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Pfiat di Schubladendenken: Literaturclub Cognac & Biskotten

Aktualisiert vor 5 Tagen in Kulturleben

Die Tätowiermaschine surrt und der, der da gerade tätowiert wird, liest vor laufender Kamera eigene Texte vor. Dahinter kann nur der Tiroler Literaturclub „Cognac & Biskotten“ stecken. Denn die „Ausgaben“ des gleichnamigen Literaturmagazins sind keine Hefte, sondern immer eine Überraschung, oft spektakulär, nie langweilig und nur selten archivierbar. Mit dem Initiator des verwegenen Clubs, Thomas Schafferer, „blättern“ wir in 24 Jahren Literaturgeschichte.

Das "literarische Tattoo" ist die bisher wohl radikalste Ausgabe des Magazins.
, © Gerhard BergerDas "literarische Tattoo" ist die bisher wohl radikalste Ausgabe des Magazins. © Gerhard Berger

Wer schon länger in Innsbruck lebt, erinnert sich noch an das „literarische Klotürenplakat“ in so mancher WG, den „literarischen Bierbecher“ auf Partys oder den „literarische Papierflieger“ bei Flugübungen – lange bevor irgendwer mit einer Drohne hantieren konnte. „Es geht immer um Lebendigkeit, Buntheit, Berührung, Inspiration. Das will ich erzeugen“, sagt Thomas Schafferer über den Club, den er vor 24 Jahren mitgegründet hat.

Thomas Schafferer ist der Kopf des Literaturclubs.
, © Gerhard BergerThomas Schafferer ist der Kopf des Literaturclubs. © Gerhard Berger

Mit Cognac & Biskotten – kurz Co&Bi – veranstaltet Schafferer Lesungen, veröffentlicht Bücher, fördert Talente jeglichen Alters und lässt sich vor allem immer wieder neue Themen für sein Literaturmagazin einfallen. Die sendet er dann aus, sammelt Einreichungen, wählt die besten aus, bringt sie in Form und passt die Präsentation daran an. 

Ausgabe 35: Die literarischen Konservendose.
, © Andreas AmplatzAusgabe 35: Die literarischen Konservendose. © Andreas Amplatz

Ein Uplift für schlappe Literaturfreunde: Ausgabe Nr. 26 kam als „literarisches Aufputschmittel“ daher.
, © Co&BiEin Uplift für schlappe Literaturfreunde: Ausgabe Nr. 26 kam als „literarisches Aufputschmittel“ daher. © Co&Bi

Literatur auf Schiene

Ein halbes Jahr lang kurvte etwa die mit Texten beklebte „literarische Straßenbahn" durch Innsbruck und ins Stubaital – dabei handelt es sich um Co&Bi, Ausgabe Nr. 25 –, und man war versucht, an der Station lesend stehenzubleiben, anstatt einzusteigen.

Für Thomas Schafferer war sie ein Höhepunkt, auch weil er das Projekt nach aufwendigen Vorbereitungen verwirklichen konnte. Das „literarische Aufputschmittel“ – eine Tablettenschachtel, deren Beipackzettel mit Texten bedruckt war – hatte er nach der Anstrengung wohl nötig.

Die „literarische Straßenbahn“ kurvte ein halbes Jahr lang durch Innsbruck und das Stubaital. 
, © Flo SchneiderDie „literarische Straßenbahn“ kurvte ein halbes Jahr lang durch Innsbruck und das Stubaital.  © Flo Schneider

Wie archiviert man eine Demo?

Ein paar Jahre darauf zog die „literarische Demonstra(k)tion“ durch die Straßen – der oberösterreichische Schriftsteller Franzobel marschierte mit, der Zeichner Yeti Beirer und natürlich Schafferer selbst, ausgerüstet mit einem Megaphon, um Texte an den Mann und die Frau zu bringen.

Fast nahtlos ging es von der Demo dann unter die Erde: Mit der „literarischen Konservendose“ feierte Co&Bi Endzeitstimmung im Bunker, und wer die Dose öffnete, fand darin Literatur, Cognac und einen Strohhalm zum Festhalten.

Mit Franzobel durch Innsbrucks Straßen bei der „literarischen Demonstra(k)tion".
, © Thomas SteinlechnerMit Franzobel durch Innsbrucks Straßen bei der „literarischen Demonstra(k)tion". © Thomas Steinlechner

Bunt und lebendig

Was Co&Bi so interessant macht, ist, dass Genre- und formale Grenzen nicht existieren und neue Kooperationen erwünscht sind. „Wir passen in keine Schublade“, meint Schafferer und freut sich diebisch, dass Bibliotheken bei der Annahme von Pflichtexemplaren „mit uns verzweifeln“. Wie soll man auch eine Konservendose, eine Straßenbahn oder eine Demo archivieren?

Der Schriftsteller Rainer Juriatti bei seiner bisher schmerzhaftesten Lesung. 
, © Gerhard BergerDer Schriftsteller Rainer Juriatti bei seiner bisher schmerzhaftesten Lesung.  © Gerhard Berger

Literatur, die unter die Haut geht

Das Problem wird sich demnächst wieder stellen, wenn die aktuelle Ausgabe ins Archiv soll. „Das literarische Tattoo“ ist nämlich schon wieder kein Heft geworden. Stattdessen laufen zehn Schriftsteller:innen mit je einer „Seite“ auf ihrem Körper herum.

Sie ließen sich einen eigenen Text und eine Seitenzahl tätowieren und hielten währenddessen eine Online-Lesung. Belohnt wurde das Durchhaltevermögen beim Tätowieren mit einem Stamperl Cognac und einer Biskotte – womit auch sonst?

Leiden für die Literatur. Doch als Belohnung gibt es Cognac und Biskotten.
, © Gerhard BergerLeiden für die Literatur. Doch als Belohnung gibt es Cognac und Biskotten. © Gerhard Berger

 

Esther Pirchner beschäftigt sich beruflich  - aber vor allem begeistert - mit Musik und Kultur.

Esther
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