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Schigymnasium Stams, Folge 4: Immer weiter

Aktualisiert am 01.12.2022 in Sport

Sie trainieren. Fokussiert und konsequent. Tag für Tag. Den Traum vom Skiprofi stets vor Augen.Wohin sie der Weg einmal führt, ist ungewiss. Fakt ist nur, dass es die wenigsten bis ganz nach oben schaffen. Sport.Tirol hat drei Talente aus dem Skigymnasium Stams begleitet und mit ihnen über deren persönliche Wege gesprochen. Über Ziele und Hoffnungen. Und über die Liebe zu einem Sport, der viel mehr bedeutet als Sieg und Niederlage.
 

Wenn sich eine Türe schließt…

…öffnet sich eine andere. Florian aus Fiss hat im Frühjahr seine aktive Karriere als Skirennläufer beendet. Nach dem Schulabschluss in Stams kämpfte er noch zwei Saisonen als Profi um Spitzenplätze. Sein Ziel, die Qualifikation für den ÖSV-Kader, hat er knapp verpasst. Trotzdem trifft man den 21-jährigen noch immer mehrmals wöchentlich auf der Piste: Florian hat den Rennanzug gegen die Coach-Jacke eingetauscht und betreut heuer als Bezirkskadertrainer die Stars von morgen.

<p>Früher selbst im Rennanzug unterwegs und heute als Coach auf der Piste.</p>
Du hast das letzte Rennen deiner Karriere gewonnen. So stellt man sich einen Abschied vor, oder?
„Absolut, das war ein richtig lässiges Abschlussrennen. Ich durfte noch einmal gemeinsam mit meinen besten Freuden am Start stehen, rennfahren und anschließend ausgiebig feiern. Wenn ich an diesen Tag zurückdenke, ist es nicht der Sieg, der im Vordergrund steht, sondern die unvergessliche Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind.“

Worauf bist du stolz, wenn du auf deinen Weg zurückblickst?
„Auch wenn ich es nicht bis in den Weltcup geschafft habe, traue ich mich zu sagen, dass ein guter Skifahrer aus mir geworden ist. Ich habe viele Freundschaften geschlossen und weltweit Kontakte geknüpft. Und stolz bin ich auch darauf, jetzt sagen zu können, dass ich alles gegeben und nichts unversucht gelassen habe.“

Vermisst du das Leben in Stams und als Skirennläufer?
„Manchmal schon. Die Zeit in Stams war eine der schönsten meines Lebens. Mit den besten Freunden zusammen aufzuwachsen, zu essen, zu lernen, zu trainieren, Blödsinn zu machen und auf etwas hinzuarbeiten – was gibt es Schöneres? Und auch die Zeit als Skirennläufer vermisse ich ab und zu. Wenn ich jetzt für meine Athlet:innen bei Traumwetter und besten Bedingungen einen Lauf setze, reizt es mich oft sehr, die Rennski anzuziehen und wieder einmal Gas zu geben.“

Welche neuen Ziele hast du im Leben?
„Ich absolviere gerade die letzten Wochen meines Grundwehrdienstes und betreue am Wochenende als Bezirkskadertrainer unsere Nachwuchsathlet:innen. Den Sommer werde ich wahrscheinlich als Skilehrer in Australien verbringen und im Herbst mit einem Sportmanagement-Studium starten. Einen langfristigen Zukunftsplan habe ich aber noch nicht. Es eröffnen sich derzeit so viele interessante Möglichkeiten, da erlaube ich es mir, neugierig zu sein und mich leiten zu lassen.“

Was kannst du den jungen Athlet:innen, die gerade erst in Stams angefangen haben, mit auf den Weg geben?
„Nehmt im Schülerbereich nicht alles so ernst, bildet euch skitechnisch weiter und arbeitet euer Trainingsprogramm nicht einfach ab, sondern seid ganz bewusst dabei. Erst dann geht richtig etwas weiter. Lasst euch dann im FIS-Bereich nicht unterkriegen, sondern trainiert einfach konsequenter und härter als die anderen. Und am allerwichtigsten: Genießt eure Zeit als Skirennläufer. Diese Zeit kann euch keiner mehr nehmen.“ 
 

