Die Hauswand als Leinwand - Geschichten - kultur.tirol
Gemälde in der Zeughausgasse
Die Hauswand als Leinwand

10 interessante Kunstwerke im öffentlichen Raum in Innsbruck 

Fassadengestaltung in Innsbruck kann aktuelle Street Art sein oder ein mittelalterliches Relief. Ein Rundgang lädt zum Schauen und Entdecken. Titelbild: Gemälde in der Zeughausgasse

1. Max Weiler – Ankunft und Abschied

Max Weiler, Innsbrucks Gegenwart

Bahnhofshalle mit „Innsbrucks Gegenwart“ von Max Weiler

Fortfahren – ankommen – ein letzter oder ein erster Blick auf die Stadt, auf „Innsbrucks Vergangenheit“ und „Innsbrucks Zukunft“: Die Bilder in der Halle des Innsbrucker Hauptbahnhofs malte Max Weiler (1910–2001) Anfang der 1950er-Jahre. Ursprünglich als Fresken an gegenüberliegenden Wänden erstellt, wurden sie mitsamt dem Untergrund abgenommen und nach dem Bahnhofsneubau und einer Restaurierung 2003 nebeneinander platziert. Die Bilder, die bei ihrer Enthüllung 1954 und 1955 heftig diskutiert wurden, gelten heute als Meisterwerke des 20. Jahrhunderts – und laden mit ihrern leuchtenden Farben und vielfältigen Szenerien ein, sich in das Damals und Heute Innsbrucks zu vertiefen.

weitere Kunstwerke von Max Weiler in Innsbruck (Auswahl):
Mosaik, Hotel Clima, Zeughausgasse 7
Bildstöcke an der Haller Straße
Mosaiksäule in der Maria-Theresien-Straße 12–14
Mosaik in der Medizin Uni Innsbruck

2. Neue Malerei im Stadtraum

Salurner Straße

Salurner Straße

Gestaltbare Hausfassaden sind in Innsbruck selten, die Wand eines etwas zurückversetzt von der Salurner Straße 18 gelegenen niedrigen Gebäudes und eine andere in der Zeughausgasse fallen daher besonders auf. Die eine ist aktuell mit mit Vögeln geschmückt, die andere mit einem mannshohen Porträt.

3. HNRX – unter der Brücke

HNRX Eisstadion

Zum Fußgängerdurchgang zum Kreisverkehr beim Eisstadion steuerte HNRX mehrere Bilder bei.

Unter den aus Tirol stammenden Street Artists ist er der bekannteste: HNRX, in seinen Anfängen Spezialist für Essbares in Graffiti-Form. Von der „INNS’WURSCHT“-Parodie auf das Innsbrucker Stadtlogo über Bananen in Scheiben bis zu explodierenden Shrimps fand viel Kulinarisches auf den Wänden Innsbrucks Platz. Inzwischen international renommiert, hat HNRX die Spraydose gegen Pinsel und Rollen ausgetauscht und gestaltet Wandgemälde wie jenes zum Maximilianjahr 2019 an der Rückseite des Hauses Maximilianstraße 9 oder lädt internationale Kollegen zur Gestaltung von Säulen der A12 ein, etwa beim Underbridge Festival 2018 in der Feldstraße 12.

Beim Fußgängerdurchgang am Kreisverkehr beim Eisstadion verewigte sich HNRX mehrmals in verschiedenen Schaffensphasen. Die Fläche gehört übrigens zu jenen, die die Stadt Innsbruck für Street Art freigegeben hat und die daher laufend Veränderungen unterworfen sind.

