit Freuden sieht, wie die zwei sich finden. So kommt’s, wie’s kommen muss: Schande, Ausweg, Umkehr, Knalleffekt, Schuss und Schluss – ein wunderbarer Theaterabend.

Quartettgesang
Drei Sänger … 

… sind kein Quartett. So muss Schippel einspringen.

Mit einem Leichenzug …
Mit einem Leichenzug …

… fängt alles an – und nimmt rasant Fahrt auf.

Die Damen …
Die Damen …

unterhalten sich und ihr Publikum.

Mit einem Duell …
Mit einem Duell …

… endet Schippels Leben als Mann niederen Standes.

Ehrbezeigung
Ehrbezeigung

Hicketier erweist Schippel die Ehre.

Haller Gassenspiele: Bürger Schippel

28.6.–26.7.2019

Burg Hasegg
6060 Hall in Tirol
Tel. 0043.680.5532117

www.gassenspiele.at
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