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Maximilian Gerl

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29.03.2021 in Magazin

Fotos: Lene Harbo Pedersen

Im Innsbrucker Alpenzoo fühlt man sich wie auf einer Bergwanderung. Am Hang lernt man die Artenvielfalt der Alpen auf einzigartige Art kennen – und trifft auch Tiere, die ohne die Arbeit des Zoos ausgestorben wären. Wir stellen ein paar tierische Bergfexe vor.

Steinbock

Waldrapp (Geronticus Eremita)

Wenn Waldrappe streiten, hacken sie schon mal mit den krummen Schnäbeln. Früher waren die Vögel in ganz Europa heimisch. Weil sie als Delikatesse galten, wurden sie fast ausgerottet. Dass es noch Waldrappe gibt, ist auch dem Alpenzoo zu verdanken. Seit 1988 wird von dort das Erhaltungszuchtprogramm koordiniert. Möglich, dass sich dieser Waldrapp bald in Freiheit wiederfindet – vielleicht gibt es dann auch weniger Streit in der Voliere.

Waldrapp

Steinbock (Capra Ibex)

Wenn dieser Kerl irgendwann Chef sein will, müssen seine Hörner noch kräftig zulegen. Denn die Rangordnung bei den Steinböcken ist klar geregelt: Das Tier mit dem prächtigsten Kopfschmuck führt die Herde – solange er das bis zu einem Meter lange Geweih auch gegen Konkurrenten einsetzen kann. Steinböcke führen ein hartes Leben, ständig im Fels, auf winzigen Vorsprüngen. Zum Glück sind sie alle Kletterkünstler. Egal, wie lang die Hörner sind.

Steinbock

Ein ganz besonderer Ort

Ein Rundgang durch den Innsbrucker Alpenzoo fühlt sich an wie eine Wanderung: Die Gehege sind direkt in den Hang gebaut. Bis zu 100 Höhenmeter legt man zurück und kommt ganz schön ins Schnaufen. Der höchste Punkt, das Wisentgehege, befindet sich auf 750 Metern. Kein anderer Tiergarten in Europa liegt höher. Berglandschaft und Konzept sind eins.

Der Zoo hält rund 150 alpine Tierarten und erlaubt einen Blick auf die Tiroler Fauna, wie sie ursprünglich einmal war. Viele Tiere sind akut vom Aussterben bedroht. Einige kommen in freier Wildbahn gar nicht mehr vor. Im Alpenzoo gibt es eine Auffangstation, in der jährlich bis zu 400 Wildtiere aufgepäppelt werden. Der Zoo beteiligt sich auch an sogenannten Erhaltungszucht- und Auswilderungsprogrammen – etwa für Bartgeier, Fischotter, Steinböcke und Sumpfschildkröten. Damit es eines Tages wieder möglich ist, die Tiere auch außerhalb des Zoos in den Bergen zu erspähen.

Geöffnet von 9 bis 18 Uhr (April bis Oktober), www.alpenzoo.at

Landgans (Anser Anser Domesticus)

Ein kritischer Blick: Wer kommt denn da? Diese Landgans lebt auf dem Bauernhof, der im Alpenzoo geführt wird. Hier trifft man Tierarten, die früher die Landwirtschaft prägten – und deren Dienste heute nicht mehr gebraucht werden. Die Landgans lieferte Daunen für Decken – und einen feinen Braten. Im Alpenzoo hat sie nichts zu fürchten. Kein Grund also, so zu schauen.

Landgans

Wisent (Bison Bonasus)

Ingram II. ist ein mächtiger Bulle, Hunderte Kilo schwer und mit Hörnern bewehrt. Die auch nicht gerade zierlichen Wildschweine, die sich mit ihm das Gehege teilen, sind auf der Hut. Sobald sich der Bulle umdreht, sausen sie in Deckung, unter Baumstämmen hindurch, wohin er ihnen nicht folgen kann. Auch untereinander halten Wisente gute zwei Meter Sicherheitsabstand. Kämpfe sind aber selten. Ingrams Name verweist auf seine Herkunft: Im Zuchtbuch, das Abstammungsnachweise der Tierart weltweit sammelt, werden die Namen der Tiere vom Geburtsort abgeleitet. Die Vorsilbe „In“ steht für Innsbruck.