Flächen ohne Anmeldung

Osteingang des Tivoli-Schwimmbades – Anton-Eder-Straße
Prinz-Eugen-Brücke – südseitig
Unterführung Ampfererstraße/Bachlechnerstraße
Parkplatz Baggersee Rossau, Container
Nordseitige Mauer Freibad Tivoli, Anzengruber Straße

Flächen mit Anmeldung unter 0512 5360-3114
Olympiastraße westseitig Olympiaworld
Unterführung Universitätsbrücke südseitig
Fußgängerunterführung Museumstraße ÖBB-Trasse (beim PEMA-Turm)
Unterführung Olympiaworld – Kreisverkehr (Zugänge)

4. style conception – Fassade = Galerie

Michelle Schmollgruber, Fassadengestaltung in der Mentlgasse

Eine der wechselnden Fassadengestaltungen am Haus Mentlgasse 12b, dem Standort von open space style conception: Michelle Schmollgrubers  Gummibäume. Foto: Michelle Schmollgruber

Den Außenraum in die aktuellen Ausstellungen einzubeziehen, gehört in der Galerie open space style conception in der Mentlgasse 12b dazu: Einmal ist es ein Graffiti, einmal ein Rieseninsekt aus Teppichstücken, einmal wachsen Röhren aus der Fassade und zuletzt kunstvolle Gummibaumblätter. Im Durchgang zwischen Mentlgasse und Pechestraße gibt es also immer wieder Neues zu sehen – und damit auch immer wieder neue Anregungen, die Galerie zu besuchen.

5. Walter Honeder – Kunst am Bau

Walter Honeder, Paar mit Kind

Kunst am Bau von Walter Honeder

In ganz Tirol sind die farbenfrohen Malereien und Sgraffiti von Walter Honeder (1906–2006) zu finden: am Postamt in Sölden und am Kindergarten in Kolsass, an der Volksschule im Sieglanger und am Gemeindeamt Kramsach. Oft sind es Szenen aus Leben und Natur Tirols. Möglich wurde das durch die Kunst-am-Bau-Aktion des Landes Tirol nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch in Innsbruck hat Honeder mit Malereien, Fresken und Sgraffiti seine Spuren an Hauswänden hinterlassen, zum Beispiel mitten in der Altstadt in der Riesengasse 10 und an einem Wohnhaus in der Hunoldstraße 20.

6. Inge Höck – Menschen und Tiere

Inge Hoeck, Fennerstraße 14

Inge Höck, Fassadengestaltung am Haus Fennerstraße 14 (Detail)

„Menschen und Natur“ verewigte Inge Höck auf dem Wohnhaus Fennerstraße 14. Für die farbigen Bänder der Fassade entwarf die Künstlerin eine ganze Schar von Figuren. Da tummeln sich Mütter mit Kindern, Männer, Pferde und Vögel. Doch zwischen den üppigen Pflanzen, in der Landschaft mit Feldern, Wiesen und Bächen gibt es noch mehr zu entdecken.

Am Kindergarten in der Bachlechnerstraße entschied sich die Künstlerin hingegen für ein Mosaik und abstrakte Formen. Kräftige Farben – Blau, Orange und Rot – leuchten hier von der Fassade.

7. WKO Tirol – Handel, Gewerbe

Wirtschaftskammer, Alfons Siber

Wirtschaftskammer, Foto: Alfons Siber

Mosaike aus verschiedenen Epochen gibt es in Innsbruck einige – das hat wohl auch damit zu tun, dass die „Tiroler Glasmalerei- und Mosaikanstalt“ Entwürfe von Künstlern, aber auch aus der eigenen Werkstatt meisterlich umsetzte. Neben Kirchenfassaden wie jenen in der Karl-Kapferer- und der Dreiheiligenstraße ist die Fassade der Wirtschaftskammer (ehem. Handels- und Gewerbekammer) nach Entwürfen von Alfons Siber von 1906 besonders sehenswert. In der Meinhardstraße 14 reichen sich über Fensteröffnungen hinweg die verschiedenen Gewerbe und Gewerke die Hände. Grünes Blattwerk, orange-goldene Früchte und typische Werkzeuge vervollständigen das allegorische Bild.

8. Ch. Hinterhuber – de-decode …

Christoph Hinterhuber am TLMF, Foto: Christoph Schwarz

Christoph Hinterhuber, de-decode de-recode re-decode re-recode, 2020
Foto: TLMF, Christoph Schwarz

Von 2009 bis 2018 prangte auf der denkmalgeschützten Stahlbrücke der aufgelassenen Hungerburgbahn die rosafarbene Neonschrift „de-decode de-recode re-decode re-recode“ von Christoph Hinterhuber. Während im Frühjahr 2020 alle Museen geschlossen waren, schuf Hinterhuber mit der Neuproduktion des Schriftzug für die Fassade des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Museumstraße 15, ein neues, markantes Lichtzeichen in der Stadt. Mit Maßen von 90 mal 5.600 cm ist die Schrift ein weithin sichtbares Werk im Stadtraum und zugleich ein Versprechen, dass Kunst fortdauert.