Schritt für Schritt

„Ehrgeizig, witzig, zielstrebig.“ So würden ihn seine Freunde beschreiben, meint Dominik. „Und vielleicht ein bisschen ungeduldig.“ Als wir uns mit dem 17-jährigen Ötztaler treffen, kommt er gerade von einem viertägigen Schneekurs zurück. „Mit den Trainingsleistungen bin ich zufrieden, die Formkurve zeigt nach oben“, resümiert er. Gemeinsam mit seinen Stamser Kollegen bereitet sich Dominik auf die bevorstehende Rennsaison vor, seine zweite auf FIS-Ebene. „Der Umstieg von der Schüler- in die FIS-Klasse war vor allem im Riesentorlauf eine große Herausforderung für mich. Im Slalom war ich teilweise richtig schnell, bin aber zu oft ausgeschieden.“ Es war eine Saison mit Höhen und Tiefen. Für einen Platz im Tiroler Jugendkader hat es dieses Mal aber leider nicht gereicht.

<p>Dominik hält weiterhin an seinem Traum fest und dafür trainiert er zielstrebig. </p>
Wie bist du mit dieser Tatsache umgegangen?
„Klar, es war enttäuschend, dass ich mich nicht für den Kader qualifizieren konnte. Das wäre der nächste Schritt gewesen. Nichtsdestotrotz, wir sind auch in Stams bestens betreut. Seit letztem Jahr haben wir zum Beispiel mit Benjamin Prantner einen weltcuperfahrenen Coach an der Spitze unserer Trainingsgruppe. Und auch sonst habe ich hier alle Möglichkeiten und Voraussetzungen, um am Erreichen meiner Ziele weiterzuarbeiten.“

Welche Ziele hast du dir für die kommende Saison gesteckt?
„Ich bin jemand, der am liebsten Schritt für Schritt arbeitet und nicht von großen Ergebnissen träumt. Im Training läuft es derzeit sehr gut. Jetzt ist es mein Ziel, die Trainingsleistungen ins Rennen umzusetzen. Dann kommen die Ergebnisse von alleine.“

Wo siehst du deine Stärken und was fehlt noch für den nächsten großen Schritt?
„Mit Stress und Druck kann ich eigentlich sehr gut umgehen und auch am Start bin ich selten nervös. Trotz dieser Lockerheit fehlt es mir aber manchmal an Selbstvertrauen. Ich zweifle dann an mir und meinen Qualitäten, anstatt von mir überzeugt zu sein und es mir zuzutrauen. Daran arbeite ich.“

Wie gehst du mit Rückschlägen um?
„Nach einem schlechten Ergebnis oder einem Ausfall ist der Ärger im ersten Moment natürlich immer groß. Ich versuche aber sofort zu analysieren und nach vorne zu schauen. Athleten wie Johannes Strolz haben mir gezeigt, dass es immer einen Weg gibt. Wenn man nach Rückschlägen aufhört weiterzumachen, erfährt man nämlich nie, was eigentlich möglich gewesen wäre.“

Vor drei Jahren hast du gesagt, ein Leben ohne den Skirennsport könntest du dir nicht vorstellen. Hat sich deine Sichtweise verändert? 
„Nein, nicht wirklich. Der Skisport ist noch immer mein Leben. Ich bin mir nur bewusster geworden, dass jede Saison meine letzte sein könnte und dass das Leben auch nach der Karriere weitergeht. Was ich dann konkret mache, entscheide ich erst, wenn es so weit ist. Bis dahin widme ich mich aber zu hundert Prozent dem Rennsport.“

Ein Aufstieg nach Maß

…So kann man Leonies vergangene drei Jahre in aller Kürze zusammenfassen. Schon nach der ersten FIS-Saison gelang der 17-jährige Pitztalerin der Sprung in den ÖSV-Nachwuchs-Kader. Neben ihrem Europacupdebüt feierte Leonie letztes Jahr auch ihren ersten Sieg bei einem FIS-Rennen: „Es war überwältigend. Ich wusste zwar schon aus dem Schülerbereich, wie es sich anfühlt, Rennen zu gewinnen. Ein FIS-Sieg ist aber noch einmal ein ganz anderes Level.“ Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Er ist das Ergebnis harter Arbeit. Trotz ihres jungen Alters wirkt Leonie sehr reflektiert und höchst fokussiert. Sie weiß genau, worauf es ankommt.

<p>Im ÖSV-Nachwuchs angekommen rückt Leonie ihrem großen Traum wieder ein Stück näher. </p>
Hast du vor der letzten Saison mit diesen Erfolgen gerechnet?
„Ich wusste, dass der Umstieg in den FIS-Bereich kein leichter wird. Das Ziel, mich für den ÖSV zu qualifizieren, habe ich deshalb nie richtig ausgesprochen. Ich wollte mir einfach keinen Druck machen. Die Vorbereitung lief dann gut und bei den Rennen habe ich mich auch gleich wohlgefühlt. Langsam durfte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass es vielleicht klappen könnte mit dem ÖSV.“

Wie hat sich dein Alltag durch diesen Schritt verändert?
„Ein großer Vorteil ist, dass mein Skitrainer mit mir ins ÖSV-Team mitgegangen ist. Da war die Umstellung für mich nicht so groß. Es sind jetzt mehr Betreuer dabei, zusätzliche Trainer, ein Physiotherapeut und Serviceleute, die uns unsere Ski herrichten. Man ist noch mehr unterwegs als früher und auch das Konditionstraining gestaltet sich intensiver und umfangreicher. Und trotzdem, wenn man dann am Start steht, geht es immer noch um das gleiche.“

Welchen Stellenwert haben Konditionstraining und Mentaltraining für dich?
„Einen großen. Für viele ist das Konditionstraining eine Qual, mir hat es aber immer Spaß gemacht. Ich habe schon früh damit begonnen und bin froh und stolz, dass ich konditionell so gut drauf bin. Im letzten Jahr habe ich gemerkt, dass auch der mentale Bereich einen großen Anteil am Erfolg hat. Zu Beginn konnte ich meine Leistungen nicht ganz abrufen. Meine Trainer haben mir gut zugeredet und mich bestärkt und als es dann beim Rennen einmal geklappt hat, hat sich im Kopf ein Schalter umgelegt und vieles ging wie von allein.“

<p>Das Krafttraining ist geblieben, zusätzlich kam im ÖSV Kader intensives Konditionstraining und Mentaltraining dazu.</p>

Hat sich dein Zugang zum Skisport mit zunehmendem Erfolg verändert?
„Es ist alles immer professioneller geworden. Ich habe gelernt, nicht so viel nach links und rechts zu schauen, sondern mich auf meinen Weg zu konzentrieren. Und natürlich passen sich auch Erwartungen und Zielsetzungen an. Spaß macht mir der Skisport aber immer noch mindestens genauso wie vor drei Jahren.“

Zielsetzungen passen sich an, hast du gesagt. Welche neuen Ziele hast du dir gesteckt?
Der nächste Schritt ist der Aufstieg in den ÖSV-B-Kader. Ich möchte meine FIS-Punkte verbessern und mich für weitere Europacuprennen qualifizieren. Und dann gibt es da ein besonders Event in diesem Jahr: die Junioren-Weltmeisterschaft in St. Anton am Arlberg. Dort dabei zu sein, wäre ein Traum. Als konkretes Ziel habe ich es nicht formuliert. Ich weiß aber, dass es ich draufhabe, mich dafür zu qualifizieren. 

 

Nachwuchstalente in Stams 
Dies ist die vierte Episode einer mehrteiligen sport.tirol-Reihe über den Skinachwuchs im Schigymnasium Stams. 

 

In seiner aktiven Zeit als Skirennläufer lernte Magnus Walch Tirols Berge vor allem im Winter kennen. Jetzt trifft man den gebürtigen Vorarlberger dort auch im Sommer immer öfter beim Biken, Bergsteigen und Klettern.

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