Wisent

Bartgeier (Gypaetus Barbatus)

Die Innsbrucker Bartgeier heißen zwar Romeo und Julia – besonders romantisch aber sehen die riesigen Vögel nicht aus. Die Spannweite der Tiere beträgt bis zu drei Meter. Ihre Nahrung besteht zu 80 Prozent aus Knochen verendeter Tiere. Ihr Spitzname: „Knochenbrecher“. Wenn alles gut geht, werden sich Romeo und Julia bald verlieben, ihr erstes gemeinsames Nest bauen und zwei Eier ausbrüten. Bartgeier haben jedoch nichts übrig für Familienharmonie: Das Erstgeschlüpfte tötet das jüngere Geschwisterchen – und erhöht so seine Überlebenschancen und die der Art. Der größte Feind lauert in der eigenen Verwandtschaft.

Bartgeier

Turopolje-Schwein (Sus Scrofa Domesticus)

Dieses Schwein tut alles, um seinem Ruf gerecht zu werden: den ganzen Tag fressen, Besucher angrunzen, schlafen, im Dreck suhlen. Die Haustierrasse der Turopolje-Schweine stammt ursprünglich vom Balkan, und wäre während des Kroatienkriegs (1991–1995) fast ausgestorben. Zumindest die Tiere im Alpenzoo haben wenig zu fürchten: weit und breit kein Metzger. So lässt es sich saumäßig gut leben.

Turopoljeschwein

Sulmtaler Huhn (Gallus Gallus Domesticus)

Hohe Legeleistung, leicht mästbar, hohe Fleischqualität – warum das Sulmtaler Huhn kaum mehr gezüchtet wird und deshalb als gefährdet gilt, ist gar nicht so leicht nachzuvollziehen. Die Tiere im Alpenzoo schert es nicht – sie konzentrieren sich ganz auf ihre exzentrische Federpracht. Die Sulmtaler sind eben die Punker unter den Haushühnern.

Sulmthaler Huhn

Luchs (Lynx Lynx)

Wie geht Jagen, Papa? Der junge Luchs weicht seinem Vater nicht von der Seite. Oft klettern die beiden in den Bäumen des Geheges und lassen sich dann auf einem Ast nieder, wo man sie dank ihrer Tarnung kaum entdeckt. Im Wald wäre der Baum ein idealer Stützpunkt für die Jagd: Luchse sehen und hören extrem gut. Haben sie ein Beutetier entdeckt, pirschen sie sich langsam heran: fast unsichtbar, bis es für die Beute zu spät ist. Luchse sind stark gefährdet. Umso schöner, dass 2018 im Alpenzoo drei Jungtiere geboren wurden.

Luchs

Braunbär (Ursus Arctos)

Manchmal scheint es, als würde Martina von ihrer Vergangenheit eingeholt. Dann läuft das Bärenweibchen gehetzt auf und ab. Früher lebte Martina in einem engen Gehege in Deutschland mit ihren zwei Schwestern. Eine belastende Situation. Dann nahm der Alpenzoo Martina auf. Inzwischen fühlt sie sich in Innsbruck wohl, gerne liegt sie auf einem sonnigen Fleckchen weiter hinten im Gehege und genießt den persönlichen Freiraum.

Braunbär

Maximilian Gerl lebt in München – und nimmt sich jedes Jahr aufs Neue vor, endlich mehr Zeit in den Bergen zu verbringen. Früher besuchte er die Deutsche Journalistenschule. Heute arbeitet er als freier Journalist.

Maximilian Gerl
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