9. Lucas Cranach – Maria überall

Lucas Cranach Mariahilf, Foto: Wikimedia Commons

Gnadenbild Mariahilf (nach 1537) von Lucas Cranach im Innsbrucker Dom …

Lucas Cranach Mariahilf Jahnstraße

… und eine Mosaik-Kopie am Haus Jahnstraße 18 von 1902

Ein Original – viele Kopien: Wer das Gnadenbild Mariahilf von Lucas Cranach, entstanden nach 1537, in Innsbruck bewundern möchte, muss seine Schritte in den Dom zu St. Jakob lenken. Dort ziert es den Altar im Hauptschiff. Die Gottesmutter mit dem zarten Schleier und dem roten Mantel, die ihren Sohn Jesus in liebevoller Umarmung umfängt, war bald ein beliebtes Motiv in ganz Tirol, Bayern und dem übrigen Alpenraum. Es lohnt sich, nach den zahlreichen Kopien im Stadtbild Ausschau zu halten. Beispiele finden sich etwa an der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf, Dr.-Sigismund-Epp-Weg 1, am Stöcklgebäude des Seifensiederhauses, Innstraße 23a, an der barocken Fassade des Helblinghauses in der Herzog-Friedrich-Straße, an der Fassade des Hauses Jahnstraße 18, aber auch in der Kiebachgasse, Seilergasse, Maria-Theresien-Straße und Stiftgasse.

10. Reliefs am Goldenen Dachl

Goldenes Dachl Foto: Hiroki Ogawa, Wikimedia Commons

Reliefs am Goldenen Dachl
Foto: Hiroki Ogawa, Wikimedia Commons

Zu den ältesten Kunstwerken an Innsbrucker Wänden zählen die Reliefs am Goldenen Dachl. Maximilian I. ließ an dem Prunkerker sich selbst mit seiner ersten und zweiten Frau, mit Hofnarr und Kanzler sowie Moriskentänzern in ihren wilden Verrenkungen darstellen, wie sie bei höfischen Festen zu sehen waren. Am Erker selbst sind Kopien angebracht, um die Originale zu schützen. Diese 18 Sandsteinreliefs wurden pünktlich zum Maximilian-Jahr 2019 restauriert und im Herbst des Jahres im New Yorker Metropolitan Museum gezeigt. Seit ihrer Rückkehr sind sie in der ständigen Ausstellung im Museum Goldenes Dachl zu sehen.

Innsbrucks Fassaden erkunden

Karte Fassaden in Innsbruck

Zu Fuß oder mit dem Fahrad lassen sich sehenswerte Fassaden in ganz Innsbruck erkunden. Als Startpunkt haben wir den Innsbrucker Hauptbahnhof gewählt, von dort geht es zuerst Richtung Südwesten in die Feldstraße, zurück nach Wilten und über die Olympiabrücke nach Pradl und die Reichenau im Nordosten. Der Rückweg führt durch die Zeughaus und Jahnstraße in die Altstadt und Maria-Theresien-Straße. Zu Fuß sollte man für die gesamte Runde ca. 2 Stunden einplanen, mit dem Fahrrad ca. 45 Minuten bis 1 Stunde. Zur Karte auf Google Maps geht’s hier.

HNRX Maximilian

HNRX: Entstehung des Maximilianbildes an der rückwärtigen Fassade des Hauses Maximilianstraße 9
Foto: HNRX

Kunst unter der Brücke

Kunst unter der Brücke

Zum Underbridge Festival vom 7. bis 9. September 2018 …

An der Grenze

An der Grenze

Fotokunst und Comic, Spurensuche und Bestandsaufnahme ist …

Räume zum Atemschöpfen

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Ein Spaziergang auf den Spuren der Stille: Der WEI SRAUM …