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Michael

Auszeit am Berg: Hütten und Hochtouren fürs nächste Wochenende

Aktualisiert am 16.07.2019 in Sport

Neue Regensburger Huette klein

Wilder Kaiser, Wildspitze, Olperer, Östliche Knotenspitze, Großvenediger und Großglockner - diese und einige andere Berge durfte ich in den vergangenen Sommerwochen kennenlernen. Bei all der Vorfreude auf den Gipfel habe ich die Hüttenübernachtungen, die gemeinsame Zeit mit netten Menschen und den Weg hinauf eigentlich am meisten genossen. Eine Nacht auf der Hütte fühlte sich an wie ein kleiner Urlaub - eine Auszeit von E-Mails, Telefonaten und anderen Dingen, die mich (und viele andere) täglich umtreiben. Als Inspiration für euer nächstes Wanderwochenende - und als schöne Erinnerung - teile ich in diesem Blogbeitrag einige meiner schönsten Touren und Fotos des Sommers mit euch.

Je nach Erfahrung und Kondition könnt ihr bei vielen Hütten auch spektakuläre Hochtouren unternehmen, selbstverständlich nur in Begleitung professioneller Bergführer. Oder ihr geht es gemütlicher an und wandert einfach zur Nachbarhütte weiter. Hier findet ihr sechs von mir selbst begangene Touren:

Olperer, ich komme wieder

Vom Schlegeis-Stausee nach dem Bergsteigerdorf Ginzling im hintersten Winkel des Zillertals zieht ein Wandersteig hinauf ihr zur architektonisch spannenden und modern eingerichteten Olpererhütte. Sie ist nur per Hubschrauber oder zu Fuß erreichbar. An diesem Tag bin gemeinsam mit einem Bergführer weiter Richtung Olperer-Gipfel (3.476 m) unterwegs, die größte Herausforderung ist sicherlich der ausgesetzte Gipfelgrat. Am Weg nach oben sehen wir die Pisten des Ganzjahresskigebiets am Hintertuxer Gletscher. Es ist schon spätnachmittags, und ich muss leider noch am selben Tag zurück ins Tal, also drehen wir kurz vor dem Gipfel um. Macht nichts, denn auf diesen Berg gehe ich nächstes Jahr bestimmt nochmal. Falls ihr mehr Zeit als ich habt, bietet es sich natürlich auch an, auf der Olperer Hütte zu übernachten und weitere Hütten am Berliner Höhenweg oder auf der Peter-Habeler-Runde zu erkunden.


                   Auch von außen gut erkennbar: Das südseitige Panoramafenster der Olpererhütte.
                Auch von außen gut erkennbar: Das südseitige Panoramafenster der Olpererhütte.

Kurz und knackig auf die Hintere Goinger Halt

Ein breiter Fahrweg zieht bis zur komfortablen Gaudeamushütte hinauf. Von der Hütte gehen wir noch weiter übers Ellmauer Tor und zur Hinteren Goinger Halt (2.192 m). Rundum ragen die berühmten Klettergipfel des Wilden Kaisers auf: Fleischbank, Totenkirchl, Predigtstuhl und viele mehr. Nichts für mich, aber vielleicht für manchen einen Kletterfreak unter Euch? In der Ferne leuchtet die Venedigergruppe. Da will ich noch hin! So geht’s mir meistens am Gipfel: Bin ich einmal oben, lädt mich auch schon der nächste Berg ein, mal vorbeizuschauen. Schwindelfrei solltet Ihr übrigens für die Wanderung auf die Hintere Goinger Halt schon sein, ansonsten ist sie aber nicht allzu schwer. Alternativ könnt ihr von der Gaudeamushütte natürlich auch den Adlerweg entlangwandern, zum Beispiel zur Gruttenhütte und zum Hintersteiner See.

Lange und schöne Höhenwanderung: Neue Regensburger Hütte

Ganz hinten, am Ende des Stubaitals, gleich beim Parkplatz des Stubaier Gletscherskigebiets, zweigt der „Wasserfallweg“ ab. Er zieht recht steil bergauf bis zum Mutterberger See, der eigentlich aus mehreren Mini-Seen besteht. Dort biegen wir rechts ab auf den Stubaier Höhenweg. Während wir vor uns hin wandern, überlege ich, was eigentlich das Schönste an so einem Höhenweg ist. Vielleicht die Aussicht auf die gegenüberliegenden Berge? Vielleicht das Gefühl der Freiheit? Oder einfach der Nervenkitzel, leichten Schrittes am Abgrund entlang zu gehen? Ab dem Grawagrubennieder (2.881 m) geht’s wieder bergab und dann über eine traumhafte – das kann man nicht anders beschreiben – eine wirklich traumhafte Hochebene bis zur Neuen Regensburger Hütte.

Traumhafte Aussicht am Stubaier Höhenweg.Traumhafte Aussicht am Stubaier Höhenweg.

Beim Kartenspielen in der Hütte beschließen wir, am nächsten Tag Richtung Östliche Knotenspitze aufzusteigen. Und das tun wir dann auch. Drahtseilversicherungen helfen uns am oberen, luftigen Abschnitt des Wandersteiges bis zur Kreuzspitze. Wolkenschwaden ziehen herum, doch über dem Gipfel der Kreuzspitze schimmert blauer Himmel durch. Von dort würde es mit wegloser Blockkraxelei zur Knotenspitze weitergehen. Wir belassen es bei der Kreuzspitze (3.084 m) und gratulieren unserer schwedischen Freundin, die mit uns das erste Mal im Leben auf einem Dreitausender steht. Am Weg nach unten kehren wir nochmal bei der Hütte ein, bevor wir an der urigen Falbesoner Ochsenalm vorbei wieder ins Stubaital absteigen. Von dort gelangen wir per Bus (fährt tagsüber stündlich) wieder zum Ausgangspunkt.

Hüttenwanderung und Überschreitung der Wildspitze

Ich wandere allein einen recht flachen Weg entlang taleinwärts vom Bergsteigerdorf Vent im hinteren Ötztal bis zu den Rofenhöfen, danach geht’s etwas sportlicher bergauf zur Vernagthütte – mit Traumaussicht ins Venter Tal und hinüber zum Südtiroler Schnalstal. Die Vernagthütte bietet sich als Ausgangspunkt für eine aufregende Hochtour auf die Wildspitze (3.768 m) an. Am nächsten Tag gehen wir frühmorgens mit Steigeisen und Seil ausgerüstet gemeinsam mit unserem Venter Bergführer über den Vernagtferner und dann weiter über Geröll und Schnee hinauf zum Brochkogeljoch. Dahinter, auf der Nordseite, tut sich dann der Taschachferner vor uns auf. Wir stapfen nordseitig des Brochkogels weiter durch den Schnee, Wolken versperren die Sicht, es fühlt sich für mich an wie im Winter. Am Gipfelanstieg zur Wildspitze tun sich zu unserem Glück einige Wolkenfenster auf und wir überschreiten den Grat vom Süd- zum Nordgipfel. Wir haben’s tatsächlich auf die Wildspitze geschafft! Dann gehts mit Hilfe der Steigeisen wieder bergab und wir wechseln bald auf den dritten Gletscher des Tages, der südostseitig von der Wildspitze abfließt, nämlich den Rofenkarferner. Von dort kommen wir dann recht bald zum Gasthof Stablein und freuen uns über den Zweiersessellift, der uns einige hundert Höhenmeter Abstieg nach Vent erspart. Eine Wahnsinnstour! Sehr lang, aber lohnend und weniger begangen als die kürzeren (aber dafür leichteren) Routen von der Breslauer Hütte oder vom Pitztaler Gletscherskigebiet.

Eine Hochtour für Genießer auf den Großvenediger

Im Osttiroler Virgental scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, so idyllisch liegt es da. Die recht lange Wanderung zum Defreggerhaus (2.962 m) haben wir mit einem Hüttentaxi bis zur Johannishütte (2.121 m) abgekürzt – siehe dazu auch Eckards Blogbeitrag übers Virgental. Auf fast 3.000 Metern Höhe bläst mir ein eisiger Wind ins Gesicht, als ich bei der Hütte ankomme. Oberhalb der Hütte versperrt eine Felsscharte die Sicht. Ich gehe hinauf und es haut mich beinahe um: Erstens wegen dem Wind, der hier noch stärker bläst, zweitens wegen dem Ausblick über den Gletscher hinauf zum Großvenediger, der sich noch ein wenig hinter Wolkenschleiern versteckt. Nach unserer Hüttenübernachtung starten wir am nächsten Tag gemeinsam mit einem einheimischn Bergführer unsere Tour auf den Großvenediger. Sie zwar nicht allzu lang und eher einfach, aber dennoch ist erst am Tag davor ist ein Bergsteiger hier wegen schlechter Sicht in eine Gletscherspalte gefallen. Zum Glück konnte er unverletzt geborgen werden. Wir haben mehr Glück, denn abgesehen vom scharfen Wind und der entsprechend winterlichen Temperaturen um Null Grad (im August) scheint uns heute die Sonne ins Gesicht. Der Ausblick am Gipfelgrat des mächtigen Großvenedigers (3.657 Meter) ist einfach genial. Diese wunderschöne Hochtour ist zwar technisch nicht schwer, aber wegen der Gletscherspalten nur mit einem ortskundigen Bergführer zu empfehlen.

Sieht aus wie im Winter: Die letzten Meter am Gipfelgrat des Großvenedigers – mitten im August.Sieht aus wie im Winter: Die letzten Meter am Gipfelgrat des Großvenedigers – mitten im August.

Der Großglockner: Eine Bergtour auf den höchsten Berg Österreichs

Viele kommen nur aus einem Grund nach Kals in Osttirol: Weil sie auf den Großglockner gehen wollen. Dieser Ort mitten im Nationalpark Hohe Tauern hat definitv etwas Magisches. Wegen unserer schweren Rucksäcke nutzen wir die Materialseilbahn der Stüdlhütte und gehen leichten Schrittes durchs Ködnitztal hinauf. Der etwas längere, aber dafür einsamere Weg führt durch das Teischnitztal. Und weil wir schon mal da sind, wollen wir auch versuchen, auf den Großglockner zu gehen. Selbstverständlich nur in Begleitung eines Bergführers. Wir gehen den Normalweg, der über das Ködnitzkees hinauf zur Adlersruh und weiter zum Kleinglockner führt. Die Schlüsselstellen sind sicher das Eisleitl, ein extrem steiles Schneefeld, und die Scharte zwischen Klein- und Großglockner. Die luftige Kraxelei macht mir bei dem Traumwetter und warmen Temperaturen allerdings Riesenspaß und der Bergführer gibt mir Sicherheit. Endlich stehen wir oben, am höchsten Berg Österreichs! Am Weg nach unten steigen wir über den Mürztaler Steig und eine relativ neue Eisenleiter wieder ab zum Ködnitzkees und zur Hütte. Mein Tipp: Bleibt am besten zwei Nächte auf der Hütte, dann könnt ihr diese einmalige Tour auf das Dach Österreichs auch richtig genießen.

Die erfahrenen Bergsteiger unter Euch wissen es wahrscheinlich schon: Die Stüdlhütte (mit ihrer übrigens ausgezeichneten Küche) ist auch der wichtigste Ausgangspunkt für alle, die über den ausgesetzten Stüdlgrat auf den Großglockner gehen wollen. Für mich jedenfalls ein guter Grund, irgendwann wiederzukehren.

Fotos: Michael Gams, Tirol WerbungFotos: Michael Gams, Tirol Werbung

Michael Gams ist in seiner Freizeit viel im Land unterwegs: Beim Wandern, Mountainbiken, Freeriden und Skitouren gehen entdeckt er die schönsten Plätze.

Michael